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Gegen Beton- und Benzinparteien

Chris Kühn will für eine Verkehrswende kämpfen

„Nur zusammen können wir diesen Wahlkreis wirklich rocken.“ Nach seiner Nominierung als Tübinger Bundestagskandidat rief Chris Kühn seine Partei zur Gemeinsamkeit auf.

16.07.2012
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Chris Kühn setzte sich am Freitagabend im Schlatterhaus mit 63 Stimmen gegen den 48-jährigen Kusterdinger Dennis De (44 Stimmen) durch. Der 33-jährige Landes-Chef der Grünen hatte sich als Kandidat vorgestellt, der „Wahlkampf und Kampagne kann“. Nun bat er seine Mitbewerber De und Kathrin Metzler sichtlich erleichtert, ihn zu unterstützen. Er spiele gern im Team und wolle das beste Ergebnis erzielen, das die Grünen je im Wahlkreis Tübingen erreichten. Nur so werde beim absehbar knappen Ausgang der Bundestagswahl ein Politikwechsel möglich sein.

Kühn kritisierte „das schwarz-gelbe Chaos“ in der Steuer-, Energie- und Europapolitik. Das aktuelle Beispiel Meldegesetz zeige „als Kern dieser Bundesregierung, dass sie immer wieder vor Lobbys einknickt“. Er kündigte an, sich beim Listenparteitag der Grünen für einen der vorderen Plätze zu bewerben.

Er habe sein „grünes Herz“ an den Kreisverband Tübingen verloren, als er Wahlkampf für Winfried Hermann machte, sagte Kühn. Der frühere Bundestagsabgeordnete, seit Mai 2011 Landesverkehrsminister, fehlte am Freitag des Filderdialogs wegen bei der Nominierung seines Nachfolgers. Kühn sieht sich in der Tradition Hermanns und Boris Palmers, die als Abgeordnete ebenfalls Umwelt- und Verkehrspolitik als Schwerpunkt hatten. Kühn fordert eine vernetzte, das Klima nicht belastenden Mobilität: „Ich will, dass die virtuelle Rundfahrt mit der Regiostadtbahn auf dem Onlineportal des TAGBLATTS mal Realität wird.“ Seine Idee: ein Aufschlag von drei Cent auf den Liter Treibstoff, um die Verkehrswende zu finanzieren.

Die Kandidaten erhielten jeweils zehn Minuten Zeit sich vorzustellen. Noch vor Kühn kam Dennis De an die Reihe. „Im Kern geht es mir um soziale Gerechtigkeit“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Kinder dürften kein Armutsrisiko sein, und Arbeit müsse sich lohnen, forderte er mit Blick auf Leiharbeiter, Aufstocker und Menschen in Sozialberufen. Soziale Gerechtigkeit lasse sich nur mit Hilfe der Wirtschaft, besonders des Mittelstands herstellen: „Wir brauchen ihn für die Einnahmen, die Jobs.“ Er kandidiere, weil er wisse, „wo den Mittelstand der Schuh drückt“. Die Kandidatur sei für ihn kein Karriereschritt: „Ich bin seit Jahrzehnten in der großen, weiten Welt.“ Um ein gutes Ergebnis zu erreichen, müssten die Grünen neue Wählerschichten erschließen.

Sie stehe für ein solidarisches Europa und eine streng regulierte Finanzwirtschaft, ebenso für soziale Gerechtigkeit, sagte die Rottenburgerin Kathrin Metzler. Sie ordnete sich als „gemäßigte Linke“ ein, die mit ihrem Schwerpunkt „nachhaltige Landwirtschaft“ auch Stimmen „von Realas und Realos“ erhalten könne. Auch könne sie „glaubwürdig eine menschliche, alltagstaugliche Politik für Familien“ vertreten. Im übrigen gehöre „neben unsere Spitzenmänner Daniel und Boris im Wahlkreis eine Frau“.

Eine Stunde lang wurden die Bewerberin und die Bewerber unter anderem zu ihrer Haltung gegenüber Militäreinsätzen befragt. „Wir haben alle mit Winne Hermann gelitten. Ich würde mir wünschen, in so einer Situation ebenso stark zu sein und dagegen zu stimmen“, sagte Metzler. „Auslandseinsätze ohne UN-Mandat gehen gar nicht. Meine Haltung ist da sehr kritisch, aber ich würde nicht gegen alle Einsätze stimmen“, erklärte Chris Kühn. „Wir werden mit mehr und mehr Konflikten im arabischen Raum rechnen müssen“, befürchtete De: „Man muss im Einzelfall entscheiden.“

Der Kusterdinger erhielt eine Reihe von Solidaritätsadressen aus der Versammlung. Boris Palmer empfahl seinen Parteifreunden, unabhängig von der Überlegung abzustimmen, wer am ehesten Chancen auf einen aussichtsreichen Listenplatz habe, da in diesem Jahr auch neue Kandidaten zum Zug kommen könnten. Letztlich entschieden sich die Tübinger Grünen für Chris Kühn. Als Ersatzkandidatin für den Fall, dass er vor der Bundestagswahl ausfällt, setzte sich Kathrin Metzler gegen Dennis De durch.

Chris Kühn will für eine Verkehrswende kämpfen
Chris Kühn war nach seiner Nominierung sichtlich erleichtert.

Bei den Grünen dürfen zunächst alle im Wahlkreis wohnenden Mitglieder abstimmen – auch wenn sie unter 18 Jahre alt sind oder keinen deutschen Pass haben. Später schließt sich der eigentliche Wahlgang an.
Beim ersten Meinungsbild wurden 110 Stimmen abgegeben. Dennis De erhielt 41 Stimmen, Chris Kühn 40 Stimmen und Kathrin Metzler 28 Stimmen. Ein Mitglied enthielt sich.
Im zweiten Meinungsbild ohne Kathrin Metzler erhielt Chris Kühn mit 62 Stimmen die absolute Mehrheit. Dennis De kam auf 45 Stimmen.
Bei der offiziellen Wahl wurden 109 Stimmen abgegeben. Chris Kühn erhielt 63 Stimmen, Dennis De 44 Stimmen.

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16.07.2012, 12:00 Uhr

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