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Sein Name fliegt durchs All

Darko Rozic hat bei der Rosetta-Mission mitgearbeitet

Ein Reutlinger verfolgte die Rosetta-Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA ganz genau. Schließlich hat Darko Rozic an einem Messin-strument für die Sonde mitgearbeitet – und das fliegt derzeit rund eine halbe Milliarde Kilometer entfernt durchs All.

29.12.2014
  • Thomas de Marco

Es ist eine merkwürdige Vorstellung: Man entwickelt etwas – und weiß erst zehn Jahre später, ob es überhaupt funktioniert. Genau das erlebt derzeit der Reutlinger Darko Rozic: Er war beteiligt am Bau eines Massenspektrometers für die Rosetta-Mission der europäischen Weltraumorganisation. Die Sonde der ESA kreist nach einer Flugzeit von zehn Jahren derzeit bekanntlich um den Kometen Tschurjumow Gerassimenko, knapp eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt.

Darko Rozic hat bei der Rosetta-Mission mitgearbeitet
Bleibende Erinnerung mit falsch geschriebenem Vornamen: Darko Rozic und seine Urkunde von der europäischen Weltraumorganisation ESA.Bild Haas

Ein bisschen sei er sich während der vielen Jahre vorgekommen wie ein Kind, dem man sagt, „wenn du mal älter bist, darfst du das und das machen“, erinnert sich der 43-jährige Rozic. Dabei sei er während dieser Zeit aber keineswegs jeden Tag mit dem Gedanken an Rosetta aufgewacht: „Man muss das vergessen, und das ist mir teilweise auch gelungen.“ Er habe sich freilich schon in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder gefragt, was COSIMA denn nun gerade so mache in den Weiten des Weltalls.

COSIMA ist die Abkürzung für Cometary Secondary Ion Mass Spectrometer und bezeichnet den Massenspektrometer, der in der Sonde untergebracht ist: Ein Gerät, etwa so groß wie ein Schuhschrank, an dem rund 50 Spezialisten gearbeitet haben. Rozic hat mit zwei Kollegen an der Bergischen Universität in Wuppertal zwischen 2001 und 2003 die Auswertungs-Elektronik dieses Massenspektrometers entwickelt. Im Gegensatz zu dem Spektrometer COSAC des Landegeräts, der auf dem Kometen Bodenproben untersucht, umkreist COSIMA mit der Sonde den Kometen und soll den Staub dieses Himmelskörpers analysieren. Das Gerät bestimmt die Häufigkeiten von Elementen, Isotopen und Molekülen.

Während der Entwicklungszeit haben sich alle COSIMA-Spezialisten jeweils einmal im Jahr getroffen. Dafür wurde immer ein ganzes Hotel in Glurns in Südtirol angemietet. „Beim ersten Meeting dachte ich, die sind alle verrückt. Aber positiv verrückt“, sagt der Elektro-Techniker. Alle waren begeistert von der Idee, einem Kometen zu Leibe zu rücken, und beseelt von Fragen nach dem Ursprung des Lebens.

Doch Rozic hat sich schnell gewöhnt an den besonderen Geist und den Enthusiasmus, der die Mitarbeiter am ESA-Projekt antrieb. Schließlich ist auch er seit seiner Kindheit fasziniert von Sternen und Kometen. Geweckt wurde diese Begeisterung von Filmen wie „Star Wars“, von Fachbüchern oder dem Blick durch das Teleskop des Nachbarn. Denn die Familie von Rozic, der im kroatischen Varazdin geboren wurde und als Dreijähriger nach Deutschland kam, hatte kein eigenes Fernrohr.

