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Millionen-Deal für Krebsmedikament / Vorstoß auf den Weltmarkt geplant

Curevac entwickelt mit Boehringer Ingelheim Impfstoff gegen Lungenkrebs

Das Tübinger Biopharma-Unternehmen Curevac und Boehringer Ingelheim entwickeln gemeinsam einen therapeutischen Impfstoff gegen Lungenkrebs. Ziel ist eine Markteinführung in sechs bis sieben Jahren. Der Deal bringt Curevac mit Vertragsunterzeichnung 35 Millionen Euro – sowie die Aussicht auf weitere 430 Millionen Euro.

18.09.2014
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Immuntherapien gegen Krebs wurden vom Fachmagazin „Science“ 2013 als „Durchbruch des Jahres“ gewürdigt. Zu den weltweit innovativsten Unternehmen auf diesem Feld gehört die Tübinger Firma Curevac. Sie hat eine Technologie entwickelt, die das Potenzial des Botenstoffs RNA nutzt und mit der das Immunsystem gegen Krebszellen aktiviert werden kann. Sie hat Impfstoffe gegen Lungenkrebs und Prostatakrebs entwickelt. Erste klinische Studien zeigten sehr gute Erfolge.

Darauf wurden auch große Pharmafirmen aufmerksam. Boehringer Ingelheim und Curevac haben jetzt einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Sie entwickeln gemeinsam einen therapeutischen Impfstoff gegen Lungenkrebs. Bemerkenswert ist die Schnelligkeit, mit der das Medikament an den Markt gebracht werden soll. Bereits in sechs bis sieben Jahren könnte es zugelassen werden. In der Branche üblich sind ansonsten Entwicklungszeiten von etwa zwölf Jahren.

Normalerweise splitten Firmen die Medikamentenentwicklung in mehrere Phasen und Studien, um bei weniger erfolgreichen Ergebnissen abzubrechen und Fehlinvestitionen zu vermeiden. In diesem Fall will Boehringer alle notwendigen klinischen Studien möglichst schnell und effektiv voranbringen. Damit verbunden sind sehr hohe Investitionszusagen von Boehringer Ingelheim für die klinischen Studien und die Zahlungen an den Vertragspartner Curevac.

„Da muss man schon extrem siegessicher sein“, sagt Curevac-Geschäftsführer Ingmar Hoerr. „Wir sind sehr glücklich über die Kooperation.“ Dieses Vorgehen von Boehringer zeige, welches Potenzial der Curevac-Technologie zugemessen werde. „Für unser Unternehmen ist das eine hochrangige Validierung. Darauf werden natürlich auch andere Pharmaunternehmen aufmerksam.“

Mit einem Präparat gegen Lungenkrebs würden Boehringer und Curevac auf einen riesigen Markt vorstoßen – auch in Asien, wo die Zahl der Raucher und damit auch die Lungenkrebserkrankungen nach wie vor steigt. Zudem gehört Lungenkrebs zu den aggressivsten und tödlichsten Tumoren, die Therapiemöglichkeiten sind eingeschränkt. Ihn operativ zu entfernen ist schwierig, meist hat der Tumor dann schon Metastasen gebildet.

Das neue Präparat basiert auf einem Impfstoff den Curevac bereits in einer ersten klinischen Studie getestet hatte: Bei 84 Prozent der Patienten bewirkte der Impfstoff eine spezifische Aktivierung des Immunsystems. „Wir haben den Impfstoff weiter überarbeitet, neue Erkenntnisse zugeführt“, sagt Hoerr.

Geplant sind jetzt zwei Studien. In der einen wird der Impfstoff in Kombination mit Chemo- und Strahlentherapie getestet. In der zweiten Studie erhalten die Patienten ein Präparat, das den Impfstoff mit einem von Boehringer entwickelten Wirkstoff (Afatinib) kombiniert. Mit einer ähnlichen Präparat-Kombination wurden in einer kleinen Studie bereits erste Patienten in der Schweiz und in Österreich behandelt, mit vielversprechenden Resultaten, wie Hoerr sagt.

Kombinationstherapien sind derzeit die große Hoffnung in der Krebsmedizin. „Das ist ähnlich wie bei Aids“, sagt Hoerr. „Da war man in den 80er Jahren völlig hilflos. Bis man auf die Idee kam, verschiedene Therapien zu kombinieren.“ Mittlerweile ist Aids zwar immer noch nicht heilbar, aber mit der Kombi-Therapie können HIV-Infizierte sehr lange leben. Eine vergleichbare Entwicklung erhofft man sich für die Tumortherapie: Durch die Kombination verschiedener Präparate und Therapieformen soll Krebs von einer tödlichen zur chronischen Krankheit werden.

Sollte der Impfstoff in sieben Jahren zugelassen werden, wäre es vermutlich das erste Präparat, das mit der Curevac-Technologie auf den Markt kommt. Zusätzlich zu den 35 Millionen Euro bei der Vertragsunterzeichnung kann Curevac bis dahin – geknüpft an so genannte „Meilensteine“, also erreichte Entwicklungsschritte – 430 Millionen Euro vom Kooperationspartner Boehringer Ingelheim erhalten. Hinzu kommen Lizenzgebühren im Fall einer Markteinführung.

Curevac entwickelt mit Boehringer Ingelheim Impfstoff gegen Lungenkrebs
Die Lungenkrebsrate steigt weltweit an, insbesondere in Asien. Ein therapeutischer Impfstoff der Firmen Curevac und Boehringer Ingelheim soll in sechs bis sieben Jahren auf den Markt kommen.

Die von Curevac entwickelte Technologie eignet sich auch als Basis für Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten. Auch in diesem Feld hat Curevac bereits mehrere Kooperationen mit Pharmafirmen geschlossen.
Weil Impfstoffe mit dieser Technologie schnell produziert werden können und unkompliziert zu handhaben sind – sie sind unempfindlich gegen Hitze und Kälte – eignet es sich auch zum Einsatz in Ländern mit wenig entwickelten Gesundheitssystemen, auch in den Tropen. Man sei in Gesprächen mit Pharmafirmen, die an Impfstoffen gegen Ebola arbeiten, bestätigte Curevac-Geschäftsführer Ingmar Hoerr. Für die derzeitige Epidemie sei das aber nicht mehr relevant.

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18.09.2014, 12:00 Uhr

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