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Capote

Mit Ekel und Faszination folgt man dem Schriftsteller als Voyeur des Entsetzlichen

Mit Ekel und Faszination folgt man dem Schriftsteller als Voyeur des Entsetzlichen

CAPOTE
USA

Regie: Bennett Miller
Mit: Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Chris Cooper, Clifton Collins Jr., Bruce Greenwood

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015
  • Dorothee Hermann

Die Weite von West-Kansas ist ein unwahrscheinlicher Ort für das Grauen. So erscheint der Mord an der Farmerfamilie Clutter als doppelter Horror. Es ist der 14. November 1959. Der Thrill dieses Verbrechens anscheinend ohne Motiv springt den Schriftsteller Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) noch aus der knappen Zeitungsmeldung an. Im coolen New York eben für seinen Erfolg „Frühstück bei Tiffany“ gefeiert, beschafft sich Capote sofort einen Auftrag des Magazins „New Yorker“. Er fährt selbst an den Tatort, um über das Verbrechen zu berichten.

Der muffig-cleanen Welt von West-Kansas erscheint der schwule Schriftsteller mit dem manierierten Gehabe einer Südstaatentunte beinahe ebenso fremd wie die beiden Täter Perry Smith (Clifton Collins Jr.) und Dick Hickock (Mark Pellegrino). „Es gibt in diesem Land zwei Welten“, stellt Capote mit seiner irritierend hohen Stimme einmal fest.

In der extremen Einsamkeit des Mörders Perry Smith erkennt er die eigene wieder. Vielleicht gibt er das auch nur vor, um Smith’ Vertrauen zu gewinnen. Denn Capote plant längst mehr als eine Reportage. Für den einer Hinrichtung gleichenden Mord hat er nichts weniger im Sinn als ein neuartiges literarisches Genre, den so genannten Tatsachenroman. Sein Titel: „Kaltblütig“. Er braucht dazu die Erinnerungen der Täter an die Mordnacht. Über Jahre begibt er sich dafür in die gespenstische Zwischenwelt des Gefängnisses, schließlich der Todeszelle, wo Capote Smith und Hickock mal als Freund, mal mit fiesem psychischem Druck begegnet. Zuhause zittert er, das Whiskyglas in der Hand, um das Ende seines Buchs, sobald die Hinrichtung wieder einmal aufgeschoben wird. Als er alle Fakten kennt, hat der Autor an den zum Tode Verurteilten keinerlei Interesse mehr. „Kaltblütig“ macht ihn zum bekanntesten Schriftsteller Amerikas. Danach wird er nie wieder ein Buch zu Ende schreiben.

Abgesehen von einem verstörenden Biopic des schillernden Literaten zeigt Regisseur Bennett Miller wie nebenbei die Abgründe einer honetten Gesellschaft, die sich eine Unterklasse leistet (ab 12).

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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20.03.2006

12:00 Uhr

TomTom schrieb:

Was bringt einen Schriftsteller dazu, sich mit zwei Mördern zu beschäftigen, die eine Familie ausgelöscht haben, und wie weit darf er gehen, um die Wahrheit herauszufinden (und das Thema literarisch verarbeiten)? Phil Hoffmans schauspielerische Leistung in diesem Film ist nicht zu überbieten und hat absolut den Oskar verdient. Auch die Kameraführung verdient höchstes Lob.



09.03.2006

12:00 Uhr

Riddam schrieb:

beeindruckend, wie der Mann sich jede Sympathie "verspielt" - sehenswert!



06.03.2006

12:00 Uhr

Eva schrieb:

Ein absolut sehenswerter, fesselnder Film!



03.03.2006

12:00 Uhr

jonina schrieb:

Gut gespielt.



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