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Schluss mit den Alibis

Bundestrainer Löw gibt sich locker vor der Begegnung gegen Frankreich

Proben für den Ernstfall: Im Pariser Stade de France findet am 10. Juli 2016 das EM-Finale statt. Heute will der Weltmeister in der Partie gegen Frankreich schon einmal die Stimmung testen.

13.11.2015

Von THOMAS GOTTHARDT

Ulm/Paris Savoir-vivre und Laissez-faire - zwei Eigenschaften, die für die relaxte Lebensweise der Franzosen stehen. Das zu den Klischees. Aber die hat Bundestrainer Joachim Löw, im frankophilen Einzugsgebiet zu Hause (Nähe Freiburg), durchaus verinnerlicht. Lässig saß gestern der 55-Jährige da, trank wie immer seinen Espresso und beantwortete die Fragen vor dem heutigen Freundschaftsspiel des Weltmeisters im Stade de France zu Paris gegen Frankreich (21 Uhr/ARD) ungewöhnlich ungenervt.

Selbst so eine Frage wie die nach der Aufstellung, die so mancher Fußball-Lehrer mit einem Achselzucken und einem Satz wie: "Das sag ich nicht" oder "Sie werden schon sehen" beantwortet, quittierte Löw mit einem Lächeln: "Ganz ehrlich, ich habe noch keine finale Idee." Sechs, sieben Positionen seien klar, bei drei oder vier müsse er noch nachdenken, noch sei er im Experimentiermodus.

Immerhin: Der zuletzt verletzte Sami Khedira (Juventus Turin) soll neben Kapitän Bastian Schweinsteiger (Manchester United) im Mittelfeld auflaufen. "Ich denke, dass Sami jetzt wieder bereit ist. Er hat im Training einen guten, aggressiven Eindruck gemacht. Ich habe das Gefühl, dass er sich der Form nähert, die er mal hatte", urteilte Löw, der in Sachen Mario Gomez und einem möglichen Comeback nach 14 Monaten Pause etwas unpräziser argumentierte. Der Stoßstürmer von Besiktas Istanbul fühlt sich jedenfalls bereit für sein 61. A-Länderspiel. "Ich freue mich auf jedes Spiel." Löw attestierte ihm eine Topfitness und eine "unglaubliche Motivation, es zu schaffen zur EM".

Als 77. Neuling in der Löw-Ära könnte Leroy Sané seinen Einstand feiern. "Es war natürlich etwas ganz Besonderes", meinte der 19-jährige Schalker nach seinen ersten Trainingstagen in der A-Nationalmannschaft. Der Wolfsburger André Schürrle steht vor seinem 50. Länderspiel. Ilkay Gündogan (Dortmund) könnte Chef in der Kreativzentrale werden. Mesut Özil und Toni Kroos pausieren, Marco Reus und Mario Götze sind verletzt.

Nach der "schwierigen Qualifikation für die EM" (Joachim Löw) mit den mäßigen Oktober-Auftritten in Irland (0:1) und gegen Georgien (2:1) beginnt für den Bundestrainer mit dem Jahresabschluss gegen die Équipe Tricolore und vier Tage später gegen die Niederlande die Planung der nächsten Titelmission. Ausreden und Alibis will Löw nicht mehr hören, wenn der Weltmeister erstmals in einem Spiel in den neuen EM-Trikots auflaufen wird, die gestern in Paris vorgestellt wurden.

Für Löw steht der Sport im Vordergrund, deshalb fühlt er sich von den Turbulenzen innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes in seiner Arbeit als Bundestrainer nicht beeinträchtigt. Rein menschlich, daraus machte Löw kein Hehl, ist ihm der Rücktritt des Präsidenten Wolfgang Niersbach dennoch nahe gegangen. "Den Wolfgang habe ich geschätzt, er hatte immer ein offenes Ohr für sportliche Dinge", sagte Löw und wirkte plötzlich ernst.

Geht schon wieder gut: Sami Khedira (rechts) übt mit dem Ball, Keeper Ron-Robert Zieler bewundert die technische Raffinesse seines Teamkollegen. Foto: dpa

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Erstellt:
13. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. November 2015, 12:00 Uhr

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