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Trotz Oberschenkelamputation

Carola Wehner treibt mit ihren Hunden den Sport Agility

Seit mehr als sieben Jahren betreibt Carola Wehner mit ihren Hunden Lucy und Mo den Hundesport Agility. Trotz einer Oberschenkelamputation vor einem Jahr startet sie bei Turnieren. Ende August fährt sie zur ParaAgility-Weltmeisterschaft nach Belgien. Wehner will auch anderen Menschen mit Handicap Mut machen.

21.08.2012
  • Kristina Weimer

Rottenburg. Carola Wehner ist kein Mensch, der mit seinem Schicksal hadert. Ganz im Gegenteil: Wenn die 38-jährige Rottenburgerin von ihrer Oberschenkelamputation spricht, dann klingt es positiv.

Fast zwölf Jahre hatte sie nach einem Kreuzbandriss und der folgenden Entzündung des linken Kniegelenks Schmerzen. Mehr als 40 Operationen und fünf künstliche Kniegelenke brachten keine Besserung. Die Diplom-Geologin konnte aus diesem Grund ihren Beruf nie ausüben, denn ein Geologe „muss aufs Feld können“. Wehner verdient ihr Geld mit einem Service in Rottenburg, bei dem sie T-Shirts bedruckt.

Im Februar 2011 stand Wehner vor einer endgültigen Entscheidung. Es gab nur zwei Möglichkeiten für sie: eine völlige Versteifung des Kniegelenks oder die Amputation des Beins. Sie entschied sich für Letzteres. Wehner: „Was will ich mit einem steifen Bein mit 37?“

Im Juli 2011 wurde sie operiert. Bereits in der Reha begann sie wieder Sport zu treiben. Beim Fußballspielen mit ihrem Jack Russell Terrier Lucy lernte sie das Rennen mit der Prothese neu. Bereits vor der Amputation hatte sie sich nach Prothesen erkundigt. Direkt nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus bestellte sie ihre erste. Für Carola Wehner begann „ein neues Leben ohne Schmerzen“. Sie sei, sagt sie „regelrecht aufgeblüht“.

Dass die sportliche Frau schon im März nach nur einem Jahr Pause wieder mit dem Agility-Training beginnen konnte, verdankte sie auch einer speziellen Sportprothese. Mit der Firma Endolite, ihrem Sponsor im Hundesport, entwickelte sie einen Prothesenfuß, der ihren Bedürfnissen im Parcours entsprach.

Eine Carbonfeder, wie sie der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius verwendet, kam nicht in Frage. Diese eigne sich zwar gut zum Sprinten, aber beim Agility seien Stehenbleiben, Rückwärtsgehen und schnelles Wenden ebenso entscheidend. Zwei Tage lang bastelte sie in Bayreuth mit einem Techniker am perfekten Fuß. Die Krankenkassen zahlen solche Sportprothesen nicht. Bis zu 15 000 Euro können sie kosten, deshalb ist Wehner froh, dass sie unterstützt wird.

Nächstes Ziel ist die ParaAgility-Weltmeisterschaft. Dort will sie mit ihren Hunden aufs Treppchen. Vor der Amputation war sie auf großen internationalen Turnieren erfolgreich. Begonnen hat Agilty für sie vor sieben Jahren in einer Hundeschule. Dort gab es einige Hindernisse, die Wehners Hündin Lucy voller Spaß bewältigte. „Reingeschlittert“ sei sie also in den Sport. Sehr schnell kam der Turniererfolg, doch nach ganz vorne reichte es nie. Das soll sich nun ändern.

Für Die ParaAgility-WM trainiert Wehner dienstags auf dem Hundesportplatz in Grosselfingen und donnerstags in Tailfingen Technik und Geschwindigkeit mit Lucy und ihrem Zwergspitz Mo. Von April bis Oktober fährt sie fast jedes Wochenende auf ein Turnier. Dort trägt sie oft kurze Hosen und provoziert gern die Blicke der Zuschauer und anderen Teilnehmer. Sie geht offensiv mit ihrer Behinderung um. „Ich hab’ ein Handicap, mehr nicht“, sagt sie und stellt fest, dass sich zu viele Menschen mit einer Behinderung versteckten. Das müsse sich ändern. Von ihren Freunden unterscheide sie sich höchstens dadurch, dass sie morgens ihre Prothese an- und abends wieder ausziehe.

Bis zur WM in Wieze sind es keine zwei Wochen mehr. Vom 30. August bis zum 2. September läuft Carola Wehner dort für das deutsche Nationalteam auf. Sie hofft auf gute Platzierungen, um anderen Amputierten zu zeigen, dass man alles erreichen kann, wenn man will. Ans Aufgeben, sagt Carola Wehner, habe sie nie gedacht.

Carola Wehner treibt mit ihren Hunden den Sport Agility
Carola Wehner mit ihrem Zwergspitz Mo beim Agility-Training. Eine hydraulische Sportprothese mit Carbonfuß hilft ihr bei den Anforderungen des Sports.Bild: Weimer

Agility ist eine Hundesportart, die ursprünglich aus England kommt. Es geht dabei um die Bewältigung eines Hindernisparcours innerhalb einer vorgegebenen Zeit. „Praktisch Springreiten für Hunde“, erklärt Carola Wehner. Statt aus dem Sattel leitet der Hundeführer den Hund über Sprachkommandos an, aber auch über Körpersprache, denn Halsband und Leine gibt es nicht.
Das Zweierteam aus Hund und Mensch muss Hindernisse wie Tunnel, Sprünge und Slalomstangen in vorgegebener Reihenfolge und fehlerfrei bewältigen. Es gibt drei Leistungsklassen. In der höchsten startet Carola Wehner.

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21.08.2012, 12:00 Uhr

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