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Rückert sieht sich „auf dem richtigen Weg“

Bürgerinformation: Der Landrat will das Horber Krankenhaus schließen und in Freudenstadt eventuell eine neue Klinik bauen

Während Landrat Dr. Klaus Michael Rückert für das Horber Hospital die Schließung empfiehlt, will er in Freudenstadt einen Krankenhaus-Komplettneubau prüfen. Das sagte er bei der Bürger-Informationsveranstaltung des Landkreises Freudenstadt am Montag in der Horber Hohenberghalle.

07.11.2012
  • Andreas Ellinger

Horb. „Unser Auftrag ist es, Kliniken am Markt zu halten – sofern wir das vertreten können“, sagte Diplom-Betriebswirtin Margit Schmaus vom Deutschen Krankenhaus-Institut (DKI), das eines von zwei Gutachten für die Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) angefertigt hat. Auf dessen Basis hat der KLF-Aufsichtsrat dem Kreistag die Schließung des Hospitals empfohlen. Margit Schmaus stand am Montag mit Klaus Michael Rückert und KLF-Geschäftsführer Peter Mast auf dem Podium der Hohenberghalle Rede und Antwort. Knapp 400 Leute waren gekommen – unter ihnen Kommunalpolitiker, auch Kreisräte aus dem Westkreis.

Gleich zu Beginn der Versammlung – noch bevor die Bürger Fragen stellen konnten – stellte sich Rückert selbst eine Frage: „Warum fängt der Landrat mit diesem Thema noch einmal an?“ Es habe so ausgesehen, als sei das Kapitel „durchaus auch nach schwierigen Phasen“ abgeschlossen, sagte er – er habe das Thema nicht in seiner „Zielplanung 2012“ gehabt. Dass es anders gekommen sei, habe mit dem Anstieg des geplanten Fehlbetrags von 7,5 auf rund 8,5 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr zu tun. Und mit der strukturellen Entwicklung im Gesundheitswesen: Nur wegen der Einführung des Fallpauschalen-Systems in der Krankenhaus-Finanzierung gebe es in Horb 1,2 Millionen Euro weniger Einnahmen. Diese „systembedingten Verluste“ im laufenden Krankenhausbetrieb seien eine Folge der Bundespolitik – und das Land komme bei den Krankenhausinvestitionen seinen Verpflichtungen „seit Jahren nicht mehr nach“, sagte Rückert, dem plötzlich aufgefallen ist: „Wir brauchen doch eine solide Datengrundlage, wie es mit den Krankenhäusern weitergeht in den nächsten Jahren!“ Und auf dieser Datengrundlage schlägt er nun die Schließung des Hospital vor: „Ich stehe zum Empfehlungsbeschluss des Aufsichtsrates“, dessen Vorsitzender er ist. So meine er, dass der ambulante Bereich und der stationäre Bereich in Form einer altersmedizinischen Rehabilitation (geriatrische Reha) in Horb erhalten werden könne – aber eben kein Akutkrankenhaus. KLF-Geschäftsführer Peter Mast: „Es gibt dann keine Anlaufstelle mehr“, wo Bürger in Horb hin könnten, „wenn man den Fuß gebrochen oder sich in den Finger geschnitten hat“.

Das Gutachten des DKI stütze sich „ausschließlich auf Rohdaten aus der Elektronischen Datenverarbeitung“, betonte Margit Schmaus – das Ergebnis hatten sie und Geschäftsführer Mast für die Bürgerschaft aufbereitet. Auf Basis des Jahresabschlusses 2011 (Fehlbetrag: 7,2 Millionen Euro) wurden die Fehlbeträge für folgende Szenarien errechnet: Leistungsspektrum laut Kreistagsbeschluss (7,3). Leistungsspektrum laut Kreistagsbeschluss ohne stationäre Chirurgie, aber dafür mir Kurzliegern aus dem Hals-Nasen-Ohren-Bereich und mit allen ambulanten Operationen der KLF (7,3). Standort Horb ohne stationäre Abteilung (also auch ohne geriatrische Reha), aber mit ambulanten Operationen plus Übernachtungsmöglichkeit für Selbstzahler (5). Komplettschließung des stationären Bereichs (4). Und Umwandlung des Akut-Krankenhauses in eine geriatrische Reha mit 65 bis 68 Betten (5,1). Für die letzte Variante hat sich der KLF-Aufsichtsrat entschieden – wie vom DKI empfohlen. Dadurch sollen in den nächsten fünf Jahren bis zu 3,4 Millionen Euro pro Jahr gespart werden können, wie Peter Mast ausgerechnet hat.

