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Im zentralen Süden viel Neues

Bürger planen für Europaplatz und Zinser-Dreieck

Zwischen Bahnhof und Zinser-Dreieck, Foyer-Areal und Uhland-Denkmal wird sich das Gesicht Tübingens in den nächsten Jahren verändern. Wie das südliche Stadtzentrum später aussehen könnte, war am Dienstagabend in der Mensa Uhlandstraße zu erfahren. Die Stadtverwaltung präsentierte Zwischenergebnisse der Bürgerbeteiligung.

11.10.2012
  • Matthias Stelzer

Tübingen. Es gab Zeiten in Tübingen, da hätte man über die Kaufkraftverteilung zwischen Europaplatz und Altstadt kräftig gestritten, hätte die Diskussionen über die Verkehrsführung in der Innenstadt zum Straßenkampf werden lassen. Ganz anders heute.

Als OB Boris Palmer am Dienstagabend zusammen mit seinen Fachleuten aus dem Baudezernat über den Stand der Pläne und Ideen für das südliche Stadtzentrum informierte, dominierte der warme Applaus. Die gut 100 Zuhörer/innen, von denen etliche selbst an den Runden Tischen und in den Planungs-Werkstätten mitgearbeitet hatten, schienen mit der Richtung zufrieden zu sein, die die Bürgerbeteiligung vorgibt. „Ich habe es selten erlebt, dass so große Eingriffe mit so wenig Streit vonstattengehen“, fasste Palmer seinen Eindruck zusammen.

Organisiert in etlichen Arbeitsgruppen hatten sich über 100 Tübinger/innen im vergangenen Jahr mit dem Gebiet beschäftigt, das im Süden unmittelbar an den Neckar angrenzt. In über 20 000 Stunden Arbeit widmeten sich die Beteiligten der Zukunft des Gebiets zwischen Bahnhof, Foyer, Zinser-Dreieck und Anlagenpark. Die Ergebnisse wurden am Dienstagabend unterteilt in fünf Teilprojekte vorgestellt.

Europaplatz und Busbahnhof: Der Platz vor dem Tübinger Hauptbahnhof ist seit Jahren im Fokus der Stadtplaner. Vor 14 Jahren wurde zuletzt ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt, auf dessen Siegerentwurf die aktuelle Planungs-Werkstatt fußt. Geplant ist ein neuer Busbahnhof unmittelbar vor dem Hauptbahnhof. Dazu ein 5000 Quadratmeter großes Baufeld, auf dem Gewerbe-, Dienstleistungs- und Wohnflächen entstehen und den neuen Busbahnhof (mit Einnahmen von fünf Millionen Euro) finanzieren sollen. Nach dem Willen der beteiligten Bürger soll das Areal von mehreren Akteuren entwickelt werden. Gewünscht sind um die 15 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche.

Ein Größe also, in der ein großes Handelsunternehmen – die Rede ist von einem Textiler – auf 3000 bis 3500 Quadratmeter unterkommen könnte. Dazu sollen drei bis vier Ladenflächen mit 500 Quadratmetern für Sortimente angeboten werden, die dem Innenstadthandel möglichst wenig schaden. Überlegt wird außerdem eine öffentlich-soziale Nutzung. „Wir denken über ein ,Haus der Familie’ nach“, sagte Baubürgermeister Cord Soehlke. Und auch für ein Jugendcafé soll am Europaplatz Platz sein.

Zinser-Dreieck: Rund ums Handels-Dreieck wird sich der Gestaltungswille der Stadt schon im nächsten Frühjahr bemerkbar machen (wir berichteten). Die Verkehrsführung in Friedrichstraße und Karlstraße wird – nicht zuletzt zur Beschleunigung des Busverkehrs – geändert. Der öffentliche Raum und die Straßen sollen durch unterschiedliche Belagsfarben und Gestaltungsmerkmale aufgebessert werden. Die Karlstraße nach dem Prinzip des „Shared Space“ sogar zur Verkehrsfläche werden, auf der Radler, Zulieferfahrzeuge und Fußgänger gleichberechtigt unterwegs sind.

