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„Buy American“: Stürzt Trump die Welt in einen Handelskrieg?
Von denkbaren Beeinträchtigungen deutscher Exporte nach USA wäre vor allem der Maschinenbau und die Automobilindustrie (auf dem Bild Neufahrzeuge auf dem Volkswagen-Autoterminal in Emden) betroffen. Foto: DPA
US-Wirtschaftspolitik

„Buy American“: Stürzt Trump die Welt in einen Handelskrieg?

Tiefschwarze Szenarien machen die Runde: Die neue Regierung könnte wirtschaftliche Konflikte auslösen. Die Unsicherheiten halten an.

24.01.2017
  • DPA

Buy American“ lautet das ökonomische Credo des neuen US-Präsidenten Donald Trump - „Kauft Amerikanisch“. Ist das alles nur Rhetorik, oder will er die USA wirklich wirtschaftlich abschotten – und geht das überhaupt? Viele Fragen und vorerst nur einige Antworten:

Was könnte auf die globalisierte Wirtschaftswelt zukommen? Im Extremfall könnte Trump die Idee haben, den amerikanischen Markt mehr oder weniger dicht zu machen für ausländische Produkte oder Waren. Die Welthandelsorganisation WTO, die mit ihren 162 Mitgliedern über die Einhaltung von Handelsregeln wacht, hat Trump bislang nicht infrage gestellt.

Wie begründet Trump seinen Kampf für neue Handelsregeln? Die Amerikaner hätten, so argumentiert er, viel zu lange Handelsabkommen akzeptiert, die an den Interessen der arbeitenden Menschen vorbei gingen: „Als Ergebnis, mussten Arbeiterstädte mit ansehen, wie ihre Fabriken geschlossen wurden und gut bezahlte Jobs nach Übersee wanderten – während Amerikaner mit einem wachsenden Handelsdefizit und einem verwüsteten Produktionsstandort konfrontiert sind.“ Ist die wirtschaftliche Lage der USA wirklich so verheerend? Nein. Wir reden immer noch von der weltweiten Wirtschaftsmacht Nummer eins. Auch auf den Weltmärkten spielen die USA in der Topliga: Hinter Exportweltmeister China liegen die USA auf Platz zwei der größten Warenexporteure, seit Jahren sogar vor dem einstigen Spitzenreiter Deutschland.

Aber vielen Leuten geht es doch schlecht? Nach der Finanzkrise und der weltweiten Rezession 2009 lag die Arbeitslosenquote jahrelang über 8 Prozent. Das ist inzwischen überwunden: Die Zahl der Arbeitsplätze steigt ununterbrochen. Die Arbeitslosenquote lag zum Jahresende 2016 bei 4,7 Prozent. Auf der Sonnenseite stehen nicht alle Gegenden der USA. Zum Beispiel der Großraum Detroit: Die einstige „Motortown“ wurde zum Zentrum der verfallenden Schwerindustrie im „Rust Belt“ (Rost-Gürtel).

Wo liegt das Problem? Seit Anfang der 90er Jahre hat vor allem das Defizit im Handel mit Konsumgütern – von Kleidung über Spielzeug bis zu TV-Geräten – massiv zugenommen. Ökonomen erklären das damit, dass derartige Güter nicht mehr wettbewerbsfähig herzustellen waren. Mit der Integration von China, Indien und Co. in die Weltwirtschaft wurden viele arbeitsintensive Produktionsprozesse ins Ausland verlagert. Die Probleme im Autohandel gelten zudem als „Made in Detroit“: verfehlte Modellpolitik und Qualitätsmängel. Zudem leben die USA als Importweltmeister seit Jahren ökonomisch über ihren Verhältnissen. Sie importieren mehr als sie exportieren.

Dann klingt es doch nach einem guten Rezept, Importe zu beschneiden? Nur auf den ersten Blick. Der US-chinesische Wirtschaftsrat USCBC argumentiert im Gegenteil, dass die Handelsbeziehungen mit China aktuell 2,6 Millionen Jobs in den USA sicherten - einschließlich der Arbeitsplätze, die chinesische Firmen in Amerika geschaffen hätten.

Was sagen Ökonomen zum Nutzen von Einfuhrhemmnissen? Die Idee, die heimische Wirtschaft über Importzölle zu schützen, zählt für die Ökonomen der Bertelsmann-Stiftung zu den „Makro-Mythen“ der Volkswirtschaft.

Was würde geschehen? Zum einen würden importierte Waren teurer. Langfristig sinkt auch der Zwang, die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den ausländischen Konkurrenten zu verbessern.

Müssen sich die Deutschen Sorgen machen? In den 60er und 70er Jahren gingen bis zu 14 Prozent der deutschen Ausfuhren in die USA. Der Anteil hat sich inzwischen glatt halbiert. Als Abnehmer viel wichtiger ist unser europäischer Nachbar Frankreich. Am stärksten nach vorn kam in den vergangenen Jahren China. Für einzelne Branchen könnten Handelshindernisse indes schon empfindlich sein, zum Beispiel für den Maschinenbau. Die USA sind der größte Einzelmarkt für den Export von Maschinen „Made in Germany“. Deshalb warnte der Branchenverband VDMA auch schon: „Präsident Trump spielt mit dem Feuer.“ dpa

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24.01.2017, 06:00 Uhr

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