Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bürgerstiftung soll noch in diesem Jahr gegründet werden
Ute Drews
Die ersten 55.000 Euro sind schon da

Bürgerstiftung soll noch in diesem Jahr gegründet werden

Exakt 55 400 Euro sind bereits fest zugesagt. Damit ist genug Grundkapital da, um die Bürgerstiftung Rottenburg noch in diesem Jahr zu gründen. Der Gemeinderat begrüßte am Dienstag das Vorhaben fast einstimmig.

24.09.2010
  • michael hahn

Rottenburg. Ein zehnköpfiger Initiativkreis arbeitet seit dem vergangenen Jahr an der Gründung einer „Bürgerstiftung“ auch in Rottenburg – nach dem Vorbild Tübingens, Herrenbergs oder Oberndorfs (wir berichteten). In Baden-Württemberg gibt es derzeit 41 solcher lokal gebundener Bürgerstiftungen; die allermeisten wirtschaften bisher auf finanziell bescheidenem Niveau (weniger als eine Million Euro Stiftungsvermögen).

Diese Bürgerstiftungen bezuschussen meist kulturelle oder soziale Zwecke in ihrer Stadt. Dazu verwenden sie die Zinsen, die das Stiftungsvermögen abwirft. Eine Stiftung mit einer halben Million Euro Vermögen hat also maximal 20 000 Euro im Jahr zur Verfügung (bei vier Prozent Guthabenzinsen, die aber derzeit nur schwer zu erzielen sind) – plus etwaige Einzelspenden. Da das Stiftungsvermögen selbst nicht angeknabbert werden darf, und da im Laufe der Zeit immer mehr Zustiftungen eingehen (möglicherweise auch größere Erbschaften), erweitert sich allmählich das Potenzial.

Gerold Ruggaber und Ute Drews stellten das Rottenburger Projekt am Dienstag im Gemeinderat vor. „Das ist eine gute Sache. Die Bürgerstiftung geht über Einzelinteressen hinaus“, lobte Oberbürgermeister Stephan Neher. Die Bürgerstiftung sei vor allem für Leute ideal, die ihr Vermögen nicht den Kirchen oder der Stadt vermachen wollen. Der OB: „In Zukunft wird sich das auffüllen.“

Das Auffüllen läuft sogar schneller als vom Initiativkreis erwartet. Ruggaber hat in den vergangenen Wochen schon etwa zwei Dutzend Selbstverpflichtungen erhalten. Sie addierten sich gestern Vormittag auf 55 400 Euro. Davon kommen rund 13 000 Euro von Privatleuten und knapp 30 000 Euro von Firmen.

Die Stadt Rottenburg zahlt weitere 13 000 Euro hinzu – so beschloss es der Gemeinderat am Dienstag. Dieser Betrag dürfte sich noch erhöhen, denn die Stadt wird jeden von Privatleuten gestifteten Euro durch einen zusätzlichen Euro versilbern – bis maximal 25 000 Euro. Das Geld wird fällig, sobald die Stiftung gegründet und vom Tübinger Regierungspräsidium (als Aufsichtsbehörde) genehmigt ist.

Der Initiativkreis feilt noch an dem Satzungsentwurf, den er dem Regierungspräsidium vorlegen muss. Demnach wählen die Gründungsstifter (Ruggaber hofft auf insgesamt „50 bis 70 Personen“) einen Stiftungsrat (sieben bis 13 Mitglieder) als Kontrollgremium.

Diese Wahl bleibt ein einmaliger Akt. Von da an ergänzt sich der Stiftungsrat aus eigenem Gutdünken um weitere Mitglieder („Kooption“). Die Amtszeit der Ratsmitglieder soll dabei auf zehn Jahre begrenzt werden (der bisherige Entwurf geht noch von 15 Jahren aus).

Der Stiftungsrat wiederum wählt einen dreiköpfigen Vorstand, der die Geschäfte führt und über die einzelnen Projekte entscheidet. Außerdem gibt es noch ein jährliches Stifterforum mit allen Personen, die mehr als 500 Euro gestiftet haben. Dieses Forum hat allerdings nichts zu entscheiden, sondern kann nur die Rechenschaftsberichte entgegen nehmen. Diese Konstruktion, so betonte Ruggaber nach einigen Nachfragen aus dem Gremium, haben die meisten vergleichbaren Stiftungen gewählt.

Linken-Stadtrat Emanuel Peter warnte vor „Doppelstrukturen“ von Stiftung und Stadt. Man solle klarer voneinander abgrenzen, was nun öffentliche Aufgabe sei und für was die private Stiftung aufkommen soll. (Peter enthielt sich am Ende ebenso der Stimme wie der FB-Stadtrat Elmar Zebisch). Und CDU-Rat Karl Schneiderhan betonte, die neue Stiftung solle „keine Konkurrenz“ etwa zur städtischen Hospitalstiftung bilden, sondern eine „Vernetzung“ anstreben.

Aus der Sicht von OB Neher lassen sich die jeweiligen Aufgaben nicht absolut voneinander trennen: „Es wird sich immer überlappen.“ Immerhin könne die Bürgerstiftung vermeiden, dass im Laufe der Zeit eine Vielzahl von einzelnen privaten Kleinstiftungen – mit dem entsprechenden Verwaltungsaufwand – entstehen. Da die Stadt Rottenburg zu den Gründungsstiftern gehört, wird Neher (oder ein Vertreter) womöglich auch dem Stiftungsrat angehören.

Laut Ruggaber schließt die Satzung ohnehin aus, dass die Stiftung originär kommunale Pflichtaufgaben übernimmt – also etwa die Kindergartenbetreuung.

Ute Drews stellte am Dienstag drei mögliche Startprojekte vor: einen „Kulturladen“, in dem Bedürftige verbilligte Veranstaltungstickets erwerben können (Drews: „Wir wollen, dass auch die einkommensschwachen Mitbürger am kulturellen Leben teilnehmen können“), die soeben gestartete „Kinder-Uni“ an der Rottenburger Forsthochschule und ein historischer Lehrpfad an der neuen Uferpromenade beim „Haus am Neckar“. Privatbild/ Archivbild: Mozer

Info: Für Samstag, 9. Oktober, um 19.30 Uhr ist ein großer öffentlicher Kultur-Abend in der Zehntscheuer geplant. Weitere Informationen im Internet unter www.bürgerstiftung-rottenburg.de

Bürgerstiftung soll noch in diesem Jahr gegründet werden

Bürgerstiftung soll noch in diesem Jahr gegründet werden
Gerold Ruggaber

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball