Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Das DRK-Mössingen holte Kinder und Jugendliche in die Öschinger Natur

Coole Tage im heißen Wald

40 Kinder aus dem Steinlachtal waren von Donnerstag bis Sonntag ohne Elektronik im nicht klimatisierten Öschinger Wald. Im Nachhinein kamen ihnen die vier Tage im DRK- Ferien-Camp viel zu kurz vor.

11.08.2015
  • Susanne Mutschler

Öschingen.„Ich könnte die ganzen Ferien hier bleiben“, sagt der elfjährige Marcel Schuler aus Öschingen. Mit seiner Mutter, die zum Helferteam des DRK-Jugendlagers gehört, kam er schon als kleiner Junge in das beliebte Ferienlager – und kennt natürlich alles aus dem Effeff. Marcel mag das kleine Öschinger Freibad, wo die ganze Lagerbelegschaft den heißen Nachmittag verbrachte. Und auch die Geo-Caching-Schatzsuche im Gewann „Hohe Äcker“ sei für ihn interessant gewesen. Das Essen findet er „lecker“ und was ihn fast noch mehr freut, „ziemlich viel“. Sein Mobiltelefon vermisst er überhaupt nicht: „Ich komme gut ohne aus.“ Nicht einmal, dass jeder sein Essgeschirr von Hand in den aufgestellten Wannen abspülen muss, macht ihm was aus. Alles ist perfekt für ihn. Das Einzige, was ihn nervt, ist seine neue Zahnspange.

Und Cathérine? Die 14-jährige Cathérine Fezelot aus Bodelshausen kommt seit vier Jahren in das Camp, das die Mössinger DRK-Gruppe regelmäßig im Rahmen des Sommerferienprogramms anbietet. Einige der Kinder kennt sie noch vom vergangenen Sommer – und jedes Mal gewinne sie neue Freunde dazu, sagt sie. Auch der 11-jährige Dennis Föhr ist schon zum siebten Mal dabei. In den ersten Jahren habe sein großer Bruder Markus noch auf ihn aufgepasst, erzählt er. Inzwischen gehört er selbst zu den alten Hasen im Öschinger Wald.

Am vergangenen Wochenende herrschte im Camp wieder einmal gespannte Konzentration: Die „Lager-Olympiade“ fordert in 20 verschiedenen Wettstreits alle möglichen Formen von Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Lassos und Stiefel müssen geworfen, eine Population von Gummibärchen möchte geschätzt, und Perlen wollen aufgefädelt werden. Es gilt, Papierflieger zu falten und in Hochgeschwindigkeit Heringe für ein Zelt einzuhauen. Und es geht ums Spurenlesen und Blätter erkennen, denn das Motto der diesjährigen Lagertage heißt „Wald“.

Als ortskundige Öschingerin kennt sich die 10-jährige Floriana Jörke so gut im Forst aus, dass sie bei der Nachtwanderung auch ohne den Einsatz von Taschenlampen ausgekommen wäre. Das Mondlicht sei hell genug gewesen, findet sie – und berichtet begeistert, dass sie die Raumstation ISS mit bloßem Auge erkennen konnte. Marcel beobachtete sogar eine Sternschnuppe.

Der fingierte „Überfall“ allerdings, für den ein paar Öschinger Jugendliche am Freitag in Tarnkleidung in das nächtliche Lager schlichen, hätte nach ihrem abenteuerlustigen Geschmack ruhig länger dauern dürfen. Die Eindringlinge, die es angeblich auf die DRK-Fahne und den Proviant abgesehen hatten, seien viel zu schnell gefasst worden, findet sie. „So ein Szenario muss kindgerecht sein, damit die Kleinen auch was davon haben“, begründet Eberhard Barzlen vom Mössinger Jugendrotkreuz, warum er die kriminalistische Einlage schon vor Mitternacht zu Ende gehen ließ. Am Lagerfeuer feierten die vermeintlich Überfallenen dann Versöhnung mit den Tätern.

Barzlen organisiert Ferienlager, seit er 17 Jahre alt ist. Auch bei seiner privaten Urlaubsplanung gehe ihm nichts übers Zelten, bekennt der 47-jährige Öschinger. Sein Rezept für ein erfolgreiches Sommercamp sind ausreichend Zelte und Feldbetten, ein Wassertank und ein Generator, drei Dixi-Toiletten, 40 hochmotivierte Kinder von 6 bis 12 Jahren und eine seit 20 Jahren im Sommerlagerleben erprobte Gruppe ehrenamtlicher Betreuer. Dazu trockenes Wetter und ein preisgekröntes, achtköpfiges Küchenteam. Die Mössinger DRK-Köche seien beim Landeswettbewerb der Feldküchen auf den zweiten Platz gekommen. „Die haben einen Ruf zu verlieren“, betont Barzlen.

Wenn man diese Zutaten auf die lauschige Lichtung im Wald hinter Öschingen verfrachtet, und wenn die Mössinger Rotkreuzler dort bereits einen Lagerfeuerplatz vorbereitet und die Öschinger Feuerwehrleute den blauen Plastikpool mit 5000 Liter Planschwasser gefüllt haben, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. „Wir hatten ein paar Wespenstiche“, umreißt der Ferienlagerleiter den Schwierigkeitsgrad der Einsätze, mit denen seine Helfer zu tun hatten.

Dass sich die Ferienlagerteilnehmer anschließend auch für den Jugendrotkreuz-Dienst begeistern könnten, sei eine vergebliche Hoffnung, ist Barzlens Erfahrung. Gelassen nimmt er hin, dass manche Kinder Sommer für Sommer kommen „und trotzdem keine DRK-Mitglieder werden“. Das Mössinger Jugendrotkreuz sei mit rund 20 Mitgliedern ohnehin schon eine starke Ortsgruppe.

Am Sonntag zogen die Lagerkinder – nach vier erfüllten Tagen und einem gemeinsamen Mittagessen mit ihren Eltern – wieder zurück in ihre gewohnte Zivilisation aus Spiel-Konsolen, Handys und MP3-Playern.

Coole Tage im heißen Wald
Lob dem Lassowerfen: Im Sommerferienlager des Roten Kreuzes bei Öschingen wird dem Seile gehuldigt. Einfach ist das nicht. Bild: Rippmann

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

11.08.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball