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Christian Ulmen zum dritten Mal im "Tatort" aus Weimar
Lässig: Christian Ulmen. Foto: RBB
"Mein Job macht mir Spaß"

Christian Ulmen zum dritten Mal im "Tatort" aus Weimar

Eigentlich sollte der "Tatort" aus Weimar ein einmaliges TV-Event werden. Jetzt ermittelt Christian Ulmen zum dritten Mal im ARD-Kultkrimi. Der Grund: Ulmen und seine Kollegin Nora Tschirner kommen an.

23.04.2016
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Herr Ulmen, der "Tatort" aus Weimar ist offenbar zur Dauereinrichtung geworden. Wie geht es weiter?

CHRISTIAN ULMEN: Wir entscheiden von Jahr zu Jahr, wie es weiter geht. Wir müssen dabei insbesondere darauf Rücksicht nehmen, wie belastbar Nora ist. Gewalt, Mord - das sind Themen, die meine zartbesaitete Kollegin aus dem beschaulichen Pankow nicht kennt, die sie jedes Mal sehr mitnehmen, wenn wir einen neuen brutalen Fall abgedreht haben. Man muss schauen, wie lange sie diese Belastungen erträgt. Außerdem ist sie eine launische Natur.

So richtig schlimm kann es aber doch kaum sein. Es gibt sogar eine Geschichte, wonach einer von Ihnen dem anderen einen Ohrabdruck geschenkt hat. Das klingt doch nach guter Freundschaft . . .

ULMEN: Naja, das Ohr hat sie uns einmal geschenkt, und natürlich haben wir aus Höflichkeit gesagt, das hängen wir auf. Wir haben gehofft, dass Nora das vergisst, aber sie hat sogar nachgefragt, ob und wo wir es denn aufgehängt hätten. Also haben wir es auf dem WC platziert und da hängt es nun.

Haben Sie sich denn schon überlegt, in welche Richtung sich die Kommissare entwickeln sollen, die ja auch privat ein Paar sind?

ULMEN: Im Grunde ist das ein dynamischer Prozess. Da gibt es keinen langweiligen großen Bogen, kein Ziel, wo das alles mal hin müsste, sondern die Figuren entwickeln sich Folge für Folge ganz organisch weiter.

Das Kind des Paares taucht diesmal nur ganz kurz am Anfang auf und wird dann bei einem Babysitter geparkt. Bedauern Sie mittlerweile, dass das Drehbuch den beiden ein Kind angedichtet hat?

ULMEN: Nein, überhaupt nicht, wir haben uns damit kein Ei gelegt. Es ist ja klar, dass das Kind nicht dabei sein kann, wenn es auf Mördersuche geht, sondern dass das dann betreut wird. So geht es echten Menschen ja auch, wenn sie ein Kind haben und berufstätig sind. Wahrhaftige Ermittler-Pärchen im wirklichen Leben mit tatsächlichen Babys schaffen es ja auch, ein Kind zu haben und zu arbeiten.

Wird Ihr "Tatort" falsch bewertet, wenn man ihn zu sehr aufs Klamaukige reduziert?

ULMEN: Es gibt eine gewisse Tonalität, die Nora und ich mitbringen, die wir auch schon zu MTV-Zeiten in einer pubertären Version aufgeführt haben. Dieser Ton klingt weiterhin durch und den möchten wir auch nicht verlieren. Uns geht es aber auch darum, einen spannenden Krimi zu erzählen und den jeweiligen Fall realistisch abzubilden. Wie das Ergebnis dann bewertet wird, liegt nicht mehr in unseren Händen, das verselbstständigt sich ohnehin.

Sie sprechen von Tonalität. Worauf genau kommt es Ihnen an?

ULMEN: Ich gehe meinen Beruf mit Intuition an und es fällt mir schwer, das zu beschreiben. Das ist, als würde man fragen: "Wie geht denn das mit dem Fahrradfahren, was machen Sie da genau? Sie treten also erst links und dann rechts?" Ich setze mich in den Sattel und halte Balance - der eine fährt dabei gerne durch Pfützen, der andere auf dem Gehweg, der nächste durch Noras Garten. Mein Job ist es, mittels einer Figur Geschichten zu erzählen, und dieser Job macht mir Spaß.

Geht es bei den Dreharbeiten denn sehr lustig zu oder doch eher hochkonzentriert?

ULMEN: Beides. Nora und ich sind mit Sicherheit zwei anstrengende Kollegen am Set, also insbesondere Nora, da sie viel redet und immer etwas ausheckt, der Crew Streiche spielt oder Sachen versteckt. Ich lasse mich manchmal dazu hinreißen, mitzumachen. Insofern geht es lustig zu, und nichtsdestotrotz auch mit viel Konzentration meinerseits.

Sie haben vom großen Kinofilm bis zur Internet-Serie schon vieles gedreht. Was ist bei einem "Tatort" anders?

ULMEN: Der Herstellungsprozess ist der gleiche. Aber der "Tatort" ist eine riesige Fernsehmarke. Es gibt kein anderes Format, das so regelmäßig zwischen acht und zwölf Millionen Leute vor den Fernseher holt. Das macht es natürlich besonders, aber das beeinflusst das Spiel oder den Umgang mit den Drehbüchern nicht. Anders ist es erst hinterher, wenn es die vielen Reaktionen gibt und den großen Widerhall, zum Beispiel auf Twitter.

Im Weimar-"Tatort" zitieren Sie als Kommissar Lessing fleißig Goethe. Lesen Sie denn privat die großen Klassiker?

ULMEN: Wir haben in der Schule den "Faust" im Abitur gehabt, und Schiller mussten wir auswendig lernen, wenn wir zu laut waren. Da hab ich meinen Bedarf gedeckt. Ich glaube, wenn Goethe und Schiller wüssten, was Lehrer mit ihnen anstellen, die würden im Grab rotieren wie Ventilatoren. Ich stehe den beiden natürlich demütig und dankbar gegenüber. Aber sie gehören nicht zu meiner täglichen Lektüre.

Dann hat die Rolle als Ermittler in der Klassikerstadt also nicht dafür gesorgt, dass Sie gelegentlich den "Erlkönig" zur Hand nehmen?

ULMEN: Nein. Den "Erlkönig" musste ich damals auch auswendig lernen. Ehrlich gesagt bin ich aber gar nicht so undankbar, weil mir das viele Auswendiglernen letztlich geholfen hat: Ich kann mir Texte heute sehr schnell merken.

Info "Tatort: Der treue Roy", morgen, 20.15 Uhr, ARD.

Kino-Durchbruch als „Herr Lehmann“

Biografie Christian Ulmen kam 1975 im rheinland-pfälzischen Neuwied zur Welt und wuchs in Hamburg auf. Nach dem Abitur wurde er Moderator des Musiksenders MTV in London, seinen Durchbruch als Schauspieler hatte er 2003 im Kinofilm „Herr Lehmann“. Es folgten viele weiteren Erfolge. Seit 2013 verkörpert der 40-Jährige den belesenen Weimarer Kommissar Lessing, dessen Vorname ein Geheimnis ist. Christian Ulmen ist in zweiter Ehe mit der Schauspielerin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und lebt in Potsdam.

Weimar-Tatort Es war anfangs als einmaliger Krimispaß gedacht, doch der Weimarer „Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner ist inzwischen vom Event zur Dauereinrichtung geworden. In der dritten Folge „Der treue Roy“ geht es reichlich komisch und recht bizarr zu. ski

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23.04.2016, 06:00 Uhr

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