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Nachfrage riesengroß

„Charlie Hebdo“ schon vor Erscheinen ausverkauft

Keiner weiß, wie viele Hefte der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ heute überhaupt in Tübingen angeliefert werden. Doch eines ist sicher: Bei der ersten Ausgabe nach dem Terroranschlag ist die Nachfrage weit größer, als das Angebot sein wird.

17.01.2015

Tübingen. In Frankreich war das Heft am Mittwoch in wenigen Stunden ausverkauft. In der Schweiz, wohin am gestrigen Freitag 800 Exemplare ausgeliefert wurden, dauerte es nur ein paar Minuten. Am heutigen Samstag nun soll die jüngste Ausgabe des Satireblatts „Charlie Hebdo“ auch in den deutschen Zeitschriftenhandel kommen. Bis gestern war die Rede von 10 500 Exemplaren – für die ganze Republik.

Mindestens ein Zehntel davon könnte alleine in Tübingen über den Ladentisch gehen, wie eine stichprobenhafte TAGBLATT-Recherche bei den einschlägigen Geschäften ergab. So groß ist in der Unistadt die Nachfrage. Wobei die Betonung auf „könnte“ liegt. Denn 1500 Exemplare des Heftes mit dem weinend verzeihenden Propheten auf dem Titel werden es mit Sicherheit nicht nach Tübingen schaffen.

So hat man bei Osiander zwar „so viele bestellt, wie wir kriegen können“, wie Ingrid Abeln sagt. „Aber wir wissen nicht, wie viele wir bekommen.“ Verkaufen könnte der Traditions-Buchhändler mit Niederlassungen in ganz Süddeutschland allein in seinen fünf Tübinger Filialen mehrere 100 Stück. So viele Interessenten haben sich auf die Warteliste setzen lassen. Gleich nach Erscheinen der französischen Ausgabe am Mittwoch „haben die Leute bei uns den Laden gestürmt“, berichtet Abeln.

Während Osiander wohl wenigsten ein paar Exemplare erhalten wird, werden kleinere Buchhändler wie Wolfgang Zwierzynski von „Don Quichotte“ mit ziemlicher Sicherheit ganz leer ausgehen. „Über meinen Grossisten kann ich nichts bestellen“, sagt der frankophile Buchhändler aus der Neckarhalde. Dabei haben auch bei ihm schon etliche Kunden nachgefragt.

Im Zeitschriftenkiosk Eckert im Tübinger Hauptbahnhof hat man die Warteliste bei 90 Vorbestellungen geschlossen, wie eine Verkäuferin berichtet, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Denn mit mehr als „ein paar Exemplaren“ können auch die Mitarbeiter dort nicht rechnen, wie eine Nachfrage beim Lieferanten am Donnerstagabend ergab.

„Wir wissen nicht, wie viele wir bekommen, vielleicht gar keine“, lautet auch die Auskunft bei Scriptum im Nonnenhaus. Dabei führen auch Friederike Funk und ihre Kolleginnen bereits seit Tagen eine Warteliste. „Die Nachfrage ist groß“, sagt die Zeitschriftenverkäuferin. Hoffnungen, dass alle interessierten Kunden zum Zug kommen, hat sie nicht: „Überlegen Sie mal, nur 10 500 für ganz Deutschland!“

Wobei – ein wenig erstaunt ist Funk schon über den großen Run auf das Satiremagazin. „Wir hatten Charlie Hebdo früher im Sortiment“, sagt die Scriptum-Mitarbeiterin. „Aber wir haben sie rausgenommen, weil sich niemand dafür interessiert hat.“ Früher. Das war, bevor islamistische Terroristen einen Großteil der Redaktion von „Charlie Hebdo“ ermordeten. uha

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17.01.2015, 12:00 Uhr

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