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Kandidat für Präsidentenamt umstritten

DFB wegen Reinhard Grindel vor Zerreißprobe: Profiklubs fühlen sich von Amateuren brüskiert

Vor der Präsidiumssitzung droht dem Deutschen Fußball-Bund der Bruch. Die Festlegung der Landesverbände auf Reinhard Grindel als neuen DFB-Präsidenten sorgt in der Liga für großen Unmut.

20.11.2015
  • SID

Frankfurt Der Deutsche Fußball-Bund steht unmittelbar vor einer gefährlichen Zerreißprobe. Vor der heutigen, wegweisenden Sitzung des Verbandspräsidiums erzürnt die "Causa Grindel" die Macher der milliardenschweren Profiligen - der inmitten der tiefsten Krise der Verbandsgeschichte nötige Schulterschluss mit den Amateurvertretern in den Landesverbänden scheint plötzlich wieder ganz weit weg.

"Wir fühlen uns brüskiert", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem Fachmagazin Kicker. "Für den gesamten Fußball ist das eine sehr unschöne Geschichte." Die vorschnelle Personalentscheidung der Landesverantwortlichen für den CDU-Politiker und DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel als Präsidentschaftskandidat sei ein "sehr unerfreulicher Akt" gewesen.

Nur gibt es jetzt kein Zurück mehr. Die 21 Landesverbände vereinen beim DFB-Bundestag, der laut Rainer Koch - DFB-Interimspräsident und Präsident des bayerischen Verbands - "baldmöglichst" einberufen werden soll, zwei Drittel der Stimmen. Für die Wahl des Nachfolgers von Wolfgang Niersbach reicht die einfache Mehrheit.

"Die Landesverbände haben das demokratische Recht, sich festzulegen. Wir nehmen das zur Kenntnis", sagte Harald Strutz (64), Vizepräsident des Ligaverbandes und Mitglied des DFB-Präsidiums: "Auf der anderen Seite war es eigentlich geplant, erst einmal in die Diskussion zu gehen und dann einen Vorschlag zu machen." Wohlgemerkt ein gemeinsamer Vorschlag des gesamten Präsidiums. Nun steht allein der Wille der Landesverbände in allen Zeitungen, lange bevor erste Lösungsansätze für den Skandal um die WM 2006 präsentiert wurden. "Ich habe in dieser Woche mit vielen Vereinschefs der Liga gesprochen und selten so eine Einigkeit erlebt", sagte Watzke, der zwar noch "nicht mit den Säbeln rasseln" wolle, aber doch darauf hinwies, dass "am Ende des Tages die Musik letztendlich in der Bundesliga" spiele. "Man sollte die Möglichkeiten des Profifußballs nicht unterschätzen. Wenn man meint, man müsste uns vor vollendete Tatsachen stellen, muss man sich im Klaren sein, dass der größte Wert des DFB, die Nationalmannschaft, von Spielern gebildet wird, die wir bezahlen", so warnte der BVB-Boss.

Koch und Grindel hatten sich nach der Entscheidung am Dienstag diplomatisch gegeben, der "Vorschlag" sei kein Alleingang gewesen. "Es muss jetzt darum gehen, mit dem Ligaverband zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen", sagte Grindel. "Im Mittelpunkt unserer gemeinsamen Arbeit müssen die Konsequenzen aus der Affäre um das WM-OK 2006 stehen. Diese notwendige Arbeit in der Sache sollte nicht von einer Diskussion über Personen überlagert werden." Genau das ist aber passiert. Zumal Grindel für viele nicht der perfekte Kandidat ist. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist erst seit 2013 im DFB aktiv, als Schatzmeister dabei in der zweiten Reihe. Eigenartig anmutende Entscheidungen wie seine Enthaltung bei der Abstimmung über ein Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung im Jahr 2014 nähren weitere Zweifel.

DFB wegen Reinhard Grindel vor Zerreißprobe: Profiklubs fühlen sich von Amateuren brüskiert
Der Kandidat von heute und der damalige Präsident: Reinhard Grindel (links) mit Wolfgang Niersbach beim DFB-Bundestag vor zwei Jahren in Nürnberg. Foto: dpa

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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