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Maico 500 und andere Auto-Abenteuer

Champions, Verlierer und James Dean – 125 Jahre Automobil in der Region

Findige Ingenieure aus der Region machten immer wieder Furore mit Autos „made in Neckar-Alb“. Manche Hersteller verkauften ein paar Dutzend Autos an Kunden in der Nähe – andere eine Handvoll in die USA. Und dann gibt es noch Maicos unvergessenes Himmelfahrts-Kommando in Sachen Automobil.

09.05.2011

Die Geschichte der Auto-Produktion im heutigen Raum Neckar-Alb teilt sich im Grunde in zwei Hälften: Zuerst kommt das Kapitel, in dem es sich kleine Betriebe noch leisten konnten, mit Autos zu experimentieren.

Und dann das Kapitel, in dem es sich große Betriebe nicht mehr leisten konnten, nicht mit Autos zu experimentieren. Das zweite Kapitel ist umfangreicher. Es heißt: Maico.

Champions, Verlierer und James Dean – 125 Jahre Automobil in der Region

Als sich die Gebrüder Maisch aus dem Ammertal 1955 entschlossen, mit ihren rund 650 Beschäftigten ins Auto-Geschäft einzusteigen, war Maico in Deutschland ein klangvoller Name: Der Roller „Maicoletta“ (das Werbefoto unten entstand auf dem Tübinger Zeltplatz) schnurrte zuverlässig, die Renn-Motorräder von der Ammer räumten in aller Welt Trophäen ab – und ihre straßentauglichen Serien-Ableger fuhren in ganz Deutschland. Das Verkehrsmittel der Nachkriegszeit war das Motorrad. Doch nicht lange – dann kam der Einbruch.

Der Einbruch hatte einen Namen: „Wirtschaftswunder“. Während sich deutsche Familien nach bescheidenem Luxus und standesgemäßen Verkehrsmitteln umschauten, setzten die Motorräder in den Läden der Republik Spinnweben an: Zwei Räder waren zwei zu wenig. Es war die Stunde des VW Käfer, des Victoria Spatz und der BMW Isetta. Manche dieser Modelle wurden zu Erfolgs-Mobilen. Andere trieben ihre Hersteller in den Ruin.

Maico kaufte die Lizenz für den „Champion“, einen Kleinstwagen mit 15 PS, zwei Zylindern und zwei Sitzen. Der „Champion“ war sportlich, klein und niedlich. Zu niedlich. Zwar hatte der „Champion“ bereits Schrauber in Herrlingen, Paderborn und Ludwigshafen beschäftigt und knapp 2000 Besitzer glücklich gemacht. Aber die Zeiten änderten sich schnell in Deutschland. Was früher ein Motorrad war, sollte bald ein Zweisitzer sein – und schnell sehnten sich die Deutschen nach kapitalen Viersitzern.

Champions, Verlierer und James Dean – 125 Jahre Automobil in der Region
Wilhelm Maybach

Maico zog binnen Jahresfrist nach. Der Maico 500 bot zwei Türen, vier Sitze und 18 PS. Für knapp 3500 Mark bekamen die Kunden einen kugelrunden Sympathieträger – und für 75 Mark obendrauf noch eine Heizung ins Auto. Das klang gut in den Ohren der sparsamen Deutschen, war der neue Kleinwagen doch rund 1000 Mark günstiger als der „Champion“ – und blieb obendrein noch 300 Mark unter dem VW Käfer. Die findigen Ingenieure aus dem Ammertal punkteten mit Zahnstangenlenkung, Wasserkühlung und sparsamen sechs Litern Verbrauch auf hundert Kilometern. Ein VW Käfer soff damals stolze acht Liter.

Gut 6000 Exemplare warf Maico vom 500er-Modell bis 1958 auf den Markt. Wenn es nach den Gebrüdern Maisch gegangen wäre, hätten es noch ein paar mehr sein können, denn der Verkaufspreis war knapp kalkuliert. Zu knapp.

Ein „Möck“ mit Motoren aus Sachsen

Die Produktentwicklung lief auf Hochtouren. Maico produzierte den Kombi „500 G“ – ganze 21 Mal. Den „500 Sport“ – sagenhafte vier Mal. Als sich auch noch der Ruf des stolzen, klassischen 500ers in Wohlgefallen auflöste (zu laut, brüchiges Lenkrad) und das Pfäffinger Maico-Werk in den Jahren ’55 und ’56 rund drei Millionen Mark Miese ausweisen musste, war klar: So geht es mit Maico nicht weiter. 1958 war die Firma pleite. Kein weiterer Hersteller hat sich seitdem getraut, in die Fußstapfen der Gebrüder Maisch zu treten.

Oder auch in die Fußstapfen der Tübinger Autofabrik Möck – denn der Autobauer aus der Reutlinger Straße war der eigentliche Pkw-Pionier in der Region. Der „Möck“ knatterte von 1923 an über Tübinger Pflastersteine und Staubstraßen: entweder als luxuriöser Viersitzer mit 20 PS oder als rasanter Sportwagen, mit zwei Sitzen und 38 PS. Die Arbeiter bei Möck schraubten ihren „Möck“ aus sächsischen Motoren und Vergasern zusammen, montiert über handgefertigte Buchenholz-Fahrgestelle. Stückzahl: etwa 80 Exemplare.

Etwas später tat sich der Reutlinger Karosseriebauer Wendler auf dem Automarkt hervor. Vor allem ab 1937 schickte die Werksmannschaft um Chefkonstrukteur Helmut Schwander Stromlinienfahrzeuge, später auch Cabrios, Coupés und Kombis in die weite Welt hinaus. Alle waren individuell oder in kleinen Stückzahlen gefertigt und bedienten sich Versatzstücken von Bentley, Porsche oder BMW. Einen 130-PS-Spider von Porsche entwickelte Wendler auch für den US-Markt. Prominentester Käufer: James Dean. Es war ein Wendler-Porsche, in dem der Hollywood-Star am 30. September 1955 auf einer Spritztour durch das kalifornische Hinterland tödlich verunglückte.Eike Freese

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09.05.2011, 12:00 Uhr

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