Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Helle Lebensfreude in Horb

Chinafood, Klopass und eine bunte Musikmischung beim 10. Mini-Rock-Festival

In seinem zehnten Jahr hat sich das Horber Mini-Rock-Festival endgültig etabliert. Eine gelungene Band-Auswahl mit breit gefächerten Stilrichtungen und die angenehme Atmosphäre lockten zwischen Donnerstag und Samstag gut 10 000 Gäste auf das Gelände am Neckar.

04.08.2014
  • Michael Sturm

Horb. Ein Festival ist schön, wenn es seinen Besucher sofort einnimmt. So eine Anziehungskraft strahlte das Mini-Rock-Festival in Horb aus. Da bahnte sich ein Fliegenpilz seinen Weg durchs Publikum. Man sah dort ein Giraffen-Duo, da zwei Männer in Tutu. Manche der Gäste trugen ähnlich kreative Verkleidungen, wie die Zuschauer der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien – als Ausdruck der Lebensfreude. Die Rottenburgerin Giovanna Castellana brachte die Stimmung auf den Punkt: „Ich finde es toll, wenn Menschen sie selbst sein und ihr inneres, verrücktes Ich nach außen kehren können, ohne dafür verurteilt zu werden.“

Andreas und Jasmin Raible aus Tuttlingen packte es letztes Jahr. Sie wollten Jennifer Rostock sehen – und wurden Mini-Rock-Fans: „Hier ist es so freundlich und familiär. Wir wollten unbedingt wieder her, egal wer spielt“, so Andreas Raible. Tagsüber kochten sie selbst, im Campingmobil. Doch auf dem Festival-Gelände gab es auch viele Leckereien: „Abends“, so Jasmin Raible, selbstironisch, „ernähren wir uns hauptsächlich von China.“

Die Stimmung war nicht nur bei den Besuchern entspannt, auch im Team: „Es macht einfach Bock, weil es nach zehn Jahren einfach rund läuft“, sagte Benjamin Breitmaier, Pressesprecher und Gründungsmitglied des Vereins Mini-Rock-Festival Horb, der seinerzeit aus dem Jugendforum der Stadt heraus gegründet wurde. „Wir wollten unser eigenes Open-Air-Festival“, so Benjamin Höpfer, ein anderes Gründungsmitglied. Beim ersten Mal kamen 1500 Zuschauer. „Wir haben die ersten Jahre nur durch die Unterstützung der Stadt überlebt“, erinnert sich Höpfer.

2011 musste das Festival der Landesgartenschau Platz machen, wich nach Ihlingen aus und zog ein Jahr später ins Horber Industriegebiet um. Seit letztem Jahr ist das Mini-Rock-Festival wieder am angestammten Platz am Neckar. Und es boomt. Mit 4500 Zuschauern an jedem Tag stößt die Veranstaltung an ihre Kapazitätsgrenzen.

Seit 2013 beginnt das Festival am Donnerstagabend mit Live-Karaoke. Diesesmal konnten die Kandidaten aus einer Liste von 66 Songs auswählen. Von der Band „Iron Cobra“ begleitet sangen sie von der Bühne aus vor etwa 500 Zuschauern.

Eine breite Palette Musik für viele Geschmäcker

Am Freitag reisten die meisten Gäste an – und es wurde voll. „Sierra Kid“ hatte am Nachmittag noch nicht so viel Publikum. Doch mit denen, die da waren, ging der erst 17-jährige so professionell um, wie zwei Stunden später „OK Kid“, ebenfalls Hip-hopper. Nun wurde die Menge im Zelt und vor der Hauptbühne dichter. Es gab Musik für viele Geschmäcker. „65daysofstatic“: eine Band für Rockliebhaber. „Deez Nuts“: Hardcore. Die Publikumslieblinge „Emil Bulls“, zum fünften Mal dabei: Alternative Rock. „Kadavar“: Metal im Stil der 70er Jahre, stark beeinflusst von „Black Sabbath“. Hauptact am Freitag war das Duo „SDP“, mit einer poppigen Mischung aus HipHop, Reggae und frechen deutschen Texten und unterstützt von einer fünfköpfigen Band. Aus vielen Kehlen klang „Scheiße! Bei mir im Keller liegt ’ne Leiche!“ Da sang auch die Reutlingerin Selina Schiele aus voller Brust mit. Spätestens mit ihrem amtlichen „Extrabreit“-Cover von „Hurra, Hurra, die Schule brennt“ hatten „SDP“ das komplette Publikum auf ihrer Seite.

