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Niersbachs nächste Chance

DFB-Chef steht heute beim Krisengipfel des Verbands unter Zugzwang

Der ins Zwielicht geratene Präsident muss dringend erhellende Fakten liefern, die seine Rolle in dem dubiosen Treiben rund um die Weltmeisterschaft 2006 aufklären und seine Unschuld zweifelsfrei dokumentieren.

09.11.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm/Frankfurt Mit den kurzfristig einberufenen Zusammenkünften von Spitzenfunktionären ist Wolfgang Niersbach bestens vertraut. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes war in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach zu den Sondersitzungen in den Führungsgremien des Weltverbands Fifa und des europäischen Verbunds Uefa gereist, als es darum ging, schwerwiegende Vorwürfe und Verfehlungen zahlreicher Verbandsoberer zu diskutieren. Niersbach, der erst seit kurzem zu den Spitzenkräften des Weltfußballs gehört, genoss dort die Rolle des unbedarften, aber einflussreichen Beisitzers. Angeklagt waren die anderen. Bei der Sondersitzung des DFB-Präsidiums heute in der Frankfurter Verbandszentrale sind alle Augen auf ihn gerichtet. Niersbach, der 64 Jahre alte Chef des weltgrößten Einzelsportverbunds, muss sich und sein Wirken rund um die Weltmeisterschaft 2006 erklären. Offen, aufrichtig und bestenfalls, ohne neue Zweifel aufzuwerfen.

Es ist der erste Auftritt des DFB-Präsidenten nach der aufsehenerregenden Razzia der Frankfurter Staatsanwaltschaft am vergangenen Dienstag, die Ermittler in den Räumen des Verbands, in seinem Privatanwesen und in den Häusern der ehemaligen Spitzenfunktionäre Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt durchgeführt hatten. Sie suchten Unterlagen, die den Anfangsverdacht der Behörde, Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall, erhärten. In den Tagen danach schien Niersbach, der die beanstandete Steuererklärung unterzeichnet hatte, wie vom Boden verschluckt. Er geriet von Tag zu Tag stärker unter Druck, weil er als Verbandsoberster keine Anstalten zu machen schien, den Prozess der Aufklärung zu unterstützen.

In dem Krisengipfel heute hat Niersbach den Mitstreitern aus dem DFB-Präsidium zumindest die wichtigsten Fragen im Zusammenhang WM 2006 plausibel zu erklären. Was hat es mit der dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die Fifa auf sich? Seit wann wusste er davon? Und vor allem: Warum weigert sich Franz Beckenbauer, sein alter Freund und Weggefährte sowie eine Schlüsselfigur in diesem Fall, beharrlich Klartext zu reden?

Als ersten Schritt zu mehr Transparenz erwägt der DFB indes, eine Ethikkommission zu gründen. Laut Welt am Sonntag soll es sich hierbei nach dem Vorbild der Fifa um ein zweigeteiltes Gremium aus Ermittlern und Richtern handeln. Die Idee der Ethikkommission könnte bis zum DFB-Bundestag im November 2016 in Erfurt beschlussreif sein.

DFB-Chef steht heute beim Krisengipfel des Verbands unter Zugzwang
Wolfgang Niersbach (links) saß zusammen mit Franz Beckenbauer im Organisationskomitee der WM 2006. Foto: Imago

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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