Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
"Gerade noch befriedigend"

Commerzbank-Aktionäre ziehen durchwachsene Bilanz der Ära Blessing

Unter Martin Blessing hat sich die Commerzbank vom Pleite-Kandidaten wieder zur soliden Bank entwickelt. Die Aktionäre quittierten das gestern nicht mit Beifall - sie haben schließlich viel Geld verloren.

21.04.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Mit wenig Applaus und zurückhaltender Kritik haben sich rund 2700 Aktionäre der Commerzbank gestern auf der Hauptversammlung von Vorstandschef Martin Blessing verabschiedet. Nach acht Jahren übergibt er den Posten zum 1. Mai an Martin Zielke. "Angesichts des guten Ergebnisses 2015 gibt es ein ,Gerade noch Befriedigend ", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor mehreren tausend Aktionären.

Andere Sprecher zeigten sich vor allem wegen der dramatischen Talfahrt des Aktienkurses um mehr als 90 Prozent in Blessings Amtszeit weniger zufrieden. Lob für den 52-Jährigen gab es vom Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Blessing habe die Bank "mit Bravour und hohem Engagement geführt" - trotz massiver persönlicher Angriffe.

Auf der im Vergleich zu den Vorjahren sehr ruhigen Hauptversammlung zog Blessing nur kurz Bilanz. Es habe in seiner Amtszeit Höhen und Tiefen gegeben. Er habe den Aktionären sehr viel abverlangt. "Ich danke Ihnen, dass sie mit uns diesen sehr schwierigen Weg gegangen sind." Die Bank habe frühzeitig die richtige Strategie eingeleitet und Maßnahmen erfolgreich umgesetzt.

"Die Commerzbank ist heute eindeutig stabiler aufgestellt", ist Blessing überzeugt, auch wenn er zwei seiner Ziele nicht erreicht habe. Sowohl bei der Rendite als auch bei den Kosten liege man hinter den Planungen. Nachdem das vergangene Jahr einen Nettogewinn von rund 1,1 Mrd. EUR gebracht hat und die Aktionäre erstmals seit 2007 wieder eine Dividende von 20 Cent erhalten, wird es für Blessing-Nachfolger Zielke in diesem Jahr schwieriger.

Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen werde das Ergebnis des ersten Quartals niedriger ausfallen als im vierten Quartal 2015. Da hatte die Commerzbank knapp 190 Mio. EUR verdient. Auch DSW-Sprecher Nieding betonte, es sei noch zu früh, um zu jubeln. Es müsse sich erst noch zeigen, ob der Aufwärtstrend nachhaltig sei.

Deutliche Kritik mussten sich Blessing und der Vorstand von der Umweltorganisation Urgewald anhören. Zwar habe sich die Bank 2008 eine Richtlinie für Rüstungsgeschäfte gegeben, die die Finanzierung von Waffenlieferungen in Krisengebiete ausschließe. Daran aber halte sie sich nicht, sagte Urgewald-Sprecherin Barbara Happe. Immer noch befänden sich Rüstungskonzerne mit Krediten von insgesamt 1,2 Mrd. EUR auf der Kundenliste der Bank. Die Commerzbank sei nach wie vor ein "Kohle-Saurier" und die Nummer zwei unter den deutschen Geldgebern für diesen Sektor.

Bis 2008 hatte die Commerzbank wohlhabenden Kunden Briefkastenfirmen in Panama angeboten und dafür ein Bußgeld in zweistelliger Millionenhöhe gezahlt. In den USA zahlte sie rund 1,5 Mrd. EUR, weil sie gegen Handelssanktionen und Geldwäschevorschriften verstoßen hatte. Schadensersatz wird der Aufsichtsrat aber nicht fordern. Eine unabhängige Untersuchung habe keine persönliche Schuld des Vorstands festgestellt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball