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Alternativen gesucht

Bürgerdialog zum Verkehrsknoten am geplanten Schindhautunnel gestartet

Muss der von Tübingen gewollte lange Schindhaubasistunnel wirklich zu einem gigantischen Verkehrsknoten in den Reutlinger Wiesen führen oder gibt es Alternativen? Dieser Frage geht der jetzt gestartete Bürgerdialog zu dem Großprojekt nach. Verbesserungsvorschläge sind dabei ausdrücklich willkommen.

29.06.2012
  • gernot stegert

Tübingen. Etwa 90 Besucher waren am Mittwochabend ins Sudhaus zum offiziellen Auftakt des sogenannten Bürgerdialogs gekommen. Das ist ein Beteiligungsverfahren der Stadt Tübingen und der Verkehrsplaner des Regierungspräsidiums (RP), das in den vergangenen Wochen erarbeitet wurde. Anlass war der große Unmut bei Bürgern und Stadträten, als das RP im März seine Pläne für den Tunnel und vor allem für den Straßenknoten von B 27 und B 28 vorstellte (wir berichteten).

Oberbürgermeister Boris Palmer beschrieb zu Beginn des Abends noch einmal, wie er erst von der Größe des Knotens entsetzt gewesen sei, verzweifelt nach Alternativen gesucht und Skizzen gezeichnet habe – um am Ende einzusehen, dass seine Vorschläge nicht funktionieren würden. Da habe er sich von den Straßenplanern überzeugen lassen müssen. Doch der Grüne hofft weiter „auf einen genialen Vorschlag“ von den Bürgern, wie der Verkehrsknoten verkleinert werden könnte.

Josef Bild, als Abteilungsleiter oberster Verkehrsplaner des RP, erklärte mit Animationen und Zahlen anschaulich, wie seine Behörde zu dem Knoten gekommen ist. Berücksichtigt seien die Leistungsfähigkeit (Verkehrsfluss), die städtebauliche Anbindung, die Gestaltung des Knotens unter Berücksichtigung der Topografie, der Natur- und der Lärmschutz.

Bild und sein Referatsleiter Ulrich Kunze stellten im Vortrag wie in ihren Antworten auf Bürgerfragen auch Alternativen vor – und Gründe dagegen: So würde jeder Kreisverkehr immer zu Rückstaus führen, auch im Tunnel. Das aber sei aus Sicherheitsgründen ein „K.o.-Kriterium“, sagte Bild. Auch anderswo übliche Kleeblattvarianten gingen nicht, weil der Schindhau und das Französische Viertel dafür keinen Platz ließen. Auch jede direkte Zufahrt von der B 27 aus dem Tunnel auf die B 28 Richtung Reutlingen sei wegen des zu steilen Anstiegs nicht machbar. Andere Alternativen wiederum würden den Tunneleingang verlagern oder nicht mehr ebenerdig ermöglichen.

Gegen viele Vorschläge führten die Straßenplaner die Verkehrsprognose für das Jahr 2020 ins Feld. Das – vor allem zu den Spitzenzeiten morgens und abends – vorhergesagte Auto-Aufkommen sei nur durch den geplanten Knoten zu bewältigen. Manche Bürger bezweifelten allerdings, ob die Prognose aus dem Jahr 2006 auch noch für das Jahr 2025 Geltung habe.

Auf den mehrfach beklagten Flächenverbrauch antworteten die Straßenplaner mit dem Hinweis, dass ein Teil der B 27 wegfalle und die B 28 vom Französischen Viertel weggerückt werde. Auch seien Begrünungen geplant. „Netto ist es gar nicht so wild, was an Straßen hinzukommt“, sagte Kunze.

Die Bürger im Sudhaus, darunter etliche Bewohner der Gartenstadt und des Französischen Viertels, stellten nicht nur sachliche Fragen, sondern erklärten sich auch zur Teilnahme am Dialog bereit. Wie dieser aussehen soll, erläuterte Baubürgermeister Cord Soehlke:

Inhalt: Gesprochen werden soll zuerst über den Verkehrsknoten und Alternativen, dann über Ausgestaltungen wie die Verbindungen zum bestehenden Wegenetz, die Anbindung der Gartenstadt und des Französischen Viertels, die landschaftliche Gestaltung und die Reduzierung des Flächenverbrauchs. Nicht mehr diskutiert werden könne über Grundsatzfragen wie Trasse oder Tunnel selbst.

Teilnehmer: Beteiligt sind die Stadt, das RP, das Landesverkehrsministerium und Bürger. Gesetzt sind Vertreter der BI Südstadt, des Forums Französisches Viertel und der BI Gartenstadt. Auch andere Institutionen und vor allem Einzelpersonen können sich melden.

Dauer: Geplant sind drei Termine ab September. Bis Jahresende soll ein Ergebnis vorliegen. Die Verzögerung hole man später wieder rein, weil das Planfeststellungsverfahren mit weniger Widerstand schneller gehe, waren sich Palmer und Bild einig.

Palmer betonte das Besondere dieses Bürgerdialogs. Es sei nicht bloß eine Anhörung: „Neu ist, dass Vorschläge, sogar Zeichnungen, eingereicht werden können.“

Info: Die Präsentation des Regierungspräsidiums hat die Stadt online gestellt: www.tuebingen.de/95.html#7159. Wer beim Bürgerdialog mitmachen will, kann sich bis August bei der Stadt bewerben – entweder per brief an Baubürgermeister Soehlke oder per Email an ob@tuebingen.de oder cord.soehlke@tuebingen.de.

Bürgerdialog zum Verkehrsknoten am geplanten Schindhautunnel gestartet
Die Montage zeigt, wie sich die Verkehrsplaner den Tübinger Knoten vorstellen. Bild: Regierungspräsidium Tübingen

Die Verlegung der B 27 in einen Tunnel durch den Schindbau soll den Tübinger Süden von Verkehr entlasten. Der Gemeinderat hat ihn einstimmig beschlossen.

Nach langer Blockade durch den Bundesrechnungshof ist die Finanzierung gesichert. Die Kosten werden auf 200 Millionen Euro beziffert, davon allein 153 Millionen Euro für den Tunnel.

Der 2,3 Kilometer lange Tunnel besteht aus zwei Röhren mit je zwei Fahrspuren. Die Einfahrt östlich des Französischen Viertels und die Ausfahrt beim Bläsibad sollen ebenerdig sein. Der kleine Knoten im Süden ist recht unstrittig. Die Verknüpfung von B 27 und B 28 mit den Ab- und Abfahrten im Norden dagegen stößt wegen ihrer Größe auf Widerstand.

Nach Zeitplan könnte im besten Fall Ende 2016 die Planfeststellung beginnen, 2018 der Bau und 2025 würde das erste Auto rollen.

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29.06.2012, 12:00 Uhr

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