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Stuttgart

Daimler muss sich in den USA verteidigen

Droht auch Daimler ein Abgasskandal? Befürchtungen gab es, nachdem US-Klagen eingereicht wurden. Nun fordert die Justiz interne Ermittlungen.

23.04.2016
  • DPA

Nach mehreren Zivilklagen in den Vereinigten Staaten haben die US-Behörden die Überprüfung der Abgasmessungen beim Autohersteller Daimler angeordnet. "Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit den Behörden", sagte Finanzchef Bodo Uebber. In der Nacht zum Freitag hatte Daimler in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt erklärt, das US-Justizministerium habe den Konzern aufgefordert, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den USA unter Einbeziehung der US-Aufseher unter die Lupe zu nehmen. Ob die Behörden dort auch von sich aus Ermittlungen aufnehmen, ist unklar. Daimler-Aktien sackten kurz nach Handelsbeginn an der Börse um fast sechs Prozent ab. Die Anordnung folgt auf Sammelklagen von US-Autobesitzern, die dem Hersteller illegal überhöhte Emissionswerte bei Dieselmotoren vorwerfen. Uebber betonte, dass Daimler die Sammelklagen für unbegründet halte und sich mit sämtlichen juristischen Mitteln zur Wehr setzen werde.

Der Konzern regelt bei einigen Dieselmotoren die Abgas-Nachbereitung in bestimmten Temperaturbereichen herunter. Daimler begründet das mit dem rechtlich zulässigen Schutz von Bauteilen. Ein Daimler-Sprecher sagte, das entspreche den US-Regularien.

Bereits am 15. April war der Konzern nach eigenen Angaben unter Hinweis auf strenge Vertraulichkeit von der US-Justiz aufgefordert worden, den Zertifizierungs- und Zulassungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen in den USA durch eine interne Untersuchung in Abstimmung mit den US-Ermittlern überprüfen zu müssen. Man wolle dazu eine externe Kanzlei einschalten, kündigte Uebber an.

Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe werfen dem Autobauer vor, dass die Stickoxid-Werte von Dieselmodellen zwar auf dem Prüfstand die zulässigen Grenzwerte einhalten, im realen Fahrbetrieb auf der Straße aber um ein Vielfaches darüber liegen. Bereits im Januar hatten die Schwaben französischen Behörden Rede und Antwort stehen müssen, das britische Verkehrsministerium maß bei einem Mercedes-Modell höhere Werte als auf dem Prüfstand. Daimler hat Erfahrung mit den US-Behörden. Der Konzern hatte 2010 nach einer Schmiergeld-Affäre einen Vergleich mit dem Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC geschlossen. In Deutschland wird sich der Autobauer wegen ähnlicher Anschuldigungen verantworten müssen, die Deutsche Umwelthilfe reichte eine Unterlassungsklage wegen Verbrauchertäuschung ein.

Die Daimler Quartalsbilanz fiel gestern durchwachsen aus. Hohe Anlaufkosten für die neue E-Klasse drückten auf den Gewinn im ersten Quartal. Außerdem entwickelte sich das Lkw-Geschäft unter anderem wegen der schwierigen Lage in Brasilien schwächer als erwartet. Unterm Strich verdiente Daimler trotz deutlichen Absatzzuwachses mit 1,4 Milliarden Euro fast ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um zwei Prozent auf 35 Milliarden Euro.

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23.04.2016, 06:00 Uhr

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