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Chiles Inferno
Auf verlorenem Posten: die Feuerwehr in Empedrado. Foto: dpa
Feuer

Chiles Inferno

Das Land leidet unter den wohl schlimmsten Waldbränden seiner Geschichte. Nur die Hälfte der Löschflugzeuge ist einsatzbereit. Eine reiche Amerikanerin hilft.

26.01.2017
  • DPA

Santiago de Chile. Es ist einfach zu trocken, die Feuersbrunst breitet sich in Chile seit einer Woche aus. Schon drei Feuerwehrleute sind umgekommen, die Hauptstadt Santiago de Chile ist zeitweise in Rauch gehüllt. „Wir kämpfen gegen das größte Waldbrand-Desaster unserer Geschichte“, sagt Präsidentin Michelle Bachelet. Und nur drei der sechs Löschflugzeuge der nationalen Forstbehörde sind einsatzbereit.

Die Wettervorhersagen versprechen nichts Gutes: Kaum Regen und fast 40 Grad in den nächsten Tagen. Eine riesige Fläche von rund 1600 Quadratkilometern ist bereits abgebrannt, das entspricht fast der doppelten Fläche Berlins. Rund 90 Brände wüten, allein um Pumanque sind 70 Prozent der Wälder und Agrarflächen zerstört. Vor allem Bauern leiden darunter.

Wie groß der Druck auf Bachelet ist, zeigt die Tatsache, dass sie eine Reise zu einem Amerika-Gipfel in der Dominikanischen Republik und nach Haiti abgesagt hat. Stattdessen reiste sie in die Katastrophenregion in die Stadt Pumanque, 230 Kilometer südlich von Santiago.

Für die Umweltstiftung WWF liegt eine Ursache für die Brände in der Erderwärmung mit mehr Dürrephasen. „Weltweit nehmen Häufigkeit und Intensität der Brände zu - mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur“, sagt die Programmleiterin Wald im WWF Deutschland, Susanne Winter.

15 bis 20 Prozent der Treibhausgasemissionen gingen auf Waldbrände zurück, Lebensraum für Tiere und Pflanzen sei verloren. Winter: „Wir befinden uns in einer gefährlichen Spirale. Der Klimawandel sorgt für mehr Brände und mehr Brände verstärken den Klimawandel.“

Der Staatsanwalt der besonders betroffenen Region O‘Higgins, Emiliano Arias, sieht eine Ursache für die Brände in maroden und zu nah an Waldgebieten gebauten Stromleitungen. Äste peitschten im Wind gegen die Leitungen, was zu Funkenschlag führte, der das trockene Gras und Laub am Boden entzündet haben können. Attackiert wird besonders das Unternehmen Compañia General de Electricidad, das zu 90 Prozent dem spanischen Konzern Gas Natural Fenosa gehört.

Bachelet hält auch Brandstiftung für möglich: „Wir können bisher nicht ausschließen, dass bei den Bränden auch Vorsatz im Spiel ist.“

Boeing mit 73 000 Litern Wasser

Der Chef der nationalen Forstbehörde (Conaf), Aarón Cavieres, ist in den vergangenen Tagen wegen der mangelnden Zahl an Löschflugzeugen stark in die Kritik geraten. Dann aber kam Hilfe von Lucy Ana Avilés, einer ehemaligen Chilenin, die im US-Staat Colorado lebt und ihrem Heimatland weiter verbunden ist.

Sie schickte das größte Löschflugzeug der Welt, eine Boeing 747-400 Supertanker, nach Chile, berichtete Cavieres. Das Flugzeug kann in zehn Tanks 73 000 Liter Wasser transportieren.

Das Portal „Emol“ berichtet, dass der Einsatz sehr kostspielig sei. „Das Volumen beträgt rund zwei Millionen Dollar, um sechs Tage fliegen zu können“, sagt Magdalena Moreno, die Direktorin der Stiftung Vientos del Sur, die von Avilés‘ Ehemann Ben Walton gegründet wurde. Er ist der wohlhabende Enkel von Sam Walton, dem Gründer der heute weltweit größten Supermarktkette Walmart.

Für Präsidentin Bachelet und ihre Regierung ist diese unerwartete Hilfe aus den USA ein Segen. Sie braucht dringend Erfolge – in der Wirtschaft wie in der Brandbekämpfung. Georg Ismar, dpa

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26.01.2017, 06:00 Uhr

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