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Beckenbauers Deal war vielen bekannt

DFB-Topfunktionäre haben Dokument 15 Jahre vertuscht - Rauball für Strukturreform

In die WM-Affäre hatten offenbar mehr Top-Funktionäre Einblick als bisher bekannt. Interimspräsident Reinhard Rauball macht sich für eine umfassende Strukturreform beim Deutschen Fußball-Bund stark.

14.11.2015
  • DPA

Paris Neue peinliche Enthüllungen im WM-Skandal und ein offener Konflikt über die Neuordnung des Verbands haben die Krise im Deutschen Fußball-Bund verschärft. Kurz vor den Beratungen der DFB-Spitze am Rande des Länderspiels der deutschen Weltmeister in Paris gestand der frühere Generalsekretär Horst R. Schmidt, dass wohl mehrere Top-Funktionäre des Verbands schon im Jahr 2000 Kenntnis von dem schmutzigen Deal zwischen Franz Beckenbauer und dem damaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner hatten. Unter anderen soll auch der am 17. August verstorbene frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder Bescheid gewusst haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, "dass der Deutsche Fußball-Bund alles transparent aufklärt, was geschehen ist".

Belastet wurden die Gespräche der amtierenden DFB-Führung in Frankreichs Hauptstadt zudem von einer Kontroverse über das weitere Vorgehen. Ligapräsident Reinhard Rauball stellte sich gegen die Pläne des zweiten DFB-Interimschefs Rainer Koch und von Schatzmeister Reinhard Grindel, noch vor der EM 2016 eine neue Verbandsführung zu installieren. Der Zeitplan für das weitere Vorgehen dürfe durch "kein externes Ereignis" bestimmt werden, mahnte Rauball. Zudem machte er sich erneut für eine umfassende Strukturreform stark: "Es reicht nicht, wenn ein Kopf durch einen anderen Kopf ersetzt wird, und danach läuft wieder alles ganz normal." Der DFB als größter Sport-Fachverband müsse "klare Botschaften rausschicken, klare Antworten finden, damit die Leute wieder Vertrauen zum DFB fassen", sagte Rauball.

Dagegen hatten Koch und der im Präsidentenrennen als Favorit des Amateurlagers geltende Grindel schnelle Lösungen avisiert. "Gehen Sie davon aus, wir werden bei der Europameisterschaft ganz sicher vollständig geordnet aufgestellt sein", hatte Koch gesagt. Für den kommenden Freitag ist eine Sitzung des DFB-Präsidiums anberaumt worden. Zudem habe Beckenbauer signalisiert, den DFB-Verantwortlichen Rede und Antwort zu stehen, sagte Rauball am Abend in der ARD.

Niedersachsens Landesverbandschef Karl Rothmund erwartet bei einer Wahl "eine breite Mehrheit" für einen Kandidaten Grindel. Der CDU-Politiker sei "im richtigen Alter, um die nächsten ein, zwei Jahrzehnte an der Spitze des Verbandes stehen zu können".

Horst R. Schmidts Bekenntnis lässt den Verdacht zu, dass der dubiose Deal zwischen Beckenbauer und Warner im Verband vertuscht wurde. "Ich kann bestätigen, das Papier im Jahr 2000 gesehen zu haben. Und ich glaube auch, dass ich nicht der einzige war, der es gesehen hat", sagte Schmidt.

Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily hat indes eine Kenntnis von dem Beckenbauer-Deal bestritten. "Mir ist nichts aus eigenem Wissen darüber bekannt, ob und gegebenenfalls in welcher Art es Geschäftsbeziehungen zwischen dem DFB oder dem Organisationskomitee für die WM 2006 und Jack Warner gegeben hat", sagte Schily.

DFB-Topfunktionäre haben Dokument 15 Jahre vertuscht - Rauball für Strukturreform
Laut DFB-Ehrenmitglied Horst R. Schmidt (r.) wussten nicht nur Wolfgang Niersbach, sondern auch andere DFB-Funktionäre früh vom WM-Deal. Foto: dpa

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14.11.2015, 12:00 Uhr

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