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Buschsause auf Erfolgskurs
Oben von links: Markus Majowski, Nicole Mieth, Jens Büchner, Hanka Rackwitz, Florian Wess, Gina-Lisa Lohfink. Unten v on links Marc Terenzi, Kader Loth, Thomas Häßler, Fräulein Menke, Alexander Keen, Sarah Joelle Jahnel. Foto: RTL / Stempell/Skowski Foto: RTL
Fernsehen

Buschsause auf Erfolgskurs

Morgen startet RTL die elfte Staffel seines Dschungelcamps. Der Sinngehalt könnte gering sein, aber an Werbung wird es nicht mangeln.

12.01.2017
  • GUDRUN SOKOL

Köln. Nach Weihnachten ist vor dem Dschungelcamp – mit diesen wenigen Worten tut eine Twitter-Nutzerin ihre Vorfreude kund. Und teilt sie mit Millionen Fans, die alle Jahre wieder das trashige TV-Treiben im australischen Dschungel verfolgen wollen. Nach einem Quoteneinbruch 2015 sind die Zuschauerzahlen in der vergangenen Staffel der RTL-Show wieder auf durchschnittlich sieben Millionen gestiegen. Zum Vergleich: „Promi Big Brother“ im Konkurrenzsender Sat 1 brachte es zuletzt auf gerade mal zwei Millionen.

Tatsächlich ist die Ekel- und Lästershow in Runde elf für viele Zuschauer längst fester Bestandteil im Jahresablauf geworden. Immer startet die Staffel Mitte Januar, wenn sich das wintermüde Fernsehdeutschland gerade ins neue Jahr aufgerafft hat und nach Urlaub, Exotik und Erotik sehnt. Immer streckt sich die Show über zwei Wochen, und immer stellt sich der bewährte Mix aus Promis der D- bis Z-Riege zur Schau: Ein ehemaliger Sportler ist stets mit von der Partie (dieses Jahr Ex-Fußballer Thomas „Icke“ Häßler, letztes Jahr war es Thorsten Legath), ältere Ex-Moderatoren, -Sänger oder -Schauspieler sowie ein strippender Sänger oder singender Stripper als optischer Anreiz für die mittelalte Zuschauerin, die Media Control als Haupt-Zielgruppe ausgemacht hat. Dazu ein, zwei streitlustige Frauen fortgeschrittenen Alters, an deren körperlichem Verfall sich die Zuschauer ergötzen können, und natürlich junge, zeigefreudige Models und Casting-Show-Gesichter, die schon vorab alle Welt wissen lassen, dass sie auch im Dschungel bereit sind, sich vor den Kameras nackig zu machen.

Sich für einen Batzen Geld und ein bisschen Medienpräsenz zu entblößen, versprechen im Grunde alle Teilnehmer in ihren Verträgen mit RTL. Um deren Geheimhaltung und Gagenhöhe wird so viel Gedöns gemacht, dass Spekulationen in allen Preisklassen garantiert sind – je nach Bekanntheits- und Seriositätsgrad eben.

Ob sie für ihr Treiben im Busch nun 30 000 oder 100 000 Euro bekommen: Alle Teilnehmer führen sich mehr oder minder selbstkontrolliert den Kameras vor, lassen sich in widerwärtigen Dschungelprüfungen demütigen, zu albernen Spielchen nötigen, von ihren Mitcampern bloßstellen und zu geflüsterten Gehässigkeiten und Lästereien am Lagerfeuer hinreißen. Und sie lassen sich von den RTL-Producern, die die Aufnahmen nach Lust und Laune auswählen, so zurechtschneiden, dass sie sich nach der Show in aller Regel nicht mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen brauchen. Das Ganze lustvoll garniert von den hämischen Kommentaren des Moderatoren-Duos Sonja Zietlow und Daniel Hartwich.

Auch wenn das Camp südlich von Brisbane praktisch das ganze Jahr über von Sendern aus aller Welt für TV-Shows genutzt wird: Der Aufwand, im Busch zu produzieren, ist enorm. Doch er lohnt sich für RTL. Der Andrang von Werbepartnern ist groß.

Die Dschungelsause sei der „Deutsche Superbowl der Sonderwerbeformen“, sagt Lars-Eric Mann, Verkaufsdirektor bei der Vermarktungsgesellschaft IP Deutschland, dem Internet-Medienportal „meedia“ in Anspielung auf das American-Football-Finale, das in den USA stets die höchsten Einschaltquoten des Jahres bringt. Große Marken wie Bahlsen, McDonalds's, Rewe, die Make-Up-Kette Manhattan und namhafte Autohersteller wie Opel und Seat wollen dem Portal zufolge ihre Produkte rund um eines der letzten Lagerfeuer-Formate im deutschen TV platzieren.

Auch bei den Strategien tun sich neue Möglichkeiten auf. So soll es „kanalübergreifende Kampagnen“ geben, ein Virtual-Reality-Game, in dem die User im Dschungelcamp-Szenario Keks- Riegel einsammeln müssen, und TV-Spots, die Bezug auf Dschungel-Themen und aktuelle Dschungelprüfungen nehmen. Solche Sonder-Inszenierungen haben ihren Preis. Knapp 80 000 Euro koste ein klassischer 30-Sekünder; das Maximum im Vorjahr wird von „meedia“ mit mehr als 130 000 Euro beziffert.

„Stars“ billig zu haben

Im Vergleich dazu sind die „Stars“ billig zu haben. Ob ihre Namen nun bekannter sind wie der einer Gina-Lisa Lohfink, die zuletzt mit ihrem Vergewaltigungsprozess von sich reden machte, oder ob sie dem Durchschnittszuschauer wieder einmal überhaupt nichts sagen. Den Großteil muss man auch in diesem Jahr nicht kennen. „70 Prozent der Dschungelcamp-Teilnehmer sind mir gänzlich unbekannt“, schreibt ein Twitter-Nutzer. Und ist damit mit sich und der Welt im Reinen. „Alles richtig gemacht im Leben.“

Info Die elfte Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ startet am Freitag, 21.15 Uhr, auf RTL.

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12.01.2017, 06:00 Uhr

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