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Hunderte Menschen fliehen nach Ausschreitungen in Lager auf Chios

Chaos in Flüchtlingscamps

Dramatische Szenen in Griechenland: In Flüchtlingslagern kommt es zu heftigen Unruhen, Menschen fliehen. Das alles kurz vor Abschiebungsbeginn.

02.04.2016
  • GERD HÖHLER UND DPA

Athen/Berlin. Wenige Tage vor Beginn der geplanten Flüchtlingsrückführung gerät die Situation in den griechischen Camps immer mehr außer Kontrolle. Nachdem es an den Vortagen bereits zu Unruhen an mehreren Orten kam, gingen in der Nacht zum Freitag auf der Insel Chios syrische und afghanische Flüchtlinge aufeinander los. Zwei Menschen wurden durch Messerstiche schwer verletzt. Das Motiv war zunächst unklar. Die Polizei setzte Blendgranaten ein.

Hunderte syrische Flüchtlinge brachen am Freitag aus Furcht vor neuen Tumulten aus dem Lager auf Chios aus, darunter viele Familien mit Kindern. Sie schnitten den Zaun auf, der die Unterkunft umgibt. "Unser Leben ist in dem Lager nicht mehr sicher", sagte ein Familienvater zu Reportern. Die Menschen machten sich auf den Weg Richtung Inselhafen.

Proteste wurden am Freitag auch aus einer Notunterkunft im nordgriechischen Ioannina gemeldet. Vor zwei Tagen war es bereits im Hafen von Piräus, wo fast 5400 Flüchtlinge campieren, zu Schlägereien gekommen. Die zunehmenden Unruhen in den griechischen Flüchtlingslagern wecken Befürchtungen: Am Montag soll entsprechend der EU-Vereinbarung mit Ankara die Abschiebung von Flüchtlingen aus Griechenland in die Türkei beginnen. Für jeden Syrer, den die EU abschiebt, soll ein anderer Syrer auf legalem Wege in die EU kommen - die Union rechnet mit bis zu 72 000 Personen. Die ersten Syrer werden bereits am Montag in Deutschland erwartet, wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums mitteilte. "Sie kommen voraussichtlich zunächst in Friedland an", sagte er. Es gehe um eine "niedrige bis mittlere zweistellige Größenordnung".

Auf EU-Ebene dauerten die Vorbereitungen für die Rückführung an. Es seien 40 Experten aus den Niederlanden in Griechenland eingetroffen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission. Bis Montag sollen weitere Mitarbeiter der Grenzschutzagentur Frontex und des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO) folgen.

Vorwürfe von Amnesty International, wonach die Türkei massenhaft Flüchtlinge aus Syrien in das Bürgerkriegsland abschiebt, wollen Brüssel und Berlin prüfen. "Wir nehmen die Anschuldigungen ernst", so die Kommissions-Sprecherin.

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02.04.2016, 06:00 Uhr

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