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Da fliegen die Späne
Noch ein einziger Schlag und der Stamm ist durch: Die Experten zeigten in der Porsche-Arena, wie man in Sekundenschnelle mit der Axt einen Baum fällt. Foto: Foto
Wettbewerb

Da fliegen die Späne

Bäume fällen in der Halle: Starke Männer demonstrieren bei der Weltmeisterschaft im Sportholzfällen den perfekten Umgang mit extrem scharfen Werkzeugen.

14.11.2016
  • BARBARA WOLLNY

Es ist der Abend für echte Kerle – im Publikum und auf der Bühne: die Porsche-Arena seit Wochen ausverkauft, die Stimmung großartig. Mit Rasseln, Trommeln und Tröten ausgestattet sitzen die größtenteils männlichen Zuschauer in der Arena. Sie sind aus ganz Europa und Übersee angereist. Wikingerhörner auf dem Kopf oder Strohhüte mit Banderolen signalisieren, woher sie kommen und welche Landsleute sie lautstark anfeuern werden.

Die zweifelsohne originellste Kopfbedeckung sind aber Kappen, auf denen eine aufgesetzte Schaumstoff-Motorsäge deutlich macht, für welchen Sport der Träger brennt: Sportholzfällen, eine Nischensportart, die ihren Ursprung in den traditionellen Waldarbeitertätigkeiten in Kanada, Neuseeland und Amerika hat.

Auf der Bühne gibt es – natürlich – jede Menge Holz in Form von Stämmen, deren Durchmesser exakt gleich ist und zwischen 30 und 46 Zentimeter liegt. Diese gilt es, so schnell wie möglich mit Axt oder Säge klein zu kriegen. Eine über 30-köpfige Helfermannschaft bringt schnell und diskret immer wieder neues Material auf die Bühne und sorgt mit Laubbläsern und elektrischen Kehrmaschinen dafür, dass diese immer sauber aufgeräumt ist. Hier fliegen nicht nur Späne, sondern auch ganze Holzbrocken.

Äxte so scharf wie Rasiermesser

In sieben verschiedenen Disziplinen beweisen die Athleten ihr Können an Axt und Säge. Bei den Einzelmeisterschaften treten jeweils zwei Konkurrenten gleichzeitig an. Die Terminologie ist komplett englisch. „Underhand Chop“ ist das Fachwort für das Zerteilen eines bereits gefällten liegenden Baums mit der Axt. „Standing Block Chop“ simuliert – wieder mit der Axt – das Fällen eines senkrecht stehenden Baums. Die Äxte sind Spezialanfertigungen und „so scharf, dass man sich damit auch rasieren könnte“, erklärt Peter Bauer (36) aus dem deutschen Team.

Stilnoten werden keine vergeben, es zählt allein die Zeit. „Man braucht Fitness, Technik, eine hohe Konzentrationsfähigkeit und sehr viel Material“, sagt der Bayer Bauer. Er trainiert täglich. Nach der Weltmeisterschaft wird er sich aber auch mal eine Pause gönnen – nur den Christbaum wird er wieder selbst schlagen.

Richtig laut wird es, wenn die getunten Motorsägen zum Einsatz kommen. Sie haben bis zu 80 PS, die Kette läuft mit bis zu 240 Kilometern pro Stunde und sie wiegen bis zu 27 Kilo. Kosten: eine hohe vierstellige Summe. Und die Sicherheit? Die Sportler treten in leichter Sportkleidung auf, sie tragen Hemden oder T-Shirts und leichte Turnschuhe, darunter allerdings schützen Kettensocken und Strümpfe Haut und Knochen. Für die Weltmeisterschaften hat Hauptsponsor Stihl ein Preisgeld von 70 000 Euro ausgelobt. „Die Sportler hier machen das nicht wegen des Gelds“, sagt Jasmin Oun von der Stihl AG, „sondern wegen der Leidenschaft für diesen Sport. Fast alle sind Amateure. Ihre finanziellen Aufwendungen und der Einsatz sind enorm hoch.“

Für die Wettkämpfe in Stuttgart wurden 26 Tonnen schnellwachsendes Pappelholz benötigt. Das sind rund 100 Bäume aus einer speziellen Pappelplantage in Holland. Die Holzreste erhält die Diakonie Stetten im Remstal für ihr Blockheizkraftwerk.

Heimwerken und speziell das Arbeiten mit Holz gehören zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der deutschen Männer. „Ich arbeite selbst gern im Wald. Man kann das allerdings nicht mit dem vergleichen, was hier auf der Bühne passiert“, sagt Zuschauer Gerhard Müller aus Knittlingen bei Maulbronn. „Es wird was geboten, und die Unterhaltung ist gut“, zeigt er sich zufrieden.

Sabine Walker aus Tübingen ist eine der wenigen weiblichen Zuschauer in der Arena. „Mein Mann schafft im Wald, und wir haben schon gestern zugeschaut. Es ist einfach klasse, wie die Athleten hier die Bäume zerlegen“, begeistert sie sich.

Simon Feess aus Wannweil fühlt sich ebenfalls bestens unterhalten. „Einfach eine gute Show, es macht Laune, hier zu sein und zu sehen, wie die Zuschauer abgehen.“ Zur nächsten Weltmeisterschaft allerdings wird der Anfahrtsweg länger sein. Sie findet in Lillehammer (Norwegen) statt.

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14.11.2016, 06:00 Uhr

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