Scheiße! Bei mir im Keller liegt ’ne Leiche!

Am drückend schwülen Samstag krochen die wenigsten früh aus den Zelten. Schade für Bands wie „Die Nerven“. Deren Mischung aus Progressive und Punk mit dem Ergebnis kraftvoller Melancholie beeindruckte Benjamin Breitmaier: „Die werden mal groß!“ Eine gute Alternative für die Gäste war, im Neckar baden zu gehen. Victoria Bauer aus Freudenstadt schwamm noch, als es zu tröpfeln begann: „Dann bin ich ins Zelt gegangen und habe dem Regen zugehört. Das war schön.“ Sie wurde von ihren Eltern bereits am Donnerstag nach Horb gebracht, wo sie sich mit ihren Freunden traf. Die frühe Anreise habe ihr einen tollen Zeltplatz verschafft.

Es regnete noch stark, als „Zebrahead“ begannen. Die Punk-Rocker aus Kalifornien zogen mit ihrem energischen Auftritt viele Leute vor die Bühne. Auch den Schwenninger Kindergärtner Björn Brandenburg, der mit einem Mädchen auf den Schultern einher groovte. Der Auftritt habe ihn für die Karriere als Bassist in der eigenen Band ordentlich inspiriert, auch wenn die sich erst an ihrem Anfang befinde: „Wir kommen erst aus dem Übungsraum raus, wenn wir etwas können.“ Ein ganz anderes Publikum hatte „Maxim“, der das Programm im Zelt abschloss. Sein Pop mit leichten Reggae-Einflüssen zog vorwiegend Mädchen in den Bann.

Kein Festival ohne Dixiklos. In Horb gab es einen Toilettenwagen, der gegen Abend immmer beliebter wurde, obwohl ein Obolus zu zahlen war. Beliebt war der „Deluxe-Klopass“, fünf Euro für sechs Sitzungen: „Ziemlich viele kaufen den“, sagte der Empfinger Lothar Gaus, der das Geld kassierte, während seine Frau Ulrike den Wagen sauber hielt. Gaus hielt lächelnd allen Bestechungsversuchen stand, auch dem der beiden Mädchen, die Wasseralfinger Bier als Gegenleistung boten.

Den Abschluss auf der Hauptbühne bestritten „Anti-Flag“. Die Polit-Punkrocker eröffneten ihr Set mit der Anti-Kriegs-Hymne „War“, die unter anderem von den „Temptations“, Edwin Starr und Bruce Springsteen gecovert wurde. Mitgründer Justin Geever bedankte sich später beim Mini-Rock-Publikum, dass er hier weder Rassismus, noch Sexismus oder Homophobie spüre: „In Zeiten des Krieges fühlt es sich hier wie zu Hause an.“ Um das nächste Stück „911 for peace“ den ums nackte Überleben Kämpfenden in Gaza zu widmen.

Info Siehe das AUSSERDEM, die Bilderseite und www.neckar-chronik.de

Chinafood, Klopass und eine bunte Musikmischung beim 10. Mini-Rock-Festival
Den Abschluss bestritten „Anti-Flag“. Die Polit-Punkrocker widmeten das Stück „911 for peace“ den ums nackte Überleben Kämpfenden in Gaza.Bilder: Sturm

Chinafood, Klopass und eine bunte Musikmischung beim 10. Mini-Rock-Festival
„Maxim“: Sein Pop mit leichten Reggae-Einflüssen zog vorwiegend Mädchen in den Bann.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.08.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball