Empfingen · Arbeitsplätze

Ceratizit baut 40 Stellen ab

Das Unternehmen ist in die Krise geraten. Jetzt sollen mehr als zehn Prozent der Arbeitsplätze abgebaut werden – möglichst ohne Kündigungen.

07.07.2020

Von Annette Maria Rieger

Dorothee Diehm, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Freudenstadt und damit zuständig für 71 Betriebe zwischen Oberndorf, Schiltach, Horb, Freudenstadt und Calw, haben dieser Tage drei Hiobsbotschaften erreicht: Möbelhersteller Veyhl in Zwerenberg wird 100 von 514 Arbeitnehmer entlassen, Felgen- und Räderspezialist BBS in Schiltach 120 von 526 Arbeitnehmern. Die dritte Botschaft erreichte sie aus Empfingen: Ceratizit wird insgesamt 40 seiner 380 Arbeitsplätze am Empfinger Standort abbauen.

Von betriebsbedingten Kündigungen geht Gewerkschafterin Diehm aktuell jedoch nicht aus. Stattdessen werde versucht, die 40 Stellen über freiwillige Aufhebungsverträge und sogenannte Rentenbrücken abzubauen.

Bei dem international operierenden Unternehmen habe sich bereits im März und April angedeutet, dass es zu Einschnitten kommen wird. Aus der Warte von Dorothee Diehm lässt sich derzeit beobachten: „Corona wirkt als Brandbeschleuniger in Betrieben, die sich gegen die strukturellen Veränderungen gewehrt haben.“ Dort, wo Aufträge ausbleiben, werde die Krise von Arbeitgebern genutzt, um den Personalabbau schneller als geplant voranzutreiben.

Am Empfinger Standort der Ceratizit Group arbeiten rund 360 Personen, hinzu kommen 18 bis 20 Auszubildende. Die Mitarbeiter haben derzeit Kurzarbeit und arbeiten abteilungsbezogen im Durchschnitt 40 Prozent.

Fünf Ausbildungsverträge als Industriemechaniker für das neue Lehrjahr sind Betriebsratsvorsitzendem Hartmut Friesinger zufolge bereits unter Dach und Fach, auch ein Student der Dualen Hochschule ist unter Vertrag. Ob auch 2021 wie gewohnt fünf Nachwuchskräfte zum Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker oder Anlagenführer ausgebildet werden, steht derzeit noch nicht definitiv fest, sei aber grundsätzlich so geplant.

Rückfragen zum geplanten Stellenabbau ließ das Unternehmen gestern unbeantwortet.

Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner erklärte gestern zum Stellenabbau: „Etwaiger Stellenabbau ist bei einigen Firmen auch in Empfingen aufgrund der Corona-Krise zu erwarten. Es trifft die einzelnen Unternehmen teilweise unterschiedlich – uns sind aber als Gemeinde die Hände gebunden. Den Stellenabbau oder Umbau muss jede Firma für sich selber entscheiden und durchführen.“

Ceratizit ist seit der 2013 abgeschlossenen Umsiedlung von Horb nach Empfingen einer der größten Arbeitgeber im Ort und beschäftigt viele seiner Arbeitnehmer seit Jahrzehnten.

Der Hartmetallspezialist hatte bereits bei der Wirtschaftskrise 2008/2009 massive Umsatz-Einbrüche zu verkraften. Durch Kürzung der Arbeitszeit, die Entlassung einzelner Leiharbeiter und einem Einstellungsstopp konnte damals eine größere Entlassungswelle verhindert werden.

Ceratizit S. A.

Stammsitz des Mutterkonzerns Ceratizit S.A. ist in Mamer in Luxemburg. An den 30 Produktionsstätten weltweit arbeiten laut Firmenwebsite rund 8000 Mitarbeiter, darunter Ingenieure, Wissenschaftler und Facharbeiter der Metallindustrie. Die Produkte werden im Maschinen- und Werkzeugbau, in der Automobilbranche, der Luft- und Raumfahrtindustrie sowie in der Medizinindustrie eingesetzt. Vor sieben Jahren, 2013, verlagerte der Konzern seine Schleiferei von Biel nach Empfingen.

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Erstellt:
7. Juli 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Juli 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2020, 01:00 Uhr

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