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Cameron im Sumpf von Panama
Der britische Premierminister David Cameron verlässt seinen Amtssitz in der Downing Street Nr. 10. Foto: dpa
Britischer Premierminister profitierte indirekt von Steuervermeidung

Cameron im Sumpf von Panama

Der Vater machte Geschäfte mit Briefkastenfirmen in Panama, Sohn David Cameron erbte Anteile. Das bringt den britischen Premier in Bedrängnis, den er geißelt diese Form der Steuervermeidung seit langem.

09.04.2016
  • HENDRIK BEBBER

London. Fünf Tage lang hat sich David Cameron gewunden was seine Verwicklung in die Panama-Enthüllungen anbelangt. Nun musste er zugeben, dass sein Vater drei Jahrzehnte lang von seinem Offshore- Unternehmen profitiert hatte, ohne für das beachtliche Einkommen in Großbritannien Steuern zu zahlen. Strikt legal betrachtet, kann man dem britischen Premierminister daraus keinen Strick drehen. Doch der moralische Schaden ist gewaltig. Owen Smith von der Labour-Opposition brachte es auf den Punkt: "Auf der einen Seite macht sich der Premierminister ständig gegen Steuervermeidung stark, auf der anderen Seite profitierte er von einem Investitionsschema, das ein Instrument dieser Taktik ist." Und die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon meinte, dass "Camerons Glaubwürdigkeit nun völlig im Eimer ist, durch die Art und Weise wie er das öffentliche Vertrauen in sein Amt enttäuscht hat".

Cameron freilich war persönlich nicht aktiv in die Sache verwickelt, sondern hatte das Problem von seinem Vater Ian geerbt. Dieser war - wie schon sein Vater - Finanzmakler und wurde Direktor einer Firma, die das Geld britischer Anleger in der Steueroase von Panama und anderen tropischen Paradiesen vor dem Zugriff des britischen Finanzamtes verbarg. Zu dieser Zeit war diese Praxis nicht ungesetzlich sondern allenfalls anrüchig. Mit dem Einkommen finanzierte Ian Cameron seinem Sohn David die sündhaft teure Ausbildung in dem noblen Internat Eton und der Eliteuniversität Oxford. Als Ian Cameron 2010 im Alter von 77 Jahren starb hinterließ er ein Vermögen von 2,74 Millionen Pfund (3,38 Millionen Euro) von denen David Cameron 300 000 Pfund (371 000 Euro) erbte. Da dies unter der Bemessungsgrenze für die Erbschaftssteuer lag, musste davon nichts ans Finanzamt abgeführt werden. Zum Nachlass gehörten auch 5000 Anteile an der Briefkastenfirma "Blackmore Holdings" seines Vaters, die David Cameron sofort für einen hohen Profit verkaufte und dafür völlig korrekt 19 000 Pfund (23 500 Euro) Steuern zahlte.

Als der Sturm über die Panama-Papiere losbrach und sich darin auch der Name seines Vaters fand, blockte die Downing Street bohrende Anfragen der Medien damit ab, dass es sich "um eine private Angelegenheit der Familie" handele. Doch schließlich musste sich der Premierminister zu einer Erklärung bequemen. Dabei betonte er ausdrücklich, dass es sich bei dem Unternehmen seines Vaters nicht um einen Trick zur Steuervermeidung handelte, sondern dieser nur seinen Klienten ermöglichte, in der Dollarzone zu investieren.

Nach heutigen Verständnis und der gewandelten Gesetzeslage war "Blackmore Holding" jedoch Teil der weitverbreiteten "aggressiven Steuervermeidung", der David Cameron den Kampf angesagt hat. Labour-Vizeparteichef Tom Watson schlägt vor, Cameron solle die Steuern begleichen, die sein Vater dem Finanzamt vorenthalten habe.

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09.04.2016, 06:00 Uhr

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