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"Kampfansage an Trickser und Betrüger"

Bundestag beschließt das Anti-Doping-Gesetz: Haftstrafen bis zu zehn Jahren künftig möglich

Sauberer, sicherer, ehrlicher soll der Leistungssport werden. Dafür soll von 2016 an das deutsche Anti-Doping-Gesetz als rechtliche Grundlage dienen.

14.11.2015

Von DPA

Berlin Das Anti-Doping-Gesetz hat nach langen kontroversen Debatten in Sport und Politik die entscheidende Hürde genommen. Mit den Stimmen der Union und der SPD beschloss der Bundestag gestern die Regelung, gegen die vor allem der organisierte Sport immer wieder Bedenken geäußert hatte. Die Zustimmung für das Gesetz durch den Bundesrat gilt als sicher. Damit müssen voraussichtlich vom 1. Januar 2016 an Dopingsünder und ihre Hintermänner erstmals auch mit hohen Haftstrafen rechnen.

Justizminister Heiko Maas (SPD) sagte, die Regelung sei eine "Kampfansage an Täuscher, Trickser und Betrüger". Sie werde den Sport "sauberer, sicherer und ehrlicher" machen. Für Innenminister Thomas de Maizière (CDU) ist das Gesetz ein großer Schritt nach vorn. "Es soll abschrecken und gleichzeitig bei der Aufdeckung von kriminellen Doping-Strukturen helfen", sagte er und betonte: "Ich möchte aber nicht alle Leistungssportler zu potenziellen Dopern machen."

Das Gesetz sieht unter anderem ein Verbot des Selbstdopings und des Besitzes entsprechender Substanzen vor. Die Sanktionen schließen eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren ein. Hintermänner müssen in besonders schweren Fällen sogar mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Die Grünen stimmten im Bundestag gegen die Vorlage. Sie halten strafrechtliche Sanktionen für nicht angebracht. Die Linke enthielt sich. Sie hatte weitergehende Maßnahmen gefordert.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) begrüßte zwar grundsätzlich das Gesetz, wiederholte aber die Bedenken. "An einem Punkt sind wir nach wie vor skeptisch: Im Hinblick auf die Strafbarkeit des Selbstdopings und des Besitzes von Dopingmitteln in geringer Menge", teilte die Dachorganisation des deutschen Sports mit. Der DOSB befürchtet, dass das Strafrechtssystem das Sportrecht aushebeln könnte, wenn ein gesperrter Dopingsünder vor Gericht mangels Beweisen freigesprochen würde.

Wegen Betrugs strafbar macht sich ein Leistungssportler, bei dem Dopingmittel entdeckt werden, künftig nur dann, wenn er sich mit ihnen Vorteile verschaffen will, erläuterte Justizminister Maas im Bundestag. Mit dieser Einschränkung wurde den Einwänden zahlreicher Spitzensportler Rechnung getragen. Sie fürchten, ihnen könnten Substanzen untergeschoben werden. Maas wies in der Debatte darauf hin, dass wegen Bedenken von Sportlern und Verbänden der Entwurf auch in anderen Punkten nachgebessert worden sei. Dazu gehöre die Regelung, dass straffrei bleibt, wer sich vom Doping lossagt und zurück in die Legalität will.

Für Innenminister Thomas de Maizière ist das Gesetz ein Schritt nach vorn. Foto: dpa

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Erstellt:
14. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. November 2015, 12:00 Uhr

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