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Crankos Julia
und Hüterin
seines Erbes
Feiert heute ihren 80. Geburtstag: Marcia Haydée. Foto: dpa
Tanz-Legende

Crankos Julia und Hüterin seines Erbes

Die Seele des Stuttgarter Balletts: Marcia Haydée feiert heute ihren 80. Geburtstag – allerdings in Südamerika.

18.04.2017
  • WILHELM TRIEBOLD

Stuttgart. Es ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die das Leben schreibt: Als 1961 eine leicht pummelige, backfischhafte Spätentwicklerin dem damals bereits anerkannten Choreografen John Cranko für seinen Stuttgart-Start vortanzte, engagierte er sie gegen alle Widerstände vom Fleck weg. Der Grund: „Sie versteht mich.“

Vom hässlichen Entlein zum Ballett-Schwan: Marcia Haydée, Tochter aus gutem brasilianischem Hause, die in der merkwürdigen Pariser Privatcompagnie des Marquis de Cuevas als Gruppentänzerin und Solistin im zweiten Glied die ersten Trippelschritte lernte. Und nun: Crankos Primaballerina, künstlerische Muse, seine Julia in ewiggültigen, schönsten Handlungsballett aller Zeiten. Über Crankos jähen Tod hinaus hielt sie in Stuttgart den Laden zusammen, bis 1996, auch 20 Jahre lang als Ballettdirektorin.

Die Fähigkeit, Bewegungen in Charaktere zu verwandeln, machten körperliche Vorzüge der Konkurrenz, „die schöneren Beine und Füße“, allemal wett, dessen war sich Marcia Haydée bewusst. „Meine Stärke ist, dass ich von allem etwas habe, und irgendwie addiert sich das dann“, hat sie dazu gesagt.

Später startete sie eine ebenfalls eindrückliche Alterskarriere als expressive Tanztragödin. Bis heute lenkt sie im fernen Chile ihre eigene Ballett-Truppe, ohne ihre neuschwäbischen Wurzeln (seit 2009 ist die Wahl-Zainingerin im Landkreis Reutlingen eingebürgert) zu verleugnen.

Den heutigen Geburtstag verbringt sie zwar in Südamerika. Doch am 29. April, dem Welttanztag, wird in Stuttgart nachgefeiert. Mit einem Podiumsgespräch an der Seite des designierten Ballettchefs Tamas Detrich und mit einer Abendvorstellung des Cranko-Klassikers „Romeo und Julia“. Dazu passt, dass Haydée Ende Mai von der International Dance Union im Moskauer Bolschoi Theater mit dem Lifetime Achievement Award fürs Lebenswerk geehrt wird. Wilhelm Triebold

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18.04.2017, 06:00 Uhr

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