Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ohne Druck tut sich nichts

Bürgerinitiative Weststadt feiert ihr 25-jähriges Bestehen

Die Ammertalbahn würde vermutlich heute noch nicht fahren, hätten sich nicht engagierte Bürger hinter die Reaktivierung der Strecke geklemmt. Überhaupt würde in Tübingen einiges anders aussehen ohne Bürgerinitiativen. Eine der besonders rührigen ist die BI Weststadt, die vor 25 Jahren gegründet wurde.

09.07.2012
  • sabine lohr

Tübingen. Es war ein Unfall, der das Fass zum Überlaufen brachte: Ein Junge wurde Anfang 1987 von einem Auto in der Herrenberger Straße angefahren. Die Weststadt-Bewohner hatten davor schon über den zunehmenden Verkehr geklagt, der auf der Hauptverkehrsachse im Westen floss. „Wir brauchen eine Bürgerinitiative Weststadt!“ forderten nun einige Bewohner, die schon recht klare Vorstellungen davon hatten, wie das Problem verkleinert werden könnte: Mit Tempo 30 auf den Durchgangsstraßen, einer besseren Busanbindung und einem Verkehrskonzept.

Einer der Initiatoren der „BI Weststadt“ war Gerhard Bialas. Der damalige DKP-Stadtrat hatte ein Jahr vorher schon die „BI gegen Golfplatz und Reitanlage Ammerhof“ ins Leben gerufen, jetzt wollte er weitergehen und die Weststadt grundsätzlich lebenswerter machen. „40 Leute kamen damals zur Gründungsversammlung“, erinnert er sich. Er täuscht sich aber: Es waren 45, die sich am 8. April 1987 in der Gaststätte Marquardtei versammelten. 33 davon traten sofort der neuen BI bei, und wiederum zehn von ihnen bildeten noch am selben Abend eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Verkehr in der Weststadt beschäftigte.

Seit 25 Jahren ist die BI inzwischen aktiv. Das zeugt einerseits von Beharrlichkeit, andererseits aber auch von der Notwendigkeit der Bürgerinitiative. Immer noch gilt, was Gerhard Bialas als Erkenntnis der Bi Weststadt formuliert. „Ohne Druck von unten wird oben nicht nachgedacht.“

Bei der Forderung von Tempo 30 in der Herrenberger Straße zeigte sich jedoch, dass auch dieses „unten“ zwei Seiten haben kann: Als die BI große Schilder „Tempo 30“ aufstellte, waren die kurz danach durchgestrichen – und das wahrscheinlich nicht „von oben“. Letztlich setzte sich die BI aber durch: Längst dürfen Autos nur mit 30 Stundenkilometern durch die Straße fahren – woran sich viele freilich nicht halten. Was in den vergangenen Jahren wiederum Anlass für weitere Proteste war.

Auf ihre Fahne darf sich die BI inzwischen viele Erfolge schreiben: Der Golfplatz wurde nie gebaut, die Ammertalbahn fährt wieder, die Ammer ist renaturiert, die Charlottenstraße wurde Einbahnstraße, die Hauptschule Innenstadt bekam ein Kleinspielfeld, der Spielplatz in der Stöcklestraße wurde umgestaltet, die alte Silcherschule steht noch, ebenso das Sophie-Haug-Kinderhaus.

Auch dass Mühlstraße und Eber-hardsbrücke für den Individualverkehr nicht voll gesperrt sind, wertet die BI als ihren Erfolg. An einer solchen Sperrung haben die Weststadt-Bewohner wenig Interesse. Sie haben sehr unter dem massiven Verkehr gelitten, als die Mühlstraße umgebaut wurde und der Verkehrsstrom voll über die Herrenberger Straße floss. Die wurde extra dafür am östlichen Ende zur Schnarrenbergstraße hin zu einer dreispurigen Strecke umgebaut.

Dreht die BI ihre Fahne um, steht dort jedoch auch einiges. Denn sie ist längst nicht mit all ihren Forderungen nach „oben“ durchgedrungen, die Turnhalle in der Silcherschule wurde gesperrt, das Westbahnhofgelände ist verkauft, vom „Rahmenplan Weststadt“ ist keine Rede mehr, das Majer-Gelände ist zu eng bebaut und das Steinhilber-Areal wird zu dicht bebaut.

Sowohl Erfolge als auch Misserfolge zeigen, dass die Bürgerinitiative viel tut und noch viel zu tun hat. So fordert sie etwa ein Verkehrskonzept, mit dem die Weststadt entlastet wird und sie setzt sich für den Erhalt der Freifläche vor der Tankstelle Genkinger ein – eine der wenigen übrig gebliebenen Grünflächen in der Weststadt.

Viel geschafft haben die Mitglieder der BI vor allem in jüngster zeit: Sie haben zum 25-jährigen Bestehen eine Broschüre erarbeitet. In der ist nicht nur viel Interessantes über die Geschichte der BI und die der Weststadt zu lesen, sondern es gibt auch viele Bilder von all den Straßenfesten, die die BI seit ihrer Gründung gefeiert hat.

Bürgerinitiative Weststadt feiert ihr 25-jähriges Bestehen
Mit dicker weißer Farbe malte Gerhard Bialas 1987 beim Straßenfest der BI Weststadt eine Tempo-30-Zone auf die Herrenberger Straße.Bild: BI Weststadt

„Unser Straßenfest ist die Utopie einer verkehrsfreien Straße“, erklärt Gerhard Bialas das Straßenfest, das die BI Weststadt seit vielen Jahren im Sommer ausrichtet. Mit diesem Fest wird heuer auch das 25-jährige Bestehen der Bürgerinitiative gefeiert – am Samstag, 14. Juli, auf der Herrenberger Straße. Die ist dazu von 11 bis 24 Uhr zwischen der Rapp- und der Kölle-straße gesperrt und die Weststädtler und alle, die Lust haben zum Mitfeiern, sitzen auf Bänken auf der Straße. Adelbert Brossart steuert Drehorgel-Musik bei, es gibt diverse Infostände, an denen sich die Guppen und Einrichtungen in der Weststadt vorstellen und für Kinder einen Flohmarkt, Streetball, Rollenrutsche, Hüpfburg, Holzwerkstatt und anderes. Wie immer hat Christa Bialas eine Tombola organisiert, über die das Fest finanziert wird. Auch die Broschüre über die BI ist beim Fest zu haben.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

09.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball