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Armut ins Bewusstsein rücken

Bürgermeister Lucke lobt die Vesperkirche

Bürgermeister Michael Lucke freut sich, dass es jetzt auch in Tübingen eine Vesperkirche gibt. Am Mittwoch war er mit Oberbürgermeister Boris Palmer zum Essen dort.

05.02.2010
  • Marike Schneck

Tübingen. „Ich schäme mich, aber ich war tatsächlich nur dieses eine Mal in der Vesperkirche“, sagt Tübingens Erster Bürgermeister Michael Lucke. Zu viele Termine, zu wenig Zeit. Dafür sparte er nach dem gemeinsamen Mittagessen mit Oberbürgermeister Boris Palmer am Mittwoch nicht mit Lob. Die Ehrenamtlichen, sagt er, haben tolle Arbeit geleistet. „Deshalb freut es mich auch, dass das Angebot so gut angenommen wurde.“

Zugleich stimmt es Lucke auch nachdenklich, „dass es in einer reichen Stadt wie Tübingen so viele Menschen gibt, die auf Angebote wie das der Vesperkirche zurückgreifen müssen“. Als Schirmherr der „Aktion Sahnehäubchen“ und der „Tafel“ weiß der Sozialbürgermeister zwar um die vielen Bedürftigen, die es in der Stadt gibt. Das Ausmaß von Armut in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren aber sei immer wieder beschämend. „Dennoch war mir sofort klar, dass eine Einrichtung wie die Vesperkirche auch hier bei uns in Tübingen nötig ist.“ Eine Spende von der Stadt gab’s trotzdem nicht. „Wir sind aber auch nicht gefragt worden.“

Armut, sagt der Volksmund, sieht man nicht. „Die versteckt sich verschämt hinter Türen“, erklärt Lucke. „Deshalb ist es wichtig, dass sie den Menschen immer wieder ins Bewusstsein gerufen wird.“ Projekte wie die Vesperkirche leisteten dazu einen unerlässlichen Beitrag. „Das hat ja auch Symbolcharakter“, sagt er und hofft, dass sich nun noch mehr Ehrenamtliche finden, die bereit sind, für andere einzustehen. Zum Beispiel beim Arbeitslosentreff, bei der Caritas oder auch der Tafel, um nur einige zu nennen. „Möglichkeiten, sich zu engagieren, gibt es in unserer Stadt jedenfalls genug.“

Es sei ja nicht nur das Geld, an dem es vielen Menschen fehle, sagt Lucke, sondern auch der soziale Kontakt. „Wenn’s finanziell so eng ist, dass man sich kaum mehr das Nötige zu Essen kaufen kann, bleibt eben alles auf der Strecke.“ Einrichtungen wie die Vesperkirche steuerten da wirksam dagegen. „Die menschliche Wärme, die von den Organisatoren gegeben wird, kann keine staatliche Stelle vermitteln.“ Ebenso wenig kann sie den nötigen Raum geben, in dem es möglich ist, mit anderen ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Wie viele Menschen in Tübingen von Armut betroffen sind? „Zuverlässige Zahlen gibt es nicht“, sagt Lucke und verweist auf den Landkreis. Der sei für einen verlässlichen Armutsbericht zuständig und er hoffe, so Lucke, dass ein solcher in diesem Jahr nun endlich erstellt werde. Die Stadt aber tue ihr Möglichstes, um bedürftigen Menschen unter die Arme zu greifen. „Zum Beispiel haben wir die Unterkünfte für Wohnsitzlose menschenwürdiger gestaltet“, sagt er. „Außerdem arbeiten wir daran, dass wir noch mehr bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen können.“

Besonders Familien, die von Armut betroffen sind, sollen in Zukunft noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. „Die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre kriegen wir nicht sofort repariert“, sagt der Bürgermeister. „Aber wir können vorbeugen, dass nicht noch mehr Menschen in Armut kommen, wenn wir die Bildungschancen verbessern.“

Bürgermeister Lucke hat sich gefreut, dass er beim Mittagessen am Mittwoch auch viele bekannte Gesichter gesehen hat, darunter ettliche Kollegen vom Tübinger Rathaus. „Es ist schön, dass sich so viele Menschen solidarisch mit jenen zeigen, denen es nicht so gut geht.“

Bürgermeister Lucke lobt die Vesperkirche
Michael Lucke. Archivbild: Metz

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05.02.2010, 12:00 Uhr

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