Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
B28 neu: Zweifel am versprochenen Baubeginn 2015

Bühler wollen weiterhin intelligent parken

Nach der Prioritätenliste des Landes besteht Aussicht, dass die B28 neu ab 2015/2016 gebaut werden kann. Vor allem in Bühl löste die Nachricht überwiegend Freude aus.

21.06.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Bühl: Anwohner sorgen für Staus und fordern die B28a

Bühl: Anwohner sorgen für Staus und fordern die B28a --

01:51 min

Kreis Tübingen. Gerhard Neth ist froh darüber, dass die B28 neu unter den zwanzig baureifen baden-württembergischen Fernstraßenprojekten in der zweithöchsten Prioritätsstufe gelandet ist. „Man hat jetzt einen Zeithorizont und eine klare Perspektive“, erinnert der Bühler Ortsvorsteher daran, dass die Diskussion „auch im Ort heftig war“. Besonders zuversichtlich stimmt ihn, dass die Lärmentlastung der Anwohner den Ausschlag für die Bewertung gab. Das nähre die Hoffnung, dass man beim Lärmschutz noch nachbessern könne.

Christian Laudan, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Bühl, sieht das ähnlich. Die Einordnung in Gruppe zwei sei positiv. Gemessen am Stellenwert anderer Vorhaben habe „immer die Gefahr bestanden, dass die Strecke hinten runterfällt“. Nun sei sie nur knapp aus der Spitzengruppe herausgefallen, doch die Verzögerung um ein oder anderthalb Jahre sei zu verkraften. „Der erste Teilerfolg ist da“, findet Laudan. Nun gehe es weiter darum, Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrt durchzusetzen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid hat die Geschwindigkeitsbegrenzung bereits beantragt. Der Forderung werde man auch durch „intelligentes Parken“ Nachdruck verleihen, kündigt der Sprecher der Bürgerinitiative an.

Kiebingen hofft weiter auf die Tieferlegung

Bühler wollen weiterhin intelligent parken
Welche Gemeinden Gewinner und welche Verlierer der künftigen Bundesstraße 28 sind, macht diese Grafik deutlich. Rot markiert und parallel zur Bahnlinie, das ist der planfestgestellte Verlauf, ganz nahe nicht nur an Kiebingen vorbei, sondern auch an Bühl, Kilchberg und ein wenig ferner an Weilheim. Hirschau und Wurmlingen, die Orte, die jetzt die Hauptlast des Lastwagenverkehrs zwischen Autobahn und Tübingen zu tragen haben, wären stark entlastet. Der Rittweg, den Boris Palmer einst für den Lkw-Verkehr zur Nutzung empfahl, ist das gerade Stück Straße entlang des Gewerbegebiets zwischen Hirschau und den Baggerseen. Grafik:Uhland2 / Karte: www.stepmap.de

„Wir hoffen immer noch, dass die Trasse tiefergelegt wird“, sagt Elisabeth Schröder-Kappus, die Ortsvorsteherin von Kiebingen. Da das Projekt in Kategorie zwei eingestuft wurde, bleibe noch genügend Zeit zur Umplanung. Sie hoffe, dass die eingereichte Petition entsprechend beschieden wird und die Stadt Rottenburg die Tieferlegung politisch weiter unterstützt. „Nur so haben wir hier im Ort die Befriedung hingekriegt. Sonst wäre der alte Widerstand sofort wieder aufgebrochen“, sagt Schröder-Kappus. Etwas verhaltener wird die Entwicklung auf der anderen Neckarseite beurteilt. „Eigentlich sind wir enttäuscht“, sagt Bernhard Groß, Sprecher der BI Neckartal aus Wurmlingen. Verkehrssicherheit und Lärmbelastung seien nicht genügend berücksichtigt worden. „Wir wären sonst in der Priorisierung weiter oben“, vermutet Groß. „Unser Protest muss weiter gehen, wir geben uns hier nicht zufrieden“, kündigt er an. Noch sei fraglich, wie die Projekte finanziert werden: „Ausschlaggebend ist für uns nicht der Baubeginn, sondern der Termin der Fertigstellung.“

