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Es ist genug für alle da

Claus Kleber stellte die Reportagen „Hunger!“ und „Durst!“ im Kino Museum vor

Die Reportagen „Durst!“ und „Hunger!“ der Filmemacherin Angela Anderson und des Journalisten Claus Kleber waren am Dienstag im Kino Museum zu sehen. In der Pause erläuterte Kleber Hintergründe des Films.

23.07.2015
  • Benedikt Reder

Tübingen. Die Liste der Länder, die Angela Andersen und Claus Kleber für ihre Reportagen bereist haben, zeigt eines sehr deutlich: Nahrungsknappheit und Trinkwassermangel sind globale Probleme. Die Recherche führte das Team über fünf Kontinente und dauerte etwa eineinhalb Jahre.

Entstanden sind zwei Filme, die im Kern die selbe Aussage treffen – Überfluss und Verschwendung einerseits und Mangel und bittere Armut auf der anderer Seite sorgen für ein Ungleichgewicht. Unter dem Druck einer stetig steigenden Weltbevölkerung – 2050 werden es knapp 10 Milliarden Menschen sein – ist das eine Entwicklung, die großes Konfliktpotential bietet.

Dabei sei genug für alle da, stellt der Film gleich zu Beginn fest. Immer effizientere Verfahren in der Landwirtschaft sorgten für stetig steigende Ernteerträge. Das Problem sei die Verteilung der Lebensmittel. Nirgends wird dies deutlicher als in Indien, der ersten Station der Reportage. Etwa 200 Millionen Menschen leiden dort an Unterernährung. Im einem Depot am Rande eines Marktes im Bundesstaat Haryana aber verrotten 2000 Tonnen Getreide. Der Besitzer hatte vergeblich auf steigende Preise für die Ware spekuliert. Nur wenige Meter weiter, an den Ständen des Marktes, sammeln Kinder Getreidereste vom Fußboden auf.

„Die Reportagen ‚Hunger!‘ und ‚Durst!‘ erzählen aus der Perspektive der Opfer“, meinte Kleber in der Diskussion. „Das war auch als Konzept so gedacht.“ Der alltägliche Umgang mit dem Problem stehe für den Film im Vordergrund. Dabei war die Bildsprache sehr wichtig. Im Gespräch mit Tanja Thomas und Susanne Marschall vom Institut für Medienwissenschaften der Universität Tübingen sagte Kleber, „Einerseits haben wir aufwendige ‚Hochglanzbilder‘ die die Geschichte erzählen. Darüber hinaus wird durch schnelle Schnitte Tagesaktualität in Form von Nachrichtenausschnitten und Pressebildern vermittelt.“ Dies sei eine Gratwanderung gewesen, die für den Eindruck („Look“) des Films bei den Zuschauern aber wichtig sei.

Die Filmemacher suchen in ihren Beiträgen auch nach Antworten. Verschiedene Projekte werden vorgestellt, die helfen könnten, die Situation zu verbessern, wie beispielsweise eine Maniok–Mühle zur Mehlgewinnung in Sierra Leone oder das chinesische Projekt „Grüne Mauer“, das die Ausbreitung der Wüste im Norden des Landes bekämpft.

Für die Zukunft glaubt Kleber, dass wir mit den Herausforderungen fertig werden können: „Wir müssen uns Gedanken über unseren eigenen Umgang mit Lebensmitteln machen, und wir müssen fairer miteinander umgehen, dann werden auch alle satt.“

Claus Kleber stellte die Reportagen „Hunger!“ und „Durst!“ im Kino Museum vor
Claus Kleber, flankiert von Tanja Thomas (links) und Susanne Marschall (rechts) beim Podiumsgespräch.Bild: Reder

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23.07.2015, 12:00 Uhr

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