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Deutlich mehr Arbeitsplätze

Daimler-Prüfzentrum soll möglichst bald der Sulzer Öffentlichkeit vorgestellt werden

Das Regionale Gewerbegebiet könnte eine ganz andere Form bekommen, als bisher geplant. Sollte Daimler bei Sulz ein neues Prüfzentrum bauen, würden dafür an die 200 Hektar Ackerland entlang der Autobahn benötigt.

12.10.2010
  • Hans-Jörg Schweizer

Sulz. Bisher hatte das geplante „Regionale Gewerbegebiet“ eine anvisierte Größe von 50 plus X Hektar. Für bis zu 70 Hektar hatte man gerade erst die Landsiedlung GmbH der LBBW beauftragt, Kaufoptionen mit den Grundstücksbesitzern auszuhandeln. Mit 150 bis 200 Hektar ist das von Daimler benötigte Gelände aber deutlich größer, so Bürgermeister Gerd Hieber. Außerdem hat das angedachte Gebiet eine ganz andere Form, eher die eines Streifens entlang der Autobahn. Das ändert alles, und drum hat die Stadt die für November geplante Versammlung der Grundstückseigentümer erst mal zurückgestellt.

Sollte Daimler tatsächlich nach Sulz kommen, wird nicht das Konsortium aus Stadt, Regionalverband und regionaler Wirtschaftsförderung die Kaufverträge fürs Ackerland machen, wie das bisher ohne konkreten Investor fürs „Regionale Gewerbegebiet“ vorgesehen war. Das müsste Daimler dann schon selbst erledigen, sagt Hieber, der glaubt, dass auch die (Preis-) Vorstellungen der Grundstücksbesitzer dann etwas andere sein könnten.

„Wir werden sehr selbstbewusst mit dem Thema umgehen“, verspricht Hieber, der glaubt, dass Sulz noch drei Mitbewerber um die Daimler-Ansiedlung hat. Welche Gemeinden das sind, gibt Daimler bislang nicht preis. Das Prüf- und Testzentrum für Elektroautos, Brennstoffzellen, Hybridtechnik und Fahrassistenzsysteme soll laut Daimler aber nahe einer Autobahn entstehen und dürfe nicht mehr als eine Autostunde von den Entwicklungszentren der Autobauer in Sindelfingen und Untertürkheim entfernt sein.

„Man kann durchaus auch Forderungen stellen. Wenn man diese Gespräche vertieft, muss alles in einem vernünftigen Verhältnis stehen“, gibt sich Hieber selbstbewusst und meint damit weniger die Grundstückspreise als vielmehr die Arbeitsplätze. Die vergangene Woche von Daimler in Aussicht gestellten 30 Arbeitsplätze auf einer derart großen Fläche seien völlig inakzeptabel. Inzwischen spreche man aber auch beim Konzern von einer dreistelligen Zahl. Da gebe es wohl innerhalb des Unternehmens ein Umdenken. Möglicherweise könnten einzelne Bereiche aus dem Sindelfinger Ensemble nach Sulz verlagert werden.

Öffentlichkeit soll einbezogen werden

Es soll nun ein ergebnisoffener Dialog geführt werden, so ein Ergebnis der langen nichtöffentlichen Gemeinderatssitzung vom Montagabend mit Lothar Ulsamer (Leiter föderale und kommunale Politik bei Daimler) und Reiner Imdahl (Chef der Gesamtsimulation bei Mercedes-Benz-Cars). Ziel sei eine intensive politische und öffentliche Diskussion, erst anschließend könnten Verhandlungen folgen.

„Wir lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen. Hektik war noch nie ein guter Ratgeber“, sagt dazu Bürgermeister Hieber, drückt aber dennoch ganz schön auf die Tube. Sollte der Sulzer Gemeinderat am Montag, 25. Oktober, beschließen, dass das Projekt weiter verfolgt werden soll, will Hieber möglichst schon Anfang November eine öffentliche Informationsveranstaltung mit den Daimler-Planern in der Stadthalle ansetzen. Auf welche Weise die Meinung der Sulzer Bürger dann aber eingeholt werden soll, ist noch ungewiss. Hieber verweist auf den Runden Tisch und die Punkteabfrage vor Jahren zum Regionalen Gewerbegebiet. Von einem Bürgerentscheid will der Bürgermeister zunächst nicht reden. Und auch diese Option gibt es natürlich: Wenn am 25. Oktober „der Gemeinderat sagt: Klappe zu, interessiert uns nicht“, dann sei das Projekt gestorben. Das würde dann auch von Daimler so akzeptiert werden, so Hieber.

