Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Computer-"Würmer" im Atomkraftwerk
Block C in Gundremmingen: Auf einem Rechner im Kernkraftwerk wurden Schadprogramme gefunden. Passiert sei nichts, sagt der Betreiber. Foto: Matthias Kessler
Sprecher: Sicherer Betrieb in Gundremmingen nicht gefährdet

Computer-"Würmer" im Atomkraftwerk

Ein Hacker-Angriff war es eher nicht: Die Computer-"Würmer", die im Kernkraftwerk Gundremmingen aufgetaucht sind, wurden wohl eingeschleppt.

27.04.2016
  • THOMAS STEIBADLER

Gundremmingen. Noch stehe nicht fest, wie die Schadsoftware auf einen Kraftwerksrechner und mehrere Wechseldatenträger, vor allem USB-Sticks, gelangt ist. Ein Hacker-Angriff, also eine Attacke übers Internet auf das bayerische Atomkraftwerk Gundremmingen, 32 Kilometer von Ulm entfernt, sei aber unwahrscheinlich, sagt Kraftwerkssprecher Tobias Schmidt. Denn der infizierte Computer habe keinen Internetzugang. Es handle sich um einen "stand alone Rechner". Der gehöre zwar zur Brennelement-Lademaschine in Block B des Kraftwerks und diene unmittelbar dem Betrieb der Anlage. Mit dem Computer könne die Steuerung der Lademaschine aber nicht gestört werden, betont Schmidt. Rechner dieser Kategorie würden in Gundremmingen "durch ein mehrstufiges Barrieresystem geschützt". Details gebe die Leitung des Kernkraftwerks "aus sicher nachvollziehbaren Gründen" nicht preis.

Bei der Schadsoftware, die während der aktuell laufenden Revision in Block B entdeckt wurde, handle es sich um Computer-"Würmer" mit den Namen "W32.Ramnit" und "Conficker", dem Sprecher zufolge in der Fachwelt bekannte Büro-Schadsoftware. Gefunden wurden die "Würmer" auf besagtem Rechner sowie auf 18 Wechseldatenträgern. Insgesamt seien fast 1000 Geräte untersucht worden.

Schäden hätten die "Würmer" nach bisheriger Erkenntnis nicht angerichtet. Diese Art Schadsoftware benötige eine Verbindung zum Internet. Schmidt: "Die Steuerung eines Kernkraftwerks kann sie nicht beeinflussen und damit dessen sicheren Betrieb nicht gefährden." Die Informationstechnik des Kraftwerks bestehe aus drei unterschiedlichen Ebenen, erläutert der Sprecher. Zum einen herkömmliche Büro-Computer. Diese hätten "eine hochsichere", eingeschränkte Möglichkeit des Internetzugangs. Der Virenschutz werde laufend aktualisiert. Zweitens Rechner, die wie der infizierte zum Anlagenbetrieb eingesetzt werden. Drittens die Systeme, die zur Steuerung von Anlagenteilen dienen und Messungen vornehmen. Auch diese Rechner seien nicht mit dem Internet verbunden, verfügten über speicherprogrammierbare Steuerung und könnten ausschließlich über ein Programmiergerät bedient werden.

Die gesamte Informationstechnik unterliege mehrstufigem Schutz. Außer der Zugangskontrolle stehe die Trennung der Hardware der Systeme im Vordergrund. Dass von einem Büro-Computer mit Internetzugang ein Steuerungssystem manipuliert werde, sei ausgeschlossen. Sensible Systeme seien in verschlossenen Räumen untergebracht und manipulationssicher ausgelegt. Der eigentliche Schutz der Reaktoren funktioniere analog, also ohne Computer.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball