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China könnte Autobauern 2017 das Geschäft vermiesen
Die Kritik an den Elektroquoten ist hinter den Kulissen groß. Deutsche Manager wollen in Entscheidungen eingebunden werden. Unser Bild zeigt die chinesische Produktion von Volkswagen. Foto: Bildquelle
Motoren

China könnte Autobauern 2017 das Geschäft vermiesen

Hersteller müssen bestimmte Quote von Elektrofahrzeugen in der Volksrepublik verkaufen. Daimler & Co sind aber noch nicht so weit.

28.12.2016
  • FELIX LEE

Die meisten europäischen Autobauer blicken in China auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Mit einem Anstieg der Verkaufszahlen von vielleicht gerade einmal 6 oder 7 Prozent hatten sie gerechnet. Stattdessen verzeichnete Volkswagen in diesem Jahr ein Plus von über 12 Prozent. Auch BMW konnte seinen Absatz deutlich steigern. Am meisten legte Daimler zu. Die Stuttgarter konnten den Verkauf um fast 28 Prozent voran bringen.

Doch schon 2017 dürften die Verkaufszahlen für die deutschen Autobauer sehr viel schlechter aussehen. Denn die chinesische Regierung plant eine Reihe von Maßnahmen, die allen voran den deutschen Autobauern auf dem größten Automarkt der Welt das Geschäft vermiesen könnten. Steuererleichterungen für besonders kleine Motoren fallen zum Jahresende weg. Stattdessen will sie für Luxusgefährte, die teurer als umgerechnet 180 000 EUR sind, eine zusätzliche Sondersteuer von 10 Prozent erheben. Diese Steuer gilt bereits seit dem 6. Dezember.

Vor allem aber die Pläne der chinesischen Regierung für eine feste Elektroauto-Quote sorgen in der deutschen Autoindustrie für Alarmstimmung. Peking will, dass bis 2018 Hersteller, die im Jahr mindestens 50 000 Autos in China absetzen, 8 Prozent „Fahrzeuge mit neuer Antriebsform“ verkaufen. Dazu gehören reine Elektroautos, Steckdosen-Hybride und konventionelle Hybridautos, die ihre Batterien über den Benzinmotor laden. Ab 2019 müssen es 10 Prozent sein, ab 2020 dann 12 Prozent. Erfüllt ein Autobauer diese Quote nicht, soll er verpflichtet werden, anderen Herstellern Punkte abzukaufen. Ziel der chinesischen Führung: Bis 2020 sollen 5 Mio. Elektrofahrzeuge auf Chinas Straßen rollen.

Die Bestimmungen betreffen zwar alle Hersteller. Doch bei der Elektromobilität sind die deutschen Autobauer ausgerechnet auf ihrem derzeit wichtigsten Absatzmarkt vergleichsweise schlecht aufgestellt. Die japanische Konkurrenz setzt bereits seit Jahren auf Antriebsformen mit Elektromotoren und hat entsprechend viel Erfahrungen sammeln können. Auch die chinesischen Autobauer sind sehr viel besser aufgestellt: Der Autobauer BYD ist sogar über die Batterietechnik groß geworden. Volkswagen, Audi, BMW und Daimler hingegen waren bislang eher zögerlich. Wozu auch? Autos mit Verbrennungsmotoren verkaufen sich in China derzeit ja prächtig.

Nach außen hin versuchen die Vorstandschefs der deutschen Hersteller, ihren Ärger über die neue Regelung zu kaschieren. Daimler wolle sein Wachstum in China künftig mit seiner vor Ort produzierten neuen Marke EQ ankurbeln, kündigte China-Vorstand Hubertus Troska an. „Wir wollen den Mercedes unter den Elektrofahrzeugen entwickeln.“

Zugleich muss auch er zugeben, dass es noch keinen festen Zeitpunkt gibt, ab wann und mit welchem chinesischen Partner EQ-Modelle einschließlich der Batterien für den Elektromotor gebaut werden.

Nicht besser sieht es bei Volkswagen aus. Von 30 Elektromodellen innerhalb der „nächsten fünf bis zehn Jahre“ ist die Rede, neuerdings auch von 400 000 Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybridmotoren ab 2020. Derzeit sind es aber nach eigenen Angaben gerade einmal „mehrere Hundert“ – und allesamt importiert. Hinter den Kulissen ist der Ärger über die angekündigte Regelung groß. In den China-Zentralen in Peking beklagen die Manager, die chinesische Verwaltung habe sie nicht ausreichend eingebunden. Immerhin habe die deutsche Autowirtschaft in China Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Ihr stehe daher ein Mitspracherecht zu.

Doch die Kritik prallt in China ab. Die Fakten liegen längst auf dem Tisch, sagt der chinesische Autoexperte Zhang Zhiyong. Er verweist auf die hohe Luftverschmutzung, unter dem Hundertmillionen in China leiden und dem die chinesische Führung bereits vor fünf Jahren den Kampf angesagt hat. Die Maßnahmen seien nur noch nicht ausreichend umgesetzt. Zugleich produziert China inzwischen einen Überschuss an alternativer Energie aus Sonne und Wind. Es mangelt jedoch an Abnehmern. Batteriebetriebene Autos wären die idealen Kandidaten, diesen Strom zu verwenden.

In Peking etwa, dessen Straßen von mehr als 6 Mio. Autos verstopft sind, werden Kennzeichen für Neuzulassungen nur noch verlost. Die Chancen, eine der Lizenzen zu ergattern, liegen bei unter fünf Prozent. Wer hingegen ein Elektroauto kauft, braucht nicht am Losverfahren teilzunehmen. Andere Großstädte wollen diese Regelung ebenfalls einführen.

„Auf diese Entwicklung haben die deutschen Autohersteller aber nicht ausreichend reagiert“, kritisiert der chinesische Automarktexperte Zhang Zhiyong. „Sie ruhen sich stattdessen auf den guten Verkaufszahlen in der chinesischen Provinz aus.“

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28.12.2016, 06:00 Uhr

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