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Kampftanz mit viel Rhythmus

Capoeira kombiniert afrikanische Wurzeln mit brasilianischem Temperament

Sie singen, tanzen, springen und kicken – und nennen das alles „Spielen“: die Capoeirista. Bei der Sportart Capoeira treffen afrikanische Wurzeln und brasilianisches Temperament aufeinander und bilden eine spannende Symbiose. Ein Trainingsbesuch bei den Aktiven einer ungewöhnlichen Disziplin.

03.02.2010

Tübingen. Capoeira, das ist ein brasilianischer Kampftanz, den afrikanische Sklaven während Brasiliens Kolonialzeit mitbrachten und weiterentwickelten. Capoeira vereint zwei unterschiedliche Richtungen. „Wir praktizieren Capoeira Regional. Nur hier existiert auch das Gürtelsystem wie etwa beim Karate“, erklärt Martin Klopfer, Capoeira-Trainer beim Tübinger Hochschulsport.

Zu Trainingsbeginn laufen sich die Studenten warm und machen ein Fangspiel, bei dem die Gefangenen nur mit einem Tritt oder Kick befreit werden dürfen. Dazu läuft die für den Tanz typische Musik mit einer eingängigen Melodie. Die erste Übung mutet für den ungeübten Zuschauer etwas seltsam an, bewegen sich die Capoeiristas – so werden die Capoeira-Spieler genannt – im Ginga-Grundschritt, einer Art Wiegeschritt. Klopfer macht die Übung vor, beäugt seine Schüler während der Übungen. Danach gehen die rund 20 Studenten in die Ginga und rollen sich dann ab oder schlagen ein Rad. Geschicklichkeit und turnerisches Talent sind bei der Capoeira gefragt.

Im Anschluss stehen einige Kraftübungen auf dem Plan. Klopfer, Pädagoge für Sport und Biologie in Herrenberg, nennt das „Krafttraining auf niedrigem Niveau, was wir gerade machen“. Seine Kursteilnehmer kommen dabei ganz schön ins Schwitzen. Der Trainer geht in die Hocke, lehnt sich nach hinten und drückt sich weg. Wie eine Katze gleitet der 39-Jährige 180 Grad um sich selbst. Körperspannung müssen die Capoeiristas jede Menge haben, sonst stürzen sie gnadenlos ab bei den teilweise waghalsigen Sprüngen. Auch bei den nachfolgenden Dehnübungen sind Beweglichkeit und Kraft oberstes Gebot.

Klopfer selbst hat Capoeira 1995/1996 bei seinem Auslandsstudienjahr in Brasilien für sich entdeckt. Dort wurde er zu einem Mestre, einem Capoeira-Meister, mitgenommen. „Ich dachte erst, das sei ein alter Knacker, habe dann aber in Deutschland erfahren, dass er ein ganz bekannter Meister ist“, sagt er lachend. Zurück in Deutschland wollte er unbedingt weiter Capoeira machen, aber in Tübingen war das damals recht schwierig. Deshalb ging er nach Stuttgart. „Heute gibt es in Tübingen rund 100 aktive Capoeiristas. Auch unsere Kurse sind immer voll mit bis zu 30 Teilnehmern“, erklärt Martin Klopfer stolz.

Seinen Ursprung in Tübingen hat Capoeira im Jahr 2003: Da wurde der Verein „Grupo Quilombolas de Luz Capoeira“ gegründet. Seitdem existiert auch an der Universität Tübingen ein Hochschulsport-Kurs für den brasilianischen Kampftanz, in Kooperation mit dem Verein. Für 25 Euro im Semester lernen die Studenten, wie man kämpft, ohne sich zu treffen, wie man tritt und springt und sich in der Roda, dem Kreis, in dem „das Spiel“ stattfindet, bewegt.

Dort spielen die Capoeiristas zum Abschluss jedes Trainings, während Klopfer mit dem Berimbau, einem Musikbogen aus Holzstab, Metallseite und Klangkörper, den Rhythmus vorgibt. Die umstehenden Spieler klatschen im Takt und singen den Text mit. In der Roda geht es derweil turbulent zu: Da wird getreten und gesprungen, da werden Räder geschlagen und waghalsige Drehungen vollführt – und das alles immer im Wechsel: Einer greift an, der andere weicht aus und umgekehrt. Denn getroffen werden soll bei der Capoeira niemand.

Désirée Krebs

Körperspannung müssen die Capoeiristas jede Menge haben, sonst stürzen sie gnadenlos ab bei den teilweise waghalsigen Sprüngen.

Capoeira kombiniert afrikanische Wurzeln mit brasilianischem Temperament

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03.02.2010, 12:00 Uhr

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