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Kommentar

Da ist er wieder, der braune Hugo

Jetzt kehren sie zurück die Schlagzeilen der 90er-Jahre. „Die Nazi-Schneider von Metzingen“ titelte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) am Wochenende einen Artikel über den Textil-Weltkonzern und seinen Namensgeber Hugo Boss. Anlass des Berichts: Über den 1948 gestorbenen Firmengründer, seit 1931 NSDAP-Mitglied mit der Nummer 508889, wird Ende des Monats eine Studie erscheinen. Der Münchner Wirtschaftshistoriker Roman Köster hat sich in seiner Arbeit „Hugo Boss, 1924 bis 1945“ mit der frühen Firmengeschichte des Metzinger Modemultis beschäftigt.

08.09.2011

Finanziert wurde die Arbeit des Mitarbeiters der Bundeswehr-Universität von der Hugo Boss AG. Für die Aktiengesellschaft, die inzwischen mehrheitlich dem Finanzinvestor Permira gehört, ist das offenbar der zweite Versuch, sich der eigenen Nazi-Vergangenheit zu nähern.

Den ersten Anlauf nahm der Konzern schon Ende der 90er-Jahre. Nachdem der Name Hugo Boss auf einer Liste von nachrichtenlosen Konten aufgetaucht war, mit der die Schweizerische Bankenvereinigung eigentlich nach Nachkommen von Holocaust-Opfern suchte, begannen Journalisten in aller Welt kräftig zu recherchieren.

Sie stießen auf einen Profiteur und Anhänger des Nationalsozialismus. Boss in Metzingen nähte in den 30er-Jahren Uniformen für SA, SS und Wehrmacht. Zeitungen und Magazine schrieben über die „Schneider Hitlers“ und den Metzinger „Couturier der SS“. Titel wie „Fashion for the fascists“ wurden für Boss zum Image-Problem.

Tatsächlich stieß damals auch die mit der ersten Studie beauftragte Tübinger Historikerin Elisabeth Timm (heute Professorin in Münster) bei ihren Recherchen auf einen nationalsozialistischen Musterbetrieb. Der Aufstieg der Firma des durch einen signifikanten Mangel an Ehrgeiz bekannten Hugo Boss ist untrennbar mit der Nähe zum Faschismus verbunden.

Eine Tatsache, die wem auch immer bei Boss so missfallen haben muss, dass die Arbeit Timms entgegen anderslautender Ankündigungen nie gedruckt wurde. Die Autorin warf dem Konzern „Schubladentaktik“ vor. Die AG zahlte zwar ihr Umsatz-Promill in den Stiftungsfonds zur Entschädigung von Zwangsarbeitern ein, versuchte die Firmengeschichte aber ansonsten auf die als Boss-Gesellschafter längst ausgeschiedene Familie Holy abzuwälzen.

Doch auch die Enkel des Firmengründers, Uwe und Jochen Holy, die Boss einst erfolgreich zum Mode-Weltkonzern umgebaut hatten, schwiegen sich zur Geschichte lieber aus. Bis heute ist nicht bekannt, was aus dem vergessenen Konto in der Schweiz geworden ist. Forderungen, die Familie möge das Geld für eine Stiftung verwenden, die Erben von Opfern des Nazi-Regimes unterstützt, ließen die Holys stets unkommentiert.

Viele offene Fragen lassen also weiter Raum für Recherchen. Zumal auch Roman Köster etliche Antworten schuldig bleibt. In seiner neuen Studie wird das Konto in der Schweiz erst gar nicht erwähnt.

Und auch der Frage, warum die Recherchen seiner Vorgängerin nicht veröffentlicht wurden, weicht der Historiker aus. Das könnte dazu führen, dass der Modekonzern, der angeblich keine Dokumente mehr aus der Gründerzeit besitzt, im Herbst noch einige Nazi-Schlagzeilen bekommt.

Matthias Stelzer

Da ist er wieder, der braune Hugo
Das Foto von Hugo Boss im NSDAP-Ausweis.

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08.09.2011, 12:00 Uhr

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