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Begleiter des Leids

DRK zeigt Bilder des syrischen Fotografen Ibrahim Malla in der Kulturhalle

Rund 40 ergreifende Fotografien von Hilfsaktionen mitten im syrischen Bürgerkrieg: Das DRK Tübingen zeigt bis Samstag in der Kulturhalle rund 40 Bilder des syrischen Fotografen und Rettungssanitäters Ibrahim Malla.

17.10.2012
  • Moritz Siebert

Tübingen. Im Bürgerkrieg in Syrien starben bereits rund 16 000 Personen, darunter viele Zivilisten. Die Bedingungen innerhalb der zum Teil zerstörten Städte und in den Flüchtlingslagern sind katastrophal.

Mit Freiwilligen in den Krisengebieten

Die einzige Hilfsorganisation, die offiziell Zugang zu den gefährlichen Bereichen hat, ist der Rote Halbmond, das syrische Pendant zum Roten Kreuz. Die Organisation ist mit vielen Freiwilligen in den Krisengebieten unterwegs, junge Menschen, überwiegend Studenten, die unermüdlich im Einsatz sind und täglich ihr Leben riskieren. Unter ihnen ist auch der professionelle Fotograf Ibrahim Malla.

Der 42-Jährige hält die Einsätze des Roten Halbmonds fest. Reiserisch ist keines der Bilder, Malla jagt nicht nach Skandalen, seine Fotografien zeugen eher von einer Nähe zu den Menschen. Weil er militärische Einsätze nicht fotografieren darf, zeigen seine Bilder den Krieg nicht direkt, sie dokumentieren ihn aber: Hungerleidende Kindern in Flüchtlingslagern, die Beerdigung eines Kollegen, der von Scharfschützen erschossen wurde, oder die Versorgung eines Mannes, der sein Bein verloren hat. „Manchmal schäme ich mich dafür, dass ich solche Szenen fotografiere“, sagt Malla, „es ist aber mein Job, das zu tun.“

Dass bis Samstag rund 40 Bilder von Malla nun erstmals in Deutschland zu sehen sind, ist vor allem Patricia Strempel zu verdanken. Die Referentin für Jugendrotkreuzarbeit und Schulsanitätsdienst lernte Malla in diesem Sommer auf einer Ausfahrt in Solferino kennen. Von seinen Bildern war sie begeistert und es gelang ihr, in kürzester Zeit, die Bilder samt ihres Fotografen nach Tübingen zu holen. Während die Bilder in der Kulturhalle zu sehen sind, ist Malla ebenfalls in Tübingen. Das DRK macht mit der Ausstellung nicht nur auf die Situation in Syrien aufmerksam, sondern will auch konkret helfen und ruft zu Spenden auf. Der Winter steht bevor und in den Flüchtlingslagern mangelt es an Essen, Decken und medizinischer Versorgung.

„Die Situation ist sehr kompliziert“

Malla, der seit 13 Jahren für den Roten Halbmond arbeitet, hat mit seiner italienischen Frau, die für das italienische Rote Kreuz im Einsatz ist, zwei Jahre lang gemeinsam in Syrien gelebt. Vor sieben Monaten haben sie das Land verlassen und wohnen jetzt nördlich von Mailand. Seither ist er vier Mal mit einer Hilfsmission des Roten Halbmonds in seine Heimatland gereist. Malla möchte seine Landsleute nicht im Stich lassen und helfen, wo er kann. „Die Situation in Syrien ist sehr kompliziert“, sagt er, „das Land ist weit entfernt von irgendeiner Lösung“.

Wie gefährlich die Einsätze in den Gebieten sind, zeigen die Bilder oft nur am Rande, wenn im Hintergrund eine Explosion zu sehen ist, Männer mit Kriegsverletzungen. „Sicher fühle ich mich auf Missionen nicht“, sagt Malla, „Angst habe ich aber keine.“ Seit Beginn des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 hat er auf Einsätzen bereits sieben Freunde und Kollegen verloren.

DRK zeigt Bilder des syrischen Fotografen Ibrahim Malla in der Kulturhalle
Der syrische Fotograf Ibrahim Malla inmitten seiner Fotos, die er im Bürgerkrieg seines Heimatlandes aufgenommen hat. Sie dokumentieren den Kampf indirekt und zeigen das Leid der Einheimischen. Bild: Metz

Das DRK Tübingen bittet um Hilfe für humanitäre Einsätze in Syrien. Dafür wurde bei der Bank für Sozialwirtschaft (Blz.: 37 02 05 00) ein Spendenkonto (Konto-Nr.: 41 41 41) eingerichtet. Als Verwendungszweck bitte „DRK Tübingen Syrienhilfe“ angeben. Die Bilder von Ibrahim Malla sind in der Kulturhalle bis einschließlich Samstag täglich von 12 bis 19 Uhr zu sehen. Am letzten Ausstellungstag um 8.30, 10 und 11.30 Uhr bietet Mallas Führungen für Schüler an.

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17.10.2012, 12:00 Uhr

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