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2013 soll der Plan stehen

Bürger können beim neuen Güterbahnhof-Quartier mitreden

Wer bei der Entwicklung des neun Hektar großen Areals am Güterbahnhof mitreden will, kann dies bald tun: Wie Baubürgermeisterin Ulla Schreiber am Freitag bei einer Pressekonferenz ankündigte, soll bereits im Sommer ein „Bürgerworkshop“ eingerichtet werden.

06.02.2010
  • Sepp Wais

Tübingen. Nachdem sich die Bahn AG (wie am Donnerstag berichtet) grundsätzlich bereiterklärt hat, ihre schon lange nicht mehr gebrauchten Flächen am Güterbahnhof für eine Neuordnung freizugeben, soll es jetzt schnell gehen. Der Antrag auf Rückbau der überflüssigen Gleisanlagen wurde bereits beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Und inzwischen sind Bahn-Experten auch schon dabei, sich einen möglichst genauen Überblick über die damit verbundenen Kosten zu verschaffen. Schließlich wollen alle Beteiligten sicherstellen, dass sich das Projekt auch wirklich für sie lohnt.

Letzteres hängt entscheidend von der künftigen Nutzung des 1000 Meter langen und bis zu 100 Meter breiten Areals ab, das von der Blauen Brücke ostwärts bis zum Schutzgebiet des Au-Brunnens reicht. Auch mit dieser Frage soll sich der Workshop im Sommer befassen, mit dem Schreiber „interessierte Bürger sowie Vertreter ausgesuchter Interessenverbände und der politischen Gremien“ in den Planungsprozess einbinden möchte – mit dem Ziel, eine „hohe Akzeptanz in der Öffentlichkeit“ zu erreichen: „Wir brauchen die BI vorher, nicht hinterher, wenn die Sache gelaufen ist.“

Und so sieht der weitere Zeitplan der Bauverwaltung aus: In der Hoffnung, dass nach der Sommerpause die künftige Nutzung der Bahn-Brache in groben Zügen festgeklopft ist, will man im Herbst einen städtebaulichen Wettbewerb ausloben. Dessen Ergebnisse sollen im ersten Halbjahr 2011 vorliegen und dann zügig in entsprechende Bebauungspläne (inklusive Flächennutzungsplan) eingearbeitet werden.

Parallel dazu läuft beim Eisenbahnbundesamt die „Entwidmung“ der nicht mehr benötigten Bahnflächen – eine Prozedur, das voraussichtlich bis 2013 dauert. Spätestens bis zum Abschluss dieses Verfahrens will man im Technischen Rathaus die planungsrechtlichen Grundlagen für das neue Quartier geschaffen haben. „Wenn alles optimal läuft“, so hofft Tim von Winning, der Chef des Fachbereichs Planen und Entwickeln, „dann können 2014 die Bauarbeiten beginnen.“

Bürger können beim neuen Güterbahnhof-Quartier mitreden
So soll die etwa 1000 Meter lange und bis zu 100 Meter breite Brache an der Eisenbahnstraße genutzt werden: Im Osten ist ein Gewerbegebiet (grau eingefärbt) geplant. Im zentralen Bereich bis hin zur Einmündung an der Reutlinger Straße wünschen sich die Stadtplaner ein Mischgebiet (orange) mit Wohnungen für 500 bis 1000 Leute. Was man unter der „Spezialnutzung“ für den heutigen Parkplatz (rot) unterhalb der Blauen Brücke verstehen soll, steht noch nicht fest. Skizze: Stadt Tübingen

Wie aus der oben abgebildeten Skizze hervorgeht, wollen die Stadtplaner im östlichen Bereich des neuen Quartiers Gewerbeflächen ausweisen – aber „keine billigen Schuppengebiete und keine weiteren Einkaufszentren“, wie Ulla Schreiber gestern betonte. Sie wünscht sich stattdessen einen „modernen, hochwertigen Gewerbepark mit Ausgründungen aus der Universität“.

Stadteinwärts soll sich ein vier- bis fünfstöckig überbautes Mischgebiet anschließen, in dem laut Schreiber die Schaffung von „Wohnraum für mittlere Schichten“ Vorrang hat. Dass dort dereinst an die 1000 Leute leben werden, wie OB Boris Palmer am Donnerstag dem TAGBLATT erklärte, hält die Baubürgermeisterin aber für unwahrscheinlich: „Anders als im etwa gleich großen Mühlenviertel werden wir in diesem Mischgebiet einen hohen Anteil an Gewerbeflächen haben, deshalb denke ich eher an 500 plus x Bewohner.“

Die „größte Herausforderung“ für die Stadtplaner wartet laut Schreiber auf dem Park- und Flohmarktplatz am westlichen Ende des Areals, wo am Eingang zum Stadtzentrum ein würdiges Pendant zum dann hoffentlich genauso würdigen Foyer-Nachfolger entstehen soll. Dass sich dieser Neubau oben auf der Blauen Brücke ebenso attraktiv zeigt wie unten auf dem Niveau des Bahngeländes, hält sie für machbar. Doch für dieses architektonische Ausrufezeichen eine hochwertige Nutzung zu finden, die dem prominenten Standort gerecht wird, das wird für Schreiber „ein echtes Problem“.

Aber weniger für die Stadt als vielmehr für die beiden Eigentümer der Brache – die Immobiliengesellschaft der Bahn und die frühere, mittlerweile privatisierte Bahn-Tochter Aurelis. Denn anders als im Mühlenviertel und in Lustnau-Süd überlässt die Stadt die Projektentwicklung diesmal den Grundbesitzern. Nach den Worten von Ulla Schreiber vor allem deswegen: „Eine Stadt kann sich an so einem Brocken auch mal verschlucken – wir haben derzeit weder das Geld, noch die Kapazitäten für ein solches Großprojekt.“ Gleichwohl legt man im Rathaus großen Wert darauf, dass am Güterbahnhof auch örtliche Bauträger und Baugemeinschaften zum Zug kommen.

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06.02.2010, 12:00 Uhr

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