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China im „Titanic“-Fieber
Eine Computeranimation zeigt die nachgebaute „Titanic“.Sie soll aber nur an einem kleinen Fluss andocken. Foto: Seven Star Investment
Tourismus

China im „Titanic“-Fieber

Mit zwei Nachbauten in der Provinz Sichuan wollen Investoren den 1912 gesunkenen Luxusliner würdigen. Eine Kopie soll in einem Freizeitpark die Kollision mit dem Eisberg simulieren können.

09.12.2016
  • FELIX LEE

Das Muster findet sich immer wieder: Es muss bloß eine hinreichende Zahl an Chinesen von etwas begeistert sein – schon findet sich irgendwo im Land eine Imitation. Das gilt für österreichische Alpendörfer genauso wie für Ikea-Einrichtungshäuser, Apple-Stores und den Pariser Eiffelturm. Selbst die Altstadt von Hannover wird derzeit im südwestlichen China nachempfunden. Derzeit sind gleich zwei chinesische Investoren dabei, eine Legende nachzubauen – die „Titanic“. Und zwar in voller Größe.

Die Seven Star Energy Investment Group, ein lokaler Stromanbieter, will in der südwestchinesischen Provinz Sichuan eine genaue Kopie des 1912 gesunkenen Kreuzfahrtschiffes bauen lassen. Und zwar auf Basis der alten Pläne, versichert der für das Projekt beauftragte Schiffsbauer, die Wuchuan Group.

Die nachgebaute „Titanic“ soll sowohl mit dem berühmten Speisesaal ausgestattet werden, mit den Luxuskabinen, mit dem Deck, auf dem beim Untergang das Mini-Orchester spielte, und mit den Massenunterkünften der Passagiere in der dritten Klasse. Wie das Original wird es, wenn es in zwei Jahren vollendet ist, rund 300 Meter lang sein. Umgerechnet mehr als 136 Millionen Euro lässt sich der Investor den Koloss kosten.

In See stechen wird der Nachbau aber nicht. Stattdessen will Seven Star Energy Group den legendären Luxusdampfer an den Ufern des kleinen Flusses Qijiang andocken. Ein künstlicher Eisberg ist ebenfalls in Planung.

Ganz getreu den Originalplänen folgt der Investor beim Nachbau dann doch nicht. Für das Innenleben hat er einige Spezialeffekte in petto, mit denen die Katastrophe von 1912 simuliert werden soll. Die Katastrophe werde eine „6D-Erfahrung“, verkündete Firmenchef Su Shaojun. Das heißt: Wenn das Schiff den Eisberg trifft, soll es rumpeln, die „Titanic“ wird Schlagseite bekommen und die Leute sollen tatsächlich für einen Moment das Gefühl bekommen in dem Eiswasser zu ertrinken.

Die nachgebaute „Titanic“ soll „den Geist des Gedenkens nach China bringen“, betont Firmenchef Su. Dennoch reißt die Kritik an dem Projekt in Chinas Sozialen Medien nicht ab. Viele Benutzer werfen dem Unternehmen vor, es wolle Profit aus der menschlichen Tragödie schlagen. Bei der Kollision der „Titanic“ mit einem Eisberg waren 1912 mehr als zwei Drittel der insgesamt 2244 Passagiere an Bord ums Leben gekommen.

Doch Firmenchef Su wiegelt angesichts dieser Kritik ab und erklärt, er plane ja zudem eine „Titanic“-Stiftung. Sie soll Opfern von Schiffsunfällen finanziell unter die Arme greifen.

Der Mythos „Titanic“ ist in China besonders präsent. Die Verfilmung von Regisseur James Cameron mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio aus dem Jahre 1997 ist einer der ersten Hollywood-Streifen gewesen, die in China offiziell in den Kinos liefen. Der Film hat eine ganze Generation geprägt. Die Investoren rechnen damit, dass seine „Titanic II“ Millionen zahlender Besucher in den geplanten Vergnügungspark locken wird.

An diesen Hype knüpft deshalb ein weiterer Investor an. Anstatt den Geist der „Titanic“ in Frieden auf dem Boden des Nordatlantik ruhen zu lassen, will der australische Milliardär Clive Palmer eine Kopie des legendären Luxusliners aufs Wasser bringen. Er verfolgt diesen Plan in der ostchinesischen Küstenprovinz Jiangsu bereits seit 2013. Anders als die Seven Star Investment Group mit ihrem „Titanic“-Nachbau in der Binnenprovinz Sichuan will Palmer auf seiner „Titanic“ echte Kreuzfahrten durchführen. Im Visier hat er reiche Chinesen.

Allerdings ist es zuletzt ruhig geworden um das Großprojekt. Einige chinesische Medien mutmaßen, die Arbeiten seien wegen Konstruktionsfehlern ins Stocken geraten. Die Behörden hätten beanstandet, auf dem vorgesehenen Deck gebe es nicht ausreichend Platz für Rettungsboote.

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09.12.2016, 06:00 Uhr

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