Nachruf

Conny Conrad erliegt Covid-19-Erkrankung

Der überregional bekannte Musiker starb am Dienstagvormittag nach zweiwöchigem Koma auf der Intensivstation des Freudenstädter Krankenhauses.

28.12.2021

Von Hans-Michael Greiß

Im Keller seines Weitinger Domizils hatte sich Conny Conrad ein Tonstudio eingerichtet, von dem aus er seine Kompositionen in die Welt schickte. Archivbild: Karl-Heinz Kuball

Im Keller seines Weitinger Domizils hatte sich Conny Conrad ein Tonstudio eingerichtet, von dem aus er seine Kompositionen in die Welt schickte. Archivbild: Karl-Heinz Kuball

Weltweite Ehrungen wurden Conny Conrad zuteil. Im letzten Jahr wurde die Zahl der auf ihn einstürmenden Awards und Preise geradezu unheimlich, deren Herkunft immer exotischer. Auf dem Höhepunkt der globalen Anerkennung riss Corona den erfolgreichen Musiker am Vormittag des Dienstags, 28. Dezember, aus dem Leben.

Der „Weltstar, von dem hier in der Heimat keiner Notiz nimmt“ gestaltete ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Leben. Seine mit Selbstbewusstsein und Selbstironie verfasste Biographie „Kriminaltango“ führte dies auf seinen bei der Geburt am 11. September 1958 in Schöntal an der Jagst „viel zu großen Kopf“ hin, den er eigenwillig und mit großer kreativer Schöpfungskraft durchzusetzen verstand.

Immer einen Tick schneller

Die Gitarre war sein Leben, angefangen mit der Wandergitarre als Weihnachtsgeschenk 1962 bis zu den Meisterinstrumenten, die nun ungespielt in seinem Tonstudio verstummen. Vom Ehrgeiz besessen, immer noch einen Tick schneller spielen zu können als die Profis der damals zahlreichen Rockbands wie Black Sabbath oder Santana, eignete er sich beachtliche Kenntnisse sowohl der Griffe als auch der umfangreichen Musikliteratur an. Anderes als Leadgitarrist einer Rockband und Superstar zu werden, war für ihn unvorstellbar, dafür nahm er das Internat in Künzelsau in Kauf und wurde mit der ersten Band „Black Lady“ zum Mädchenschwarm.

Vom „International Airport“, seiner ersten Komposition, der 1500 weitere folgten, hob er aus der Enge des Jagsttals ab, allerdings nicht, wie erträumt, in die USA, sondern recht bieder auf väterlichen Rat zur Stuttgarter Kriminalpolizei.

In eine auserwählte Riege von nur 60 Kriminalanwärtern zur RAF-Bekämpfung aufgenommen, verlief Connys Karriere geradlinig bis zur höchsten Stufe, aus der er 2018 als „Erster Kriminalhauptkommissar“ nach über 40 Dienstjahren verabschiedet wurde, ohne jemals Uniform getragen zu haben. Kujaus Kunstfälschungen und „der Hammermörder“ fielen in sein Aufgabengebiet. Daneben blieb die Musik lebensbestimmend – mit der neuen Rockband „Rockingham Palace“ in Stuttgart, die dann auch an seiner Ausbildungsstelle, der Polizeihochschule in Villingen-Schwenningen aufspielte.

Computer-Experte für das LKA

Als einziger Softwaretrainer und Programmierer begründete er die frühe Computertechnik des Landeskriminalamtes, sammelte aber auch für seine Tontechnik wertvolle Erfahrungen, die dem späteren Produzenten sehr wohl zustattenkamen. Aus der einzigartigen Melange von Musikern im Polizeidienst ging die bisher einzige CD in der Kunstsprache Esperanto und der Welthit „Lemon Tree“ von Fools Garden hervor.

„Hello Stuttgart go“ zur Leichtathlethik-Weltmeisterschaft 1993, die KSC-Hymne zu dessen 100-jährigem und „La Ola in America“ vereinten die Sportbegeisterung Conrads mit seinem Kompositionstalent. Die flüchtige Begegnung mit einer Immobilienmaklerin traf ihn mitten ins Herz, Sylvana wurde zur ganz großen Liebe, die er auf den Tag 25 Jahre später so plötzlich zurücklässt.

Die noble Villa im lauschigen ausgedehnten Garten im Weitinger Neckartal, ganz besonders aber das Tonstudio im Keller haben sie zur Heimstatt ihrer Gemeinsamkeit errichtet. Der Beamte im öffentlichen Dienst fand in ihr die ideale Managerin seiner künstlerischen Ambitionen.

Das Starclub-Musical und der höchst erfolgreiche Australienaufenthalt mit der Hymne „Welcome to Australia“, der die legendäre Band „Dark Ocean“ begründete machten ihn in der Fachwelt zum Begriff professioneller Musikkunst. Bühnenauftritte liebte er nicht besonders, dafür widmete er seine ganze Leidenschaft dem Komponieren und der Produktion. Zahlreiche Talente hat er hervorgebracht, unvergessen wird sein großes Engagement bleiben andere zu fördern, herausragend in dem Kinderprojekt „Rock for your children“.

Kampf gegen die Marktmächte

Im Unruhestand konnte er seine Titel verfolgen, die in allen möglichen Rundfunkanstalten der Welt „rauf und runter den ganzen Tag millionenfach abgespielt werden“. Im Wochenrhythmus trafen in diesem Jahr die Zertifikate ein, welchen Preis er rund um den Globus wieder gewonnen hatte, zuletzt meldete er den 150. Nur hier im Land blieb ihm die Anerkennung versagt, „Kennen statt Können“ gilt hier, klagte er, eine Marktmacht der „Drei Großen“ verhindere die Vielfalt. Er hatte sich vorgenommen, dafür zu kämpfen.

Begegnet sind wir uns beim allerersten „Fest der Kulturen“ im Alten Freibad, dann erst wieder am 24. Juli 2020. Eine einzigartige Liebe zu Musik verband uns, es erwuchs eine enge Freundschaft, dass wir befürchteten, sie könne die Distanz der objektiven Berichterstattung gefährden.

Mein letzter Bericht über Dich liegt ein halbes Jahr zurück, lieber Conny. Dessen Titel gilt weiter: „Geh und bleib bei mir“ und bitte „Send me a little light“, Deinen größten Erfolgshit, zum Trost.

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Erstellt:
28.12.2021, 13:13 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 28.12.2021, 13:13 Uhr

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