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"Der Gegner ist Grün-Rot"

CDU feiert auf Parteitag Spitzenkandidat Wolf - Streit um Flüchtlingspolitik ausgeblendet

Jubel für Spitzenkandidat Wolf, Rückhalt für Kanzlerin Merkel: Die Südwest-CDU hat auf ihrem Parteitag Geschlossenheit zelebriert - und den Streit um die Flüchtlingspolitik weitgehend beiseite geschoben.

23.11.2015

Von ANDREAS BÖHME

Rust Es ist das perfekte Setting, um die Wirklichkeit kurz auszublenden. Schon der Fahrstuhl im Themenhotel der Delegierten spricht italienisch, beim Frühstück wähnt man sich auf einer südländischen Urlaubs-Piazza. Selbst die Stockflecken an der Wand sind unecht, verraten aber Liebe zum Detail. Ein bisschen anders die CDU, die sich in dieser Vergnügungs-Romantik des Europaparks zwei Tage Mut macht für die kommende Landtagswahl: Ihr Wille, zurückzukehren an die Macht, ist unverstellt und echt. An detaillierten Vorschlägen allerdings lässt es der Spitzenkandidat Guido Wolf meist mangeln.

Am Vortag haben die Delegierten erst ihren Parteichef Thomas Strobl mit einem Traumergebnis und dann seinen Schwiegervater, den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, für eine launige Rede gefeiert. Tags drauf ist Guido Wolf an der Reihe. Er weiß: Er darf nicht schwächeln. Mehr als eine Stunde adressierte er dann den Kongress, dauerhaft überlaut und mit bisweilen karnevalesken Anleihen.

Das geht dann so: Baden-Württemberg ist Rothaus und Trollinger, die Hauptstadt der Sterne nicht Sindelfingen, sondern Baiersbronn, "und das will Schmid zuwachsen lassen. Der versteht nix von Sternen, der weiß nicht, wie sie aussehen." Wolf walzt noch einmal aus, dass SPD-Chef Nils Schmid vor Jahren Schwarzwaldtäler zuwachsen lassen wollte: "Bei uns wächst nix zu, schon gar kein Schwarzwaldtal." Allerdings sprießen auch die Umfragewerte nicht, doch das tut er ab: "Bei den Umfragen gefällt uns nicht jede Zahl abschließend, aber die grün-rote Mehrheit ist futsch." Für Schwarz-Gelb reicht es derzeit auch nicht, aber man muss ja nicht immer die ganze Wahrheit eröffnen. Sagt Wolf: "Mit Märchen kenne ich mich aus als Wolf."

Weniger selbstironisch, dafür mit Verve greift er die Grünen an, vermeidet aber zumeist, Winfried Kretschmann namentlich zu nennen. Denn den Ministerpräsidenten schätzen auch die eigenen Parteigänger, und zwar mit deutlichem Abstand vor Herausforderer Wolf. Eine Mogelpackung seien die Grünen, mit Landwirtschaftsminister Alex Bonde, "dem Bauernschreck" und Verkehrsminister Winfried Hermann, der seinen Amtseid "auf einen Fahrradsattel leistet". Die Delegierten johlen, das ist der Ton, der ihnen mehrheitlich die Herzen öffnet. Immer wieder fällt Szenenapplaus, und besonders treue Fans halten die orangefarbenen "Guido"-Transparente in die Luft, die aus Zeiten stammen, als Wolf gegen Strobl um die Spitzenkandidatur stritt: "Jetzt geht's lo-hoos." "Das ist sein Tag", sagt Strobl, und Wolf genießt: "A bissle klatsche isch au schee, des tut m'r gut." . Noch sind es mehr als hundert Tage bis zur Wahl, solange muss die Flamme lodern. "Ein reiner Schauspieler, komplett aufgesetzt", kanzelt die SPD Wolfs Auftritt ab,

Konkreter ist das Parteiprogramm, entstanden mit reichlich Mitgliederbeteiligung und Fleiß des Strobl-Vizes Thorsten Frei. 250 Änderungsanträge gelten ihm als Zeichen innerparteilicher Diskussionsfreude. Strukturpolitik, Innere Sicherheit und Bildung stehen im Mittelpunkt, und natürlich die Flüchtlingsfrage. "Worthülsen", sagt Frei, habe man vermieden.

Wenn man sich wieder trifft, ist Angela Merkel dabei. Sie darf sicher sein, dass man sie besser behandelt als bei der Bayern-CSU am Wochenende. Differenzen in der Flüchtlingsfrage hat man in Rust schon an diesem Wochenende weitgehend beiseite geschoben, um ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln. Wolf fordert zwar eine Begrenzung der Zuwanderung, etwa beim Familiennachzug, aber das CSU-Reizwort "Obergrenze" fällt nicht. "Der Gegner sitzt in den Reihen von Grün-Rot und nicht in den Reihen der CDU", mahnt er. Schließlich soll die Strahlkraft der Kanzlerin helfen, das demoskopische Loch zu füllen. Wenn Kretschmann tief ins schwarze Lager wirkt, dann die Merkel eben auch ins grüne.

Demonstrative Geschlossenheit: CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf ließ sich nach seiner Rede von den Delegierten feiern. Foto: dpa

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Erstellt:
23. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
23. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. November 2015, 12:00 Uhr

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