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Glaube und Politik

Christen sollen Beitrag zum Frieden leisten

Zum Politischen Abendgebet mit Erwin Teufel auf der Liebfrauenhöhe kamen rund 300 Besucher. Der frühere Ministerpräsident sprach über Frieden, christliche Werte und Grundrechte.

27.03.2018

Von Dunja Bernhard

Erwin Teufel auf der Liebfrauenhöhe. Bild: Bernhard

Dass so viele Menschen zu einem Politischen Abendgebet kommen, habe er noch nicht erlebt, sagte Erwin Teufel beim von sechs Eutingern initiierten, monatlichen Angebot in der Krönungskirche.

Teufel sprach darüber, wie dringlich christliche Werte in der Politik sind. „Wir sind in Jetztzeit informiert von jedem Ereignis in der Welt. Wenn wir all das kennen, ist es auch Teil unserer Verantwortung.“ Weltweit seien 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Teufel berichtete von einem Flüchtlingslager im Libanon, in dem eine Millionen Menschen gelebt hatten. Einen Dollar bekamen sie pro Tag, um sich zu versorgen. Doch von den 4,5 Milliarden, die 70 Staaten im Februar 2016 auf einer Geberkonferenz in London zugesagt hatten, war nach einem halben Jahr nur die Hälfte eingegangen. Das Geld in Flüchtlingslagern wurde knapp. Die Menschen mussten mit 20 Cent pro Tag auskommen. „Davon kann man sich nicht mal ernähren.“ Viele Flüchtlinge machten sich auf den Weg nach Europa, sagte Teufel. „Obdach und tägliches Brot wollen sie.“ Wer Flüchtlingsströme verhindern will, müsse einen großen Beitrag in den Herkunftsländern leisten.

Kirchliche Hilfswerke seien mit bescheidenen Mitteln sehr erfolgreich, weil sie Menschen vor Ort haben. „Es genügt nicht, Geld zu überweisen.“ Junge Menschen sollten ein Jahr ihres Lebens Entwicklungsländern zur Verfügung stellen, forderte Teufel. Was sie in ihrer Ausbildung in Deutschland gelernt haben, geben sie an die dortige Bevölkerung weiter. Wieder zurückgekehrt, können sie von der Situation und den Menschen in Afrika erzählen. Das könne große Motivation bei anderen auslösen.

„Wir dürfen die Menschen in Krisen- und Entwicklungsländern nicht allein lassen, aber wir können sie auch nicht alle bei uns aufnehmen“, sagte Teufel. Dieses Dilemma zu lösen, sei eine der größten Aufgaben, wenn „wir Nächstenliebe üben wollen“. Einfühlungsvermögen sei gefordert. Christen sollten ihren Beitrag zum Frieden in der Welt leisten.

Europa habe sich in der Geschichte nicht besonders friedlich verhalten, sagte Teufel. „Krieg war der Normalfall in der deutschen und der europäischen Geschichte. Nicht der Frieden.“ Es seien christliche Welten gewesen, die regelmäßig Krieg gegen andere geführt haben.

Es sei ein Wunder, was nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist, sagte Teufel. „Winston Churchill hat, als alle Wunden noch offen waren, 1946 die erste Friedensrede gehalten.“ Er sprach von den Vereinigten Staaten von Europa und davon, dass Deutschland und Frankreich damit beginnen müssten. „Aus dem Mund eines Briten ist das bemerkenswert.“

Die Montanunion, eine 1951 gegründete Gemeinschaft für Kohle und Stahl, mit Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden sei das Fundament dafür gewesen, was in Europa entstanden ist.

Frieden sei die Voraussetzung für Freiheit, Würde und Menschenrechte. Während England, Amerika und Frankreich Jahrhunderte zuvor die Menschenrechte in ihrer
Verfassung verankerten, habe Deutschland sich erst 1948 dazu bekannt. Und damit auch zur freien Meinungsäußerung und zur Religionsfreiheit. „Glaube und Politik sind ganz und gar unterschiedlich“, sagte Teufel. Aber Politik brauche nichts dringlicher als Menschen, die sich zum Glauben bekennen. „Aufrechte Demokraten, die sich für eine Politik der Menschenwürde einsetzen.“

Sein Herzensthema sei Europa, sagte Teufel im Interview mit Abendgebet-Mitinitiator Sebastian Lazar. „Wenn wir die Welt verändern wollen, brauchen wir Menschen, die sich in Demokratie und Rechtsstaat engagieren.“ Jede junge Generation müsse neu gewonnen werden, damit sie zu diesen Werten steht. Er selbst sei mit 16Jahren in die CDU eingetreten.

Wie passe es zusammen, dass auf Pegida-Demonstrationen Kreuze getragen werden, fragte Lazar. Mit christlichen Symbolen sollte kein Missbrauch getrieben werden, antwortete Teufel. Politik habe nichts mit dem Glauben, sondern mit Grundrechten zu tun. Diese sollten jedoch nicht nur in der Verfassung stehen, sondern eine Grundüberzeugung sein.

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Erstellt:
27. März 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. März 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. März 2018, 01:00 Uhr

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