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Märkte sind umstritten

Bürgerversammlung zu den Plänen für die Alte Spinnerei

Verwaltung, Planer und über hundert Zuhörer/innen diskutierten auf der Wannweiler Bürgerversammlung am Mittwochabend im Gemeindehaus die Pläne der Holy AG für die Alte Spinnerei.

25.05.2012
  • Matthias Reichert

Wannweil. „Holy zahlt den Plan, aber hier werden gemeindliche Interessen bedient“, sagte Planer Albrecht Reuß vom Pfullinger Büro Reik. Er plant, wie berichtet, zwei Märkte mit jeweils 800 Quadratmetern in Richtung Ortsmitte, wo heute eine Pferdekoppel ist, Lofts für Freiberufler in der alten Fabrikhalle und ein Wohngebiet am Betzinger Ortsausgang. Dort will Holy 40 Bauplätze verkaufen, 55 Wohneinheiten für 120 Einwohner schaffen. Zwei alte Pförtnerhäuser weichen der neuen Zufahrt. Angrenzend an die Fabrikhalle sollen Gebäude und Schuppen abgerissen und das Gelände neu begrünt werden.

Bürgermeisterin Anette Rösch skizzierte die im Juni anstehende Debatte im Gemeinderat. Sie will „mittelfristig“ die Option für eine Fußgängerbrücke über die Echaz zum Sportplatz offenhalten. Wie berichtet, soll der Sportplatz irgendwann für ein neues Wohngebiet verlegt werden. Die CDU beantragt deshalb eine Autobrücke zur Erschließung. Das brauche – wegen des Gefälles auf dem Gelände – so viel Platz, dass einer der Märkte weichen müsste, sagte Rösch. So sei die Verwaltung gegen den CDU-Antrag. Über den von der FWV beantragten Kreisel an der Richard-Burkhardt-Straße entscheide das Land als Träger. Er habe den Charme, dass er den Verkehr bremse, so Rösch. Indes sei die Topografie problematisch.

Altlasten, Bäume und Überschwemmungen

Auf Nachfrage erklärte Holys Immobilienchef Marcus Reutter: Altlasten-Kontanimation gebe es beim Heizöltank, hier werde der Boden abgetragen. Möglicherweise gebe es auch Einträge an der Hauptstraße, wo früher die Färberei stand. Das werde jetzt geprüft. Dramatisch sind die Altlasten laut Rösch nicht. Holy müsse sie entfernen. Ein Zuhörer fragte, weshalb Holy sich so lange mit der Brache Zeit ließ. Lange hatte sich Boss mit Lager in der Fabrik eingemietet. Reutter sagte, er selbst sei erst seit vier Jahren bei Holy, „davor ist das einfach liegen geblieben“.

Weitere Bürger sorgten sich um alte Bäume. Die Birken an der Hauptstraße werden abgerissen, dafür wird eine neue Allee gepflanzt. Sonst will Reuß behutsam vorgehen, „wir machen nicht tabula rasa.“ Rösch versprach „hochwertigen“ Ausgleich. Erhaltenswerte Großbäume bleiben, so Reutter, stehen.

Wo die Märkte Überschwemmungsfläche kosten, wird anderswo Ausgleich geschaffen, versprachen die Planer. Die Denkmalpflege könne sich in der Anhörung äußern, beantwortete Reuß eine weitere Frage. Doch die Spinnerei sei „kein eingetragenes Kulturdenkmal“.

Mehrere Zuhörerinnen kritisierten die geplanten Märkte. Rösch sagte, innerorts müssten Händler wohl schließen. Die Gemeinde wolle „eine vernünftige Ladenstruktur anbieten, sonst haben wir in fünf Jahren eine erbärmliche Versorgungssituation “. Es sei die letzte freie Fläche für Märkte, so Rösch. Reutter berichtete von Gesprächen mit Rewe und Edeka. Cornelia Hayes mit ihrem Hofladen gegenüber an der Hauptstraße bangt vor der Konkurrenz. Rösch argumentierte, es würden ja auch neue Kunden zuziehen.

Bürgerversammlung zu den Plänen für die Alte Spinnerei
Vor der Bürgerversammlung schauten sich interessierte Wannweiler mit Bürgermeisterin Anette Rösch die Textilbrache Alte Spinnerei an – hier die ehemalige Fabrikhalle mit ihren markanten Stützen, die eine Nutzung als Lager zuletzt unmöglich machten.Bild: Haas

„Die Planung ist noch nicht in Stein gemeißelt“, sagte Planer Albrecht Reuß – bis 15. Juni können Bürger/innen und Träger öffentlicher Belange Anregungen und Einwände bei der Gemeinde einreichen. Am 19. Juli soll der Gemeinderat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan fassen und zugleich den Erschließungsertrag mit Holy absegnen. Dann wird der Plan erneut für einen Monat ausgelegt. Eine weitere Planungshürde: Weil für das neue Wohngebiet ein Abschnitt des Geländes umgewidmet wird, muss der Nachbarschaftsverband der Änderung des Flächennutzungsplans zustimmen. Bis Jahresende soll der Bebauungsplan dann stehen.

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25.05.2012, 12:00 Uhr

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