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Ein Mitmach-Amt im Rathaus

Bürgermeister-Kandidaten an ihren Lieblingsorten (3): Marcus Holder

Rathausplatz, Schloss und Weilhaukindergarten: Das sind die drei Lieblingsorte von Marcus Holder. Sollte der Bürgermeister-Kandidat am 28. September Kirchentellinsfurts Schultes Bernhard Knauss ablösen, hat er einiges auf seiner Agenda: Ein Mitmach-Amt im Rathaus, mehr Transparenz bei den Entscheidungen, Ausbau der Kinderbetreuung und vielleicht ein Fest am Baggersee.

02.09.2014
  • Manfred Hantke

Kirchentellinsfurt. Seit dreieinhalb Jahren lebt Marcus Holder (41) mit seiner Familie in Kirchentellinsfurt, und genauso lange spielt er mit dem Gedanken, sich um die Nachfolge des Ende Oktober altershalber aus dem Amt scheidenden Bürgermeisters Bernhard Knauss zu bewerben.

Die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt | Marcus Holder

Das TAGBLATT traf die bisherigen drei Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt und interviewte sie an ihren drei Lieblingsplätzen im Ort. Im Video begibt sich Marcus Holder auf den Rathausplatz, zum Schloss und zum Weilhaukindergarten.

© Video: Luis Keppler 03:44 min

Regelmäßig besucht er daher seit etwa einem Jahr die Gemeinderatssitzungen im Rittersaal. Der Rittersaal ist ihm „ans Herz gewachsen“, sagt der unabhängige Kandidat. Die Sitzungen hätte er dort als Schultes weiterhin abgehalten, sie nicht in den „Bürgersaal“ des Rathausanbaus verlegt. Dort nämlich sitzen die Zuhörer an der Wand, schauen dem halben Gemeinderat in den Rücken.

Ja, der Rathausanbau: Die Fassade gefällt dem Kandidaten „sehr gut“, sagt er, als er das TAGBLATT zum ersten seiner Lieblingsorte führt: dem Rathausplatz. Doch im Bürgerbüro sitzen die Leute etwas „sehr eng“ zusammen, außerdem seien die Räume zu hoch, was einen größeren Energiebedarf im Winter zur Folge habe. Der Rathausplatz aber sei gelungen, er ist der „Mittelpunkt von Kirchentellinsfurt“. Als Schultes will er sich dafür einsetzen, die Geschäfte dort zu erhalten, das sei eine „Herausforderung“.

Bürgermeister-Kandidaten an ihren Lieblingsorten (3): Marcus Holder
Bürgermeister-Kandidat Marcus Holder im Schlosshof. Die Ratssitzungen würde er lieber im Rittersaal leiten.Bild: Hantke

Und zum Feiern ist der Rathausplatz natürlich auch da, wenn etwa das Dorfstraßenfest ansteht. Doch Holder kann sich durchaus vorstellen, auch mal „am See etwas zu veranstalten“, vielleicht im Wechsel mit dem Rathausplatz und der angrenzenden Dorfstraße das Dorfstraßenfest an den Baggersee zu verlegen.

Bei all den anstehenden Entscheidungen will der 41-Jährige die Bürgerinnen und Bürger und den Gemeinderat von Beginn an stärker einbeziehen. Die Informationen seien „oft etwas dürftig“, moniert er. Das führe zur Unzufriedenheit in der Bürgerschaft. Ein „Mitmach-Amt“ schwebt ihm da vor, eine Stelle im Rathaus, eigens geschaffen, um Anregungen und Wünsche der Kirchentellinsfurter aufzunehmen, sie später in Arbeitskreisen weiterzuentwickeln und umzusetzen.

„Mehr Transparenz“ will der Schulteskandidat wagen, sie ausbauen und Projekte öffentlich diskutieren, mit den Bürgern und dem Rat. Finan ziell sieht er in der Einrichtung eines „Mitmach-Amtes“ kein Problem. Heute beschäftige die Gemeinde 18 Mitarbeiter weniger als im Jahr 2000, sagt er. Die Personalkosten betrügen laut Haushaltsplan 19 Prozent. Da sei noch „Spielraum nach oben“. Er will „gute Leute holen, die auch etwas bewegen“.

Ein weiterer Lieblingsort von Holder ist das Schloss. Denn historische Gebäude gefallen ihm. So hat er nicht nur in Wernau in einem Schlossareal gewohnt, seine Frau Dorothee und er haben 2006 auf einer Burg geheiratet. Den derzeit personell etwas leidenden, aber tüchtigen Arbeitskreis Schlossmuseum würde Holder gerne unterstützen: „mehr Werbung machen“, die Darstellung nach außen erweitern und intensivieren, „gezielt Leute ansprechen“. Ebenso sei das Projekt des Vereins Zehntscheuer „unterstützenswert“. Der Verein will die Bebenhäuser Zehntscheuer gegenüber der Martinskirche zum Kulturtempel ausbauen (wir berichteten). Allerdings weist der Kandidat auf den durch die Veranstaltungen bedingten zusätzlichen Lärm in der Ortsmitte hin. Um die Vernetzung der zahlreichen Vereine voranzutreiben, kann sich Holder mehr gemeinsame Treffen der Vorstände vorstellen, dazu „mehr Beratung durch die Verwaltung“, etwa im Ordnungsrecht oder in der Haftungsfrage. Die Haftungsfrage war laut Holder beim Jugendtag im Mai „gar nicht geklärt“. Die müsse jedoch geregelt werden, bevor etwas passiert.

Haus- und Fachärzte sollen in ein Ärztehaus

Zu den drei Lieblingsorten gehört auch der Weilhaukindergarten. Nicht nur, weil die älteste Tochter hier betreut wird, die zweitälteste von November an einen Platz hat, auch der angrenzende Wald und die ins Tal führenden Wege haben es dem Kandidaten angetan. Dennoch: „Im Personalbereich müsste man aufstocken“, sagt er. Die Betreuung müsse flexibler werden, die Öffnungszeiten müssten sich an den Arbeitszeiten der Eltern ausrichten. Eine Betreuung bis 16 Uhr sei „einfach zu kurz“, bis 17 oder 17.30 Uhr solle sie dauern. Zwei Stellen sind im Haushaltsplan drin, so Holder, wenn die zweite Kinderkrippe komme. Die beiden Stellen könnten schon jetzt besetzt werden und im Austausch mit anderen Kindergärten eine flexiblere Betreuung gewährleisten.

Auch die Kranken will Holder in Kirchentellinsfurt besser versorgt wissen. So würde er gerne Hausärzte und ein paar Fachärzte in einem Ärztehaus „unter einen Hut bringen“. Die Klientel sieht er nicht nur in Kirchentellinsfurt, auch in Wannweil, Degerschlacht und Altenburg. Holder: „Das ist ein Standortfaktor“.

Marcus Holder ist 1973 in Sickenhausen geboren, dort und in Öschingen aufgewachsen. Seit 2006 ist er mit seiner Frau Dorothee verheiratet, sie haben zwei Kinder, fünf und zwei Jahre alt. Nach seiner Ausbildung zum Energieelektroniker bei Burkhardt & Weber in Reutlingen (1992) erwarb Holder die Mittlere Reife, anschließend das Abitur (1996). Auf den Zivildienst folgte das Studium der Zahnmedizin bis zum Physikum. 2001 wechselte Holder an die Hochschule der Polizei in Villingen-Schwenningen, schloss mit dem Diplom-Verwaltungswirt ab. 2005 wurde er Polizeikommissar im Streifendienst, später stellvertretender Dienstgruppenleiter, 2007 ging er für vier Jahre ans Landesamt für Verfassungsschutz, anschließend war er Polizeioberkommissar bei der Polizeidirektion Tübingen. Seit diesem Jahr arbeitet Holder beim Polizeipräsidium Reutlingen, macht Vertretung beim Polizeiposten Tübingen-Nordstadt.
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02.09.2014, 12:00 Uhr

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