Nachdem Rozic Elektrotechnik an der Ruhr-Uni Bochum studiert hatte, wechselte er zur Promotion nach Wuppertal an die Bergische Universität. Deren Abteilung „Elektrische Messtechnik“ arbeitet schon lange mit der ESA zusammen. Für ihn als Techniker ist wichtig, dass die Mission der europäischen Weltraumorganisation weder kommerzielle noch militärische Zwecke verfolgt: „Woher wir kommen, wohin wir gehen – das sind für mich die zentralen Fragen“, erklärt er. Rosetta werde ziemlich sicher kein neues Element entdecken. Gesucht würden vielmehr organische Stoffe, die als Urbausteine des Lebens gelten. „Der Komet hat Material, das vor Milliarden von Jahren im Sonnensystem entstanden ist“, sagt Rozic. Er arbeitet seit 2005 bei Bosch in Reutlingen in der Entwicklungsabteilung für Sensoren.

Als Philae am 12. November auf dem Kometen aufsetzte, verfolgte der 43-Jährige die Landung gar nicht live. „Ich habe gearbeitet und mich erst nach Feierabend am Fernseher und im Internet informiert – durchaus mit Herzklopfen. Denn der Lander wiegt zwar 100 Kilogramm, aber im Weltall ist er leicht wie ein Blatt. Deshalb hatte ich Angst, dass er abprallen und in den Tiefen des Weltalls verschwinden könnte“, berichtet Rozic.

Er ist zwar enttäuscht, dass gleich zwei Systeme zur Stabilisierung des Landers ausfielen und Philae deshalb im Sonnenschatten zu liegen kam. Trotzdem öffnete er am Abend nach dem Aufsetzen eine Flasche Wein mit seiner Partnerin. Die hatte im Übrigen die Live-Übertragung der Landung intensiv verfolgt. „Ich denke, bisher war die Mission ein Erfolg. Philae hat alle Experimente gemacht und Daten geschickt“, sagt der Reutlinger.

Sein Massenspektrometer kommt allerdings erst später zum Einsatz, wenn die Rosetta-Sonde den Kometenschweif passiert. „Mitte des nächsten Jahres erwarte ich genauere Informationen. Dann werde ich mich mit den ehemaligen Kollegen austauschen und bei der ESA nachfragen, welche Stoffe denn nun gefunden wurden“, erklärt Rozic.

Sein Name geistert im Übrigen derzeit durchs Universum: Den durfte er auf den Platinen für die Mess-Elektronik eingravieren – wie auch seine beiden Kollegen die ihren. „Das hat nicht jeder, dass sein Name durchs Weltall fliegt“, freut sich der 43-Jährige. Allerdings sind diese Visitenkarten nicht für die Ewigkeit: Rosetta wird zusammen mit dem Kometen verglühen, wenn beide der Sonne zu nahe kommen.

Bleiben wird dem Elektro-Techniker allerdings die Urkunde, die er von der ESA bekommen hat. Da kann es Rozic auch verschmerzen, dass sein Vorname auf dem Dokument falsch geschrieben ist. Noch wichtiger wäre dem Reutlinger allerdings, sollte der Rosetta-Mission der erhoffte Erfolg beschieden sein: „Wenn die Grundbausteine des Lebens gefunden werden, dann haben wir erreicht, was wir wollten.“

Rund 1 Milliarde Euro kostet die Rosetta-Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA. Für Darko Rozic eine Investition, die sich lohnt. „Mein Traum ist es, herauszufinden, ob es im Sonnensystem noch anderes intelligentes Leben gibt. Rosetta ist ein Baustein bei dieser Suche“, sagt er. Der Aufwand bei dieser Mission sei ähnlich groß wie 1969 bei der Mondlandung. Letztlich sei Rosetta aber wesentlich komplexer, da im Gegensatz zur Landung auf dem Mond nichts von Hand gesteuert werden kann, sondern alles automatisch ablaufen muss. „Ein Befehl braucht ungefähr 20 Minuten, um von der Erde zur Rosetta zu gelangen“, sagt Rozic. Die Antwort ist dann noch einmal so lange unterwegs.

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29.12.2014, 12:00 Uhr

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