Ehemaliges Foyer-Areal: Wo bis vor kurzem noch Tübingens Konzertsaal-Ruine stand, sollen bald ein Hotel und Wohn- und Geschäftsgebäude entlang der Steinlach entstehen. Derzeit ist die Stadtverwaltung mit möglichen Hotelbetreibern im Gespräch, die ihre Anfangsangebote gerade ausarbeiten und nachbessern. Noch im November will Palmer – von der Verschwiegenheitspflicht des VOB-Verfahrens befreit – nähere Informationen zum Projekt liefern.

Verbindung mit der Altstadt: Um Balance zwischen der Fachwerk-verwinkelten Altstadt und den neu entstehenden Gewerbeflächen des südlichen Stadtzentrums bemüht sich unter Leitung des Oberbürgermeisters die Arbeitsgruppe „Anbindung von Altstadt und südlichem Stadtzentrum“. An ihr ist der Runde Tisch Altstadt beteiligt. Inhaltlich beschäftigt sich die Gruppe, die am 7. November wieder zusammenkommt, derzeit beispielsweise mit dem Bodenbelagskonzept für die Altstadt, mit einem kostenlosem W-Lan-Angebot (wir berichteten gestern) oder auch mit der Frage, ob bei der Stiftskirche noch ein Kinderspielplatz entstehen kann. Bereits umgesetzt wird ein Ergebnis des Runden Tischs: Die Parkhäuser König und Stadtgraben heißen jetzt „Altstadt-König“ und „Altstadt-Mitte“.

Mühlstraße und Neckarbrücke: Wenig Chancen auf eine Klärung im Einvernehmen hat der Runde Tisch, der sich mit der Zukunft der Mühlstraße kümmert. Sperrung ja oder nein? Diese Frage haben gegebenenfalls alle Tübinger/innen per Bürgerentscheid zu klären. Zuerst mal ist aber der Gemeinderat am Zug. Er hat zu bestimmen, ob über die Sperrung möglichst schnell (per Entscheid bei der Bundestagswahl) abgestimmt werden soll. Als Alternative schlägt die Verwaltung vor, könnten zuerst alle verkehrslenkenden Eingriffe in anderen Teilen der Stadt umgesetzt und erprobt werden.

Eine Sperrung der Mühlstraße macht aus Sicht der Verwaltung verschiedene Eingriffe nötig: So soll der Einbahnring um den alten Botanischen Garten und das Univiertel aufgehoben werden. Da besondere (zusätzliche) Belastungen für die Weststadt absehbar sind, soll die Durchfahrt der Herrenberger Straße erschwert werden (wir berichteten). Außerdem soll der Verkehr in die Nordstadt durch den Ausbau des Aischbachknotens vermehrt über den Hagellocher Weg umgeleitet werden. Letzteres will der OB im kommenden Haushalt finanzieren.

Bürger planen für Europaplatz und Zinser-Dreieck
Gut 100 Interessierte kamen am Dienstagabend zur Infoveranstaltung in die Mensa Uhlandstraße.

Am heutigen Donnerstag, 11. Oktober, gibt es vor dem Uhlandbad in der Karlstraße einen Informationsstand der Stadtverwaltung. Von 14 bis 16 Uhr informiert Oberbürgermeister Boris Palmer gemeinsam mit Fachleuten aus der Stadtverwaltung über die Umbaupläne zum Zinser-Dreieck. Anhand von Plänen wollen die Experten der Stadt darüber informieren, wie dieser Teil des südlichen Stadtzentrums künftig aussehen könnte.
Die ausgestellten Pläne werden ab Freitagfrüh zwei Wochen lang im Foyer des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTs in der Uhlandstraße 2 zu sehen sein. Geöffnet hat die Ausstellung bis zum 25. Oktober – montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und an den Freitagen von 9 bis 15 Uhr.

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11.10.2012, 12:00 Uhr

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