Hinzu kam ein Gutachten der „Teamplan-Ingenieure“ zur baulichen Situation der Krankenhäuser Freudenstadt und Horb. Um den bisherigen Betrieb in den nächsten 25 Jahren sicherzustellen müssten in Freudenstadt „baldmöglichst“ 13,5 und in Horb 0,8 Millionen Euro investiert werden sowie längerfristig 36,5 Millionen Euro in Freudenstadt und 4,2 in Horb. Der Landrat versuchte bei den Horbern mit dem Hinweis auf das Dach ihrer Hohenberghalle um Verständnis zu werben, welche baulichen Herausforderungen sich ergeben könnten… – Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der mit Bürgermeister Jan Zeitler in der zweiten Stuhlreihe der Hohenberghalle saß, reagierte darauf mit einem Zwischenruf: „Die Halle ist offen!“ Daraufhin meinte Mast: „Das Krankenhaus ist auch noch offen.“

Infolge des Bau-Gutachtens von Teamplan zeigte der Landrat drei Handlungsalternativen für das Freudenstädter Krankenhaus auf. Erstens: Investitionen gemäß Teamplan-Gutachten. Zweitens: Ein Weiternutzung der sanierten und ausgebauten Bereiche der Freudenstädter Klinik plus ein Neubau. Drittens: ein Komplettneubau des Freudenstädter Krankenhauses. Das sorgte für ein Raunen im Horber Publikum. FD/FW-Stadtrat Adolf Bamberger warf per Zwischenruf ein, dass die Horber dann den Freudenstädter Neubau bezahlen müssten. Der Landrat entgegnete: „Der gesamte Kreis zahlt das über die Kreisumlage.“

Um schnellstmöglich die Baukonzeption erarbeiten zu können und zu wissen, ob im Haushaltsjahr 2013 mit einem Kreiskrankenhaus-Defizit von 8,6 oder von 5,2 Millionen Euro zu rechnen sei, müsse der Kreistag noch in diesem Jahr über die Zukunft des Hospitals entscheiden, sagte Rückert. Die Defizit-Differenz entspreche 3,3 bis 3,4 Punkten Kreisumlage.

Der Landrat betonte, dass er die Verantwortung für den gesamten Landkreis und den Haushalt des gesamten Kreises habe: „Es bringt nichts, wenn wir die Augen zumachen und sagen, das wird schon gutgehen, und irgendwann die Gemeinden die Kreisumlage nicht mehr bezahlen können.“ Vor zwei Jahren sei er „angetreten, um für Transparenz und Klarheit zu sorgen“ – er sei jetzt auf dem „geraden und dem richtigen Weg“.

Info Eine zweite Informationsveranstaltung zur Entwicklung der Kreiskrankenhäuser ist am heutigen Mittwoch, 7. November, um 20 Uhr, im Großen Kursaal des Kur- und Kongresszentrums in Freudenstadt.

Bürgerinformation: Der Landrat will das Horber Krankenhaus schließen und in Freudenstadt
Knapp 400 Leute kamen auf Einladung des Landrats am Montag in die Horber Hohenberghalle, um sich über die Schließungspläne für das Horber Hospital und über die Kreiskrankenhaus-Pläne für den Standort Freudenstadt zu informieren. Bild: ael

Das Gutachten des Deutschen Krankenhaus-Instituts, das im Ergebnis die Schließung des Horber Hospitals empfiehlt, möchte Oberbürgermeister Peter Rosenberger von Landrat Dr. Klaus Michael Rückert haben, um das Gutachten seinerseits begutachten lassen zu können – dem Vernehmen nach durch die Krankenhaus-Berater der Firma CMK, die seit 2005 bereits zweimal für die Stadt Horb tätig waren. Auch die „Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Horb“ möchte das Gutachten.

Landrat Rückert hat am Montag gesagt, dass eine Beratungsvorlage für den Kreistag erstellt werde, die als Anlage „gutachterliche Ausführungen des DKI“ enthalten werde – ob das komplette Gutachten, das blieb unklar. Nachdem der Kreistag die Unterlagen erhalten habe, könne auch die Stadt Horb und die Bürgerinitiative dieses Dokument bekommen. Einige Tage später sei ein Erörterungsgespräch möglich, in dem die Horber Gutachter Fragen stellen könnten, „damit größtmögliche Transparenz vorherrscht“ – und das „natürlich vor der entscheidenden Kreistags-Sitzung“. ael

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07.11.2012, 12:00 Uhr

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