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Auf Tauchstation

DFB-Chef Wolfgang Niersbach schweigt nach neuen Vorwürfen

In der Affäre um die WM-Vergabe 2006 geht Wolfgang Niersbach auf Tauchstation. Was geschieht, sollte der DFB-Präsident zurücktreten? Keine juristischen Konsequenzen befürchten muss Franz Beckenbauer.

05.11.2015
  • DPA/SID/EB

Frankfurt Die WM-Vergabe 2006 an Deutschland und die Steuerrazzia beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am Dienstag in Frankfurt schlagen weiterhin Wellen. Die angeblich falsche Steuererklärung des DFB zur WM 2006 ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vom DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach unterzeichnet worden - nur wenige Tage nach seiner Berufung zum Generalsekretär im Oktober 2007.

Zuvor hatte der DFB in der Frankfurter Verbandszentrale gestern spontan eine Mitarbeiterversammlung einberufen, in der Generalsekretär Helmut Sandrock die Beschäftigten über die Entwicklungen informierte. Der stark angeschlagene Niersbach war nicht anwesend. Ob oder wie lange der 64-Jährige angesichts der Geschehnisse rund um die ominöse 6,7-Millionen-Euro-Zahlung im Vorfeld des Sommermärchens noch im Amt bleibt, ist unklar. Neben Niersbach hüllten sich gestern auch Franz Beckenbauer sowie der einstige DFB-Generalsekretär und -Schatzmeister Horst R. Schmidt in Schweigen.

Eine Rücktrittsforderung von Seiten des DFB an Niersbach gibt es bisher nicht. "Ein Problem wäre es dann, wenn Wolfgang Niersbach nicht bereit wäre, umfassend die Aufklärung mit uns zu betreiben. Dem ist aber nicht so", erklärte DFB-Vizepräsident Rainer Koch dem "Bayerischen Rundfunk".

Dennoch ist es ein ungemütlicher Herbst für den DFB-Boss. Neben einer Anklageerhebung wegen Steuerhinterziehung drohen Niersbach, seinem Vorgänger Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt auch Schadenersatzforderungen in Millionen-Höhe. Laut "SZ" werden in Verbandskreisen nachträglich fällige Steuern in Höhe von 2,2 Millionen Euro plus Zinsen seit 2006 für möglich gehalten. Dafür könnte der DFB die damaligen Verantwortlichen in Regress nehmen.

Gestern beschäftigte sich auch der Sportausschuss des Bundestages mit dem Thema. Auch hier fehlten Niersbach oder der frühere Bundesinnenminister Otto Schily, der als Mitglied des Aufsichtsrates des WM-OK Einblicke in alle wichtigen Transaktionen hatte. Ole Schröder, parlamentarischer Staatssekretär im Bundes- Innenministerium, versicherte, dass es bei den 6,7 Millionen Euro an die Fifa nicht um Steuergelder handle.

Keine juristischen Konsequenzen hat derzeit Franz Beckenbauer zu befürchten. Gegen ihn werde nicht ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Grund dafür sei nicht etwa Beckenbauers Wohnsitz außerhalb von Deutschland, sondern vielmehr, dass Beckenbauer nichts mit der betreffenden Steuererklärung zu tun gehabt habe. Andere mögliche Tatbestände wie Untreue oder Bestechung gebe es wegen Verjährung nicht.

Beim DFB will derzeit noch keiner den Königsmörder geben. "Wolfgang Niersbach muss Präsident bleiben. Er war im Organisationskomitee für die WM 2006 nur für Medien und Marketing zuständig. Die entscheidenden Männer waren doch Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt", sagte der Präsident des niedersächsischen Fußballverbandes (NFV), Karl Rothmund.

Joachim Masuch, Präsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern, kritisierte allerdings Niersbachs bisherige Aufklärungsarbeit. "Mit dem derzeitigen Stand kann man nicht zufrieden sein. Wenn die Kenntnisse über Unregelmäßigkeiten bereits vor einem guten Jahr vorgelegen haben, hätte man schon früher beginnen müssen", sagte er. Der Imageschaden für den deutschen Fußball sei "gewaltig", eigentlich könne der Präsident sein Amt gerade gar nicht "unbeschadet" ausüben.

Was passiert, wenn Niersbach sein Amt ruhen lassen oder zurücktreten würde? Ambitionen auf das Amt des DFB-Präsidenten werden dem derzeitigen Vizepräsidenten Rainer Koch (68) nachgesagt - er wäre eine Übergangslösung. Auch der DFB-Schatzmeister und CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel gilt als "präsidiabel", er ist beim DFB gut vernetzt. Nur geringe Chancen dürfte hingegen Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff haben. Der Europameister von 1996 ist dem Amateurlager nur schwer vermittelbar.

DFB-Chef Wolfgang Niersbach schweigt nach neuen Vorwürfen
Wolfgang Niersbach: Was würde passieren, wenn der DFB-Präsident Konsequenzen aus der Affäre um die WM 2006 ziehen und gehen würde? Foto: dpa

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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