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Festplatz statt Fernweh

Das Afrika-Festival kann einen Besucherrekord verzeichnen

Vier Tage lang war der Tübinger Festplatz Dreh- und Angelpunkt afrikanischer Kultur. Tausende Besucher schlenderten über einen afrikanischen Markt, besuchten Konzerte und Vorträge oder ließen es sich bei exotischen Speisen und bestem Wetter einfach gut gehen.

13.08.2012

Tübingen. Das dritte Jahr in Folge hatte sich der Festplatz in einen bunten Basar verwandelt. Rund 60 Aussteller boten Afrikanisches, Arabisches und Asiatisches an. An den bunt dekorierten Ständen wurde aber nicht nur Kitsch und Kunst, Schmuck und Nützliches angeboten: Sie waren auch Orte der Kommunikation, an denen Marktbesucher und Händler ins Gespräch kamen. Die Tübinger ließen sich gerne beraten, mit Anekdoten unterhalten und von der sprichwörtlichen afrikanischen Lebensfreude anstecken.

Manche hatten sich Decken mitgebracht, setzten sich mit Kind und Kegel auf die Wiese und ließen es sich bei bestem Wetter einfach gut gehen. Die Kinder tobten sich auf der Spielstraße aus und schlossen Freundschaften über Sprachbarrieren hinweg, während die Erwachsenen sich durch die kulinarische Landschaft testeten. Diverse Gastro-Anbieter servierten afrikanische Gerichte aus fast allen Ländern des Kontinents. Zum Beispiel Zophoba, ein Gericht „neu aus der Insektenküche“. Was das ist? Schwarzkäferlarven! Insekten enthalten doppelt so viel Protein wie Fleisch oder Fisch und stehen in Afrika, Lateinamerika und Asien ganz selbstverständlich auf der Speisekarte.

Die Händler konnten mit den vier Markttagen zufrieden sein. „Es läuft gut, es ist eine schöne Atmosphäre und auch die Besucher sind wirklich lässig und zufrieden“, sagt Njeri Kinyanjui. Die gelernte Diplom-Volkswirtin kommt aus Kenia, lebt in Walddorfhäslach und hat eine kleine Saucen-Manufaktur, in der sie afrikanische Würzpasten und Chutneys herstellt. Für sie sei das Festival „wie kurz nach Hause kommen, obwohl ich in Deutschland zuhause bin“. Für ein paar Tage sei sie während des Festivals wieder „mitten im Geschehen – es ist ein anderes Tempo und ein anderer Ton“. Gute Musik, anderes Essen und „Menschen von überall, nicht nur Afrikaner“ prägen für sie das Festival.

Was Europäer von Afrika lernen könnten? „Wir haben so viele Dinge, die wir überwinden müssen“, sagt Kinyanjui und zählt auf: Dürre, Hunger, Arbeitslosigkeit. Lernen könnten die Europäer da „dieses Positiv-Sein und die Fröhlichkeit trotz allem“. Rund um Markt und Gastro-Angebot gab es ein ausgeklügeltes Kulturprogramm mit afrikanischen Trommel- und Tanzgruppen, Bands, DJs und einer Modenschau. Auf letzterer wurde afrikanische Mode von elegant bis lässig, von bodenlang bis mini einmal nicht von Models mit europäischen Standard-Hungermaßen vorgeführt, sondern von Frauen aus den jeweiligen Ländern mit viel Selbstbewusstsein und gerne auch mal tanzend gezeigt.

Dass auf dem afrikanischen Kontinent die Uhren anders ticken, erklärte Geschichtenerzähler Dr. Ibu beim Kinderprogramm. Ob sie denn wüssten, was „Hakuna Matata“ bedeute? „Geile Socken“, antwortete ein Naseweis. Nicht ganz richtig, trotz Heimvorteil, antwortete der studierte Germanist, der im wahren Leben Ibrahima Ndiaye heißt. Umgangssprachlich heißt Hakuna Matata nämlich „alles in bester Ordnung“ oder „es gibt keine Probleme“. Der Unterschied zwischen Europa und Afrika, erklärte der Autor und Geschichtenerzähler, sei übrigens folgender: „Die Europäer haben die Uhr und wir haben die Zeit. Dann treffen wir uns irgendwo dazwischen.“

Gemäß dem diesjährigen Motto „Nicht schwarz. Nicht weiß. Sondern bunt“ haben die Veranstalter das Afrika-Festival bewusst auch als Kommunikationsort zwischen den Kulturen angelegt. „Get in contact“, regte Susan Tatah immer wieder von der Bühne herab an: „Wir möchten keine Armut, keine Hautfarbe, keine Trennung, wir haben die Nase voll. Wir sind eins für immer.“ Tatah ist mit dem Festival in diesem Jahr zufrieden. „Es war der Wahnsinn, wie viele Leute hier waren.“

Nach einem eher verhaltenen Start am Donnerstag hatten sich an den Folgetagen tausende Besucher eingefunden. Allein am Samstag, sagt Susan Tatah, seien nach Schätzung der Organisatoren über 8000 Menschen dagewesen. Im Vorfeld hatten die Veranstalter auf 10 000 Gäste gehofft, diese Zahl aber wurde deutlich übertroffen. „Insgesamt haben uns mindestens 15 000 Menschen besucht.“

Ob damit die Kosten des Festivals gedeckt sind, das sich vor allem durch den Getränkeverkauf und teilweise durch eine Spendenaktion refinanziert, weiß Susan Tatah noch nicht zu sagen. Sie hofft nun auf weitere Spenden: „Die Leute haben Spaß gehabt und können auch spenden. Das Festival lebt auf Spendenbasis.“ Auch mit dem Wirtschafts- und Sozialforum, ist die Organisatorin zufrieden. Sie berichtet auch von positiver Resonanz seitens der Referenten und sagt „das wollen wir weiter machen“.

Das Afrika-Festival kann einen Besucherrekord verzeichnen
Musik gab es allerorten auf dem Afrika-Festival:Bands und Djs traten auf der Bühne auf, die kleineren Acts einfach mittendrin im Geschehen. Bild: Faden

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13.08.2012, 12:00 Uhr

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