Ulrich Latus, Ortsvorsteher von Hirschau, ist „geteilter Meinung“. Er hätte sich gewünscht, dass die B 28 neu höchste Priorität erhält. Nun müsse man darauf hoffen, dass sie tatsächlich ab 2015/2016 gebaut wird: „Wir haben schon so oft erlebt, dass wir enttäuscht wurden“, sagt Latus. Die Vorplanungen müssten schon jetzt beginnen, damit dann tatsächlich gebaut werden kann. „Wir werden hellwach sein und bei der Landesregierung und dem Regierungspräsidium ständig nachfragen. Wir bleiben am Ball“, kündigt er an.

Aus Sicht des Tübinger Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal muss die Trasse jetzt so gestaltet werden, „dass der Ausbau eine wirkliche Entlastung für die Menschen bringt. Wichtig ist, dass wir eine faire Lösung finden, bei der die Interessen der Ortschaften im Neckartal nicht gegeneinander ausgespielt werden“. Der Straßenbau im Land sei vonseiten des Bundes seit Jahren chronisch unterfinanziert. Die Landesregierung habe mit der Priorisierung „ihre Politik eines neuen Realismus“ fortgesetzt.

Ein Verfahren „nach klar festgelegten, nachvollziehbaren Kriterien“ sei seit langem Forderung der SPD gewesen, betont die Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid. Sie sieht sich in der Auffassung bestätigt, „dass der Neubau eine enorme Lärmentlastung für die Bevölkerung bringen wird“.

Lärmschutz für mehrere Ortschaften

Für die CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz und den CDU-Kreisvorsitzenden Klaus Tappeser ist die Aufnahme der B 28 neu in die Prioritätenliste des Landes eine „längst überfällige Aussage“. Kritisch sehen Widmann-Mauz und Tappeser allerdings die Bewertung der verschiedenen Kriterien. „Wie die Einstufung im Detail zustande gekommen ist, bleibt weitestgehend schleierhaft.“ Es sei nicht nachvollziehbar, warum das Leistungsvermögen der B 28 neu als Ortsumgehung vergleichsweise niedrig eingestuft wurde, obwohl damit mehrere Ortsumfahrungen mit einer Trasse realisiert würden. Auch müsste der Lärmschutz höher bewertet werden als die Netzfunktion, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Der geplante Schindhau-Basistunnel der B 27 bei Tübingen gehört nicht zu den baureifen Fernstraßenprojekten und taucht deshalb in der Prioritätenliste nicht auf. Nach einer früheren Aussage von Landesverkehrsminister Winfried Hermann kann das zwei bis fünf Jahre dauernde Planfeststellungsverfahren frühestens im Jahr 2014 beginnen.

Eine neue Ehrlichkeit ist aus Sicht des Tübinger Grünen-Landtagsabgeordneten Daniel Lede Abal in die Verkehrspolitik des Landes eingekehrt. Die Opposition sieht das erwartungsgemäß anders. Die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger sprach von „Entscheidungen nach Gutsherrenart“.
Die zwanzig baureifen Fernstraßenprojekte im Land wurden anhand von sechs Kriterien nach Dringlichkeit bewertet und in drei Gruppen eingeteilt. Die B 28 neu kam in die zweite Gruppe (Baubeginn ab 2015/2016 möglich). Für jedes Kriterium wurden ein bis fünf Punkte vergeben. Die B 28 erhielt im Durchschnitt 2,75 Punkte. Beim Kosten-Nutzen-Verhältnis kam sie auf 3 Punkte, bei der Verkehrssicherheit auf einen. Etwas weniger stark wurden Netzfunktion (3), Verkehrsfluss (2) und Umweltverträglichkeit (3 Punkte) gewichtet. Am stärksten spricht die Lärmentlastung (5 Punkte) für das Projekt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball