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Hobby aus der Hosentasche

Carlos Braun ist Deutschlands bester Yoyo-Trickser

Der Jüngste war der Beste: Am Sonntag vor einer Woche holte sich der erst 14-jährige Carlos Braun in Leipzig den Deutschen Meistertitel im Yoyo-Spiel.

08.10.2010
  • Uschi Hahn

Entringen. Konzentriert steht der Junge da. Mit einer schnellen Handbewegung wirft er die bunte Scheibe aus seiner Hand, die Nylonschnur entrollt sich. Dann beginnt ein schneller Tanz durch die Luft. Das Yoyo kreist, stoppt, fliegt nach rechts und links, nach oben und unten. Die Schnur formt komplizierte Figuren, löst sich wieder auf. Die Hände des Choreografen bewegen sich dabei blitzschnell. Nach vielleicht einer Minute ist der Tanz vorbei. Und die Mundwinkel von Carlos Braun verziehen sich zu einem Grinsen.

Es ist Nachmittag. Kurz vorher war der 14-Jährige aus der Schule nachhause gekommen. In einer Stunde muss er wieder weg. Zum Judo-Training. Über Langeweile kann der Achtklässler des Carlo-Schmid-Gymnasiums nicht klagen. Vier Mal in der Woche geht er zum Judo, spielt außerdem Tennis und Trompete. In den Ferien geht er gerne Skifahren oder Surfen mit der Familie.

Vor etwa eineinhalb Jahren kam dann noch die Leidenschaft fürs Yoyo-Spielen dazu. Wobei es eine Weile dauerte, bis er von dem Spielgerät, mit dem sich schon Jungs im antiken Griechenland vergnügten, und das früher Jojo hieß, so richtig begeistert war.

Sein erstes Yoyo war nämlich noch ein klassisches aus Holz, das sich irgendwo zuhause im Wohnzimmer fand. „Damit hab‘ ich ein bisschen rauf und runter gespielt“, sagt Carlos mit einem geringschätzigen Ausdruck im sonst sehr ernsthaften Gesicht. „Das war langweilig.“ Dann hat er im Internet „ein bisschen gegoogelt“, stieß dabei auf Videos von Spielern, die mit der amerikanisierten Version des doppelscheibigen Wunderdings ihre Tricks zeigten, und war „ziemlich beeindruckt“.

Doch die Durststrecke war noch nicht vorbei. Obwohl er sich übers Internet bessere Yoyos besorgte, wollte das mit den schnellen Wirbeln am Nylonschnürchen nicht so recht klappen. Erst nach und nach holte er sich in der international vernetzten Yoyo-Community die entscheidenden Tipps für seine Tricks.

Aber weshalb hat er sich so hartnäckig durchgekämpft? „Das Coole war: Ich konnte das Yoyo überall hin mitnehmen, in der Hosentasche.“ Und so hat der 14-Jährige es unter anderem mit Trainingseinheiten an der Bushaltestelle zur Meisterschaft gebracht.

Inzwischen besitzt Carlos 21 der bunten Dinger aus Plastik oder Metall, die zwischen 40 und 85 Euro kosten. Er bewahrt sie in einem ausgepolsterten Alu-Koffer auf. Und den nahm er am vergangenen Wochenende auch nach Leipzig mit. Am 2. und 3. Oktober wurden dort auf der Messe „modell-hobby-spiel“ die „12. German Yo-Yo Masters“ ausgetragen. Begleitet von seiner Mutter und einem Freund, wollte Carlos dort eigentlich vor allem „die anderen Spieler mal treffen“. Die kannte er nämlich bisher nur aus den einschlägigen Internet-Foren.

In der ersten Runde wurde nicht nur die Kunstfertigkeit mit dem Yoyo bewertet, auch die Kostüme bekamen Punkte. Carlos trat mit Papagei auf der Schulter, Hut und Augenklappe als Pirat an. In der nächsten Runde bekam Carlos für seine Pflichttricks 23 von 30 möglichen Punkten und landete unter 18 Teilnehmern, die meisten um die 20 Jahre alt, unter den besten drei. Da war er schon „ziemlich aufgeregt“, gesteht der Junge. Dauernd habe er sich die Hände gewaschen, damit die Schnur nicht am Schweiß kleben blieb. Der Traubenzucker, den „die Mama“ dabei hatte, half auch. Der Freestyle-Auftritt im Finale, „hat dann eher Spaß gemacht, als dass man aufgeregt ist“.

So behielt er als Jüngster in der Konkurrenz nicht nur die Nerven, sondern begeisterte auch die Preisrichter mit seinen Tricks. Den ersten Pokal hatte er schon als „Newcomer des Jahres 2010“ bekommen. Dazu kam nicht nur der Meisterpokal. Carlos Braun hat nun auch das Ticket für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in den USA in der Tasche.

Seit Montag geht er wieder zur Schule. Dort haben sie ihm das mit der Meisterschaft erst geglaubt, als der mitgereiste Freund ein Beweisvideo auf dem Handy vorführte. Klar, dass dann viele mal ausprobieren wollten, wie das mit dem Yoyo geht. „Aber die haben gleich wieder aufgehört, weil’s nicht so geklappt hat“, berichtet Carlos. „Man braucht eben schon auch ein Händchen dafür.“

Carlos Braun

1996 in Tübingen geboren, in Entringen aufgewachsen, Grundschule in Entringen und Breitenholz

2007 Wechsel ans Carlo-Schmid-Gymnasium in Tübingen

3.10. 2010 Sieg bei der Deutschen Yoyo-Meisterschaft in Leipzig

Carlos Braun lebt mit seinen Eltern und seiner 16-jährigen Schwester in Entringen

Mit Tricks zum Titel - Entringer Schüler ist deutscher Yoyomeister

Der 14-jährige Carlos Braun aus Entringen als Deutscher Meister. Das Video entstand 2010.

© Ziehe 03:27 min

Carlos Braun ist Deutschlands bester Yoyo-Trickser
Wenn Carlos Braun sein Yoyo durch die Luft wirbeln lässt, ist er voll konzentriert. Jetzt ist er Deutscher Meister geworden. Bild: Sommer

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08.10.2010, 12:00 Uhr

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