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Denkzettel für Seehofer

CSU-Chef erhält bei Wiederwahl nur 87 Prozent Zustimmung

Horst Seehofer muss auf dem CSU-Parteitag ein für christsoziale Verhältnisse schwaches Ergebnis bei seiner Wiederwahl schlucken. Für Wirbel sorgte weiter sein aggressives Auftreten gegen die Bundeskanzlerin.

23.11.2015
  • PATRICK GUYTON

München Die rüde Behandlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem CSU-Parteitag wirkt nach und sorgt für weiteren Streit zwischen den Unions-Schwestern. So nannte etwa der CDU-Europapolitiker Elmar von Brok das Verhalten von CSU-Parteichef Horst Seehofer "unhöflich, ungehörig und nicht erträglich".

Nach Merkels traditionellem Grußwort zum Auftakt des Parteitreffens am Freitag in München hatte Seehofer ihr auf offener Bühne eine Viertelstunde lang seine gegenteilige Meinung zum Thema Flüchtlings-Obergrenze gesagt und sie kritisiert. Die Kanzlerin musste neben Seehofer stehen bleiben und sich das alles vor den knapp 1000 Delegierten anhören.

Das aggressive Auftreten Seehofers wird als weitere Eskalation im Konflikt zwischen CDU und CSU gewertet. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach meinte, Seehofer werde sich nun fragen, "wie er wohl in Karlsruhe empfangen wird". Dort ist der CSU-Chef Mitte Dezember zu Gast beim CDU-Bundesparteitag. Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner äußerte sich nicht zu Seehofers Benehmen - weil sie sonst "die klassischen Höflichkeitsformen verlassen" müsse. Der bayerische Ministerpräsident rechtfertigte sein Verhalten damit, dass er "enttäuscht" von Merkel gewesen sei, weil diese in ihrer Rede in keiner Weise auf die von der CSU verlangte Obergrenze eingegangen sei.

Bei seiner Wiederwahl als Parteivorsitzender musste Seehofer am Samstag ein schlechtes Ergebnis hinnehmen: Er erhielt lediglich 87,2 Prozent der Delegiertenstimmen. Alles unter 90 Prozent wird in der CSU als schwach angesehen. Vor zwei Jahren hatte Seehofer noch 95,3 Prozent bekommen.

In seiner Rede forderte Seehofer erneut die Begrenzung der Zuwanderung und lobte Merkel als "erstklassige Bundeskanzlerin". Für die meiste Aufmerksamkeit sorgte sein Umgang mit seinem parteiinternen Rivalen, dem bayerischen Finanzminister Markus Söder. Die vergangene Woche über hatten sie gestritten. Söder hatte den Terror von Paris in Zusammenhang mit Angela Merkels Flüchtlingspolitik gestellt, Seehofer nannte das eine "völlig unangemessene Reaktion".

Seehofer versuchte nun , eine Art Ausgleich mit Söder herzustellen. Er dankte ihm für dessen Finanzpolitik - da brandete unter den Delegierten Beifall auf, der offensichtlich für Söder war. Weiter sagte der Ministerpräsident mit der ihm eigenen Art von Humor: "Ich mache Fehler, Markus Söder macht Fehler. Ich gebe sie zu - manchmal. Markus Söder gibt sie zu - neuerdings." Und damit müsse es "auch wieder gut sein".

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23.11.2015, 12:00 Uhr

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