Inbetriebnahme in fünf bis sechs Jahren

Sollte das Projekt aber weiterverfolgt werden, dann gäbe es noch einiges zu tun, ehe die Anlage in fünf oder sechs Jahren – so die Vorstellungen bei Daimler – in Betrieb gehen könnte. Ganz abgesehen von den Grundstücksverhandlungen müsste für diese Ansiedlung auch der Regionalplan umgeschrieben werden, und die Stadt Sulz müsste die planerische Freigabe erteilen, sprich einen Bebauungsplan aufstellen. Trotzdem würde alles weiterhin unter dem Titel „Regionales Gewerbegebiet“ laufen, an dem neben der Stadt auch Regionalverband und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwarzwald-Baar-Heuberg beteiligt sind.

Hieber betont, dass auf dem für hiesige Verhältnisse guten Ackerland einige Vollerwerbslandwirte betroffen sind. „Da bedarf es eines sehr umfänglichen Interessenausgleichs. Da ist ein ernsthaftes Bemühen nötig.“ Auf der anderen Seite bedeute intensive Landwirtschaft auch immer, dass der ökologische Wert der Flächen nicht der größte sei. Daimler habe alle noch in Frage kommenden Standorte bereits ökologisch begutachten lassen, so Hieber, und da scheine für Sulz kein K.O.-Kriterium aufgetaucht zu sein. Das Thema Lärmbelästigung ist beim Test von Elektroautos direkt neben der lauten Autobahn wohl eher zweitrangig. Und es gehe hier übrigens nicht um eine Flächenversiegelung, sondern um eine Flächen-Inanspruchnahme, so Hieber. Das heißt, dass lange nicht die gesamten 200 Hektar überbaut würden, sondern zwischen den Teststrecken und Prüfständen noch viel Wiese übrig bliebe.

Daimler habe sicher ein ernsthaftes Interesse an Sulz, „die würden sich sonst die Zeit nicht nehmen“, glaubt Hieber, der sichtlich froh ist, dass bei der nichtöffentlichen Information im Gemeinderat sehr sachlich und konstruktiv gesprochen worden sei. Auch die Mitglieder der Ortschaftsräte Mühlheim, Renfrizhausen, Bergfelden und Holzhausen hätten sich intensiv beteiligt und ihre Sorgen angesprochen.

Das Daimler Prüfzentrum Süddeutschland

An Hochgeschwindigkeits-Teststrecken herrscht im Südwesten kein Mangel. Im Gegensatz zu anderen Autobauern fehlt dem Daimler-Konzern aber ein Prüfzentrum für neue Techniken der zukunftsträchtigen Elektromobilität und der Fahrassistenz. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft sollen Autos so schlau sein, dass Fahrer kaum noch einen Unfall bauen können. Bei einem dafür nötigen Prüfzentrum geht es neben dem üblichen Teststrecken-Oval auch um alle möglichen anderen Streckenformen samt Steigungen und Gefällstrecken, die je nach Testanforderung auf- und abgebaut werden können. Die zu testende Mercedes-Technik wird aber in den Fahrzeugen und von außen nicht erkennbar sein, sodass um das Prüfzentrum auch kein Sichtschutz gegen Erlkönig-Jäger nötig ist, lediglich ein Zaun gegen’s Wild.

Daimler-Prüfzentrum soll möglichst bald der Sulzer Öffentlichkeit vorgestellt werden
An der Autobahn zwischen Holzhausen und Bergfelden könnte die Daimler AG ein neues Test- und Prüfzentrum bauen. An die 200 Hektar derzeitiges Ackerland wären dafür offenbar nötig. Das entspräche einem etwa 700 Meter breiten Streifen entlang der Autobahn auf einer Länge von ungefähr 2,5 Kilometern von der Kreisstraße 5507 von Holzhausen nach Bergfelden (am unteren Bildrand) bis zum Autobahnparkplatz nahe der Mühlbachtalbrücke (Kulispitze). Bild: hz

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12.10.2010, 12:00 